Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in die Zeit um ca. 1920. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist die Kunstmühle Rosenheim.
Die Kunstmühle liegt in der Klepperstraße beziehungsweise Kunstmühlstraße im Süden der damaligen Stadt, unweit des Bahnhofs. Heute gehört der Gebäudekomplex zu den markanten Industriedenkmälern Rosenheims. Auf der Aufnahme von 1905 ist allerdings noch der große Mühlenbetrieb zu sehen, für den das Areal einst gebaut wurde.
Bereits am 1. Mai 1855 nahm die Kunstmühle ihren vollständigen Betrieb auf. Sie entstand auf einem Grundstück, auf dem seit 1835 eine Granit-Steinsäge gestanden hatte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Mühle zu einem bedeutenden Industriebetrieb.
Produziert wurden im großen Stil verschiedene Sorten von Roggen- und Weizenmehl sowie Gries. Die Erzeugnisse wurden über eigene Verkaufsstellen, sogenannte Mehlniederlagen, in Rosenheim und im Umland verkauft. Um 1905 wurden nach Angaben des Stadtarchivs bereits rund 175.000 Zentner Getreide pro Jahr verarbeitet.
Vom Mehl zum Futtermittel
Die klassische Mehlproduktion endete in den 1970er-Jahren. 1974 wurde das Mahlen von Speisemehl aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb auf die Produktion von Futtermitteln für die Landwirtschaft umgestellt. Auch diese Produktion endete schließlich. 1990 wurde die Kunstmühle endgültig stillgelegt.
Danach verfiel das Gelände zunehmend. Die Gebäude standen lange leer, teilweise wuchsen bereits Bäume durch die Dächer. Für das ehemalige Industrieareal schien damit zunächst keine Zukunft in Sicht.
Aus der alten Mühle wird ein moderner Standort
Das änderte sich Anfang der 2000er-Jahre. Zwischen 2002 und 2005 wurde der historische Gebäudekomplex aufwendig saniert. Die alten Mühlengebäude – darunter die Roggenmühle von 1855 und die Weizenmühle von 1890 – wurden zu einem Büro- und Gewerbezentrum umgebaut. Heute stehen dort mehr als 4.000 Quadratmeter Büroflächen zur Verfügung. Auch gastronomisch wird das historische Gelände genutzt. Im Erdgeschoss des Silokomplexes befindet sich heute ein Cafe-Restaurant.
Ein besonders markanter Teil der Anlage ist der 54 Meter hohe Siloturm. Der Wasserturm wurde 1916 von den Münchner Gebrüdern Rank errichtet. Im Inneren befinden sich 75 Getreidesilos, die bis zu 18 Meter hoch sind. Sie werden heute aus statischen Gründen nicht mehr genutzt.
So erinnert die Kunstmühle auch heute noch an die industrielle Vergangenheit Rosenheims – und zeigt gleichzeitig, wie sich ein ehemaliger Produktionsstandort über die Jahrzehnte verändern kann.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Bildtext: Karin Wunsam)


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