Rosenheim . Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1910. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist das Rosenheimer Mittertor. Eine Kutsche ist gerade durch den Torbogen gefahren. An der Fassade ist bereits der Schriftzug „Städtisches Museum Rosenheim“ zu erkennen.
Das Museum war zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren im Mittertor untergebracht. Es wurde 1895 eröffnet und zog 1902 dauerhaft in das historische Gebäude ein.
Interessant ist auch der Mann, der unterhalb der Uhr aus einem Fenster schaut. Möglicherweise handelt es sich um Franz Xaver Berr junior, den letzten Rosenheimer Türmer. Er wurde 1852 geboren und übernahm 1882 nach dem Tod seines Vaters das Amt des Türmers und Stadtmusikmeisters. Dazu haben wir schon mal ausführlich berichtet: „Als der Türmer zu Weihnachten spielte“.
Die Familie Berr wohnte damals im zweiten Stock des Mittertors. Zu den Aufgaben des Türmers gehörte unter anderem, morgens, mittags und abends einen musikalischen Gruß mit der Posaune vom Turm zu blasen. An hohen Feiertagen wurden Choräle gespielt.
Das Mittertor war damit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur Museum, sondern auch noch Wohn- und Arbeitsplatz des Türmers. Die Dienstwohnung wurde sogar bis 1925 als Türmerwohnung genutzt.
Ein Blick auf das Mittertor von damals
Auch das Straßenbild hat sich seitdem deutlich verändert. Statt Autos sind auf der Aufnahme Pferdekutsche und Fußgänger zu sehen. Das Mittertor selbst wirkt auf dem historischen Foto noch deutlich gerader als heute.
Das mittelalterliche Tor ist das einzige erhaltene von einst mehreren Stadttoren Rosenheims. Der Torbogen stammt aus dem 14. Jahrhundert, die oberen Geschosse und der Zwiebelturm wurden nach dem großen Stadtbrand von 1641 errichtet.
Heute ist die Neigung des Mittertors deutlich sichtbar. Ursache sind unter anderem die schwierigen Bodenverhältnisse: Das Gebäude steht auf einer ehemaligen Aufschüttung und wurde auf Holzpfählen gegründet. Über die Jahrhunderte kam es zu Veränderungen am Untergrund und schließlich zu Schäden am historischen Bauwerk.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


Der Text weist auf den Herrn unter der Uhr hin. Aus dem zweiten Fenster von oben, unter dem Zwiebelturm schaut auch eine männliche Person.