Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1984. Auf der historischen Aufnahme zu sehen ist der Bau des Atriums in der Münchener Straße in Rosenheim, zu dieser Zeit eine echte Innovation.
Die Aufnahme zeigt damit auch eine Zeit des Umbruchs in der Rosenheimer Innenstadt. 1984 wurde der erste Bauabschnitt der Fußgängerzone offiziell eröffnet. Der Max-Josefs-Platz und weitere Bereiche der Innenstadt sollten vom Autoverkehr befreit und als Einkaufs- und Aufenthaltsbereich attraktiver werden. Auch Teile der Münchener Straße gehören bis heute zur Fußgängerzone.
Das Atrium passte zu diesem neuen Bild der Innenstadt. Es sollte nicht einfach ein weiteres geschlossenes Kaufhaus sein, sondern ein modernes Einkaufs- und Aufenthaltszentrum. Mit seinen offenen Strukturen, viel Glas, Terrassen und dem mediterran wirkenden Innenhof unterschied es sich deutlich von vielen eher wuchtigen Einkaufsbauten jener Zeit.
Einkaufen, Flanieren und Verweilen
Das Konzept setzte auf eine Mischung aus Geschäften, Gastronomie und Aufenthaltsmöglichkeiten. Modegeschäfte, Boutiquen, Schuhläden und weitere Fachgeschäfte gehörten zum Branchenmix. Gerade der Innenhof mit seinen Terrassen sollte dazu einladen, nicht nur einzukaufen, sondern auch zu verweilen.
Zu den Geschäften, die über viele Jahre mit dem Atrium verbunden waren, gehörte auch die Rosenheimer Bücherinsel. Das Fachgeschäft für Esoterik und Spiritualität war 34 Jahre lang im Atrium ansässig und schloss 2023. Damit verschwand ein Geschäft, das für viele Rosenheimer längst zu einer festen Institution geworden war (Wir berichteten).
Auch die Entwicklung der Rosenheimer Innenstadt ging in den folgenden Jahrzehnten weiter. Neue Einkaufsangebote, veränderte Kundenströme und der Wandel im Einzelhandel stellten ältere Einkaufszentren zunehmend vor neue Herausforderungen.
Das Atrium ist dafür heute ein sichtbares Beispiel. In dem Gebäudekomplex gibt es immer wieder Leerstände, und auch die ursprüngliche Idee eines belebten Einkaufs- und Aufenthaltsortes ist nicht mehr überall so präsent wie in den Anfangsjahren.
Hinzu kamen in jüngerer Zeit immer wieder Polizeieinsätze. Medien berichteten unter anderem über Schlägereien, Drogendelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz. Auch eine mögliche Videoüberwachung rund um das Atrium wurde bereits politisch diskutiert.
Umso interessanter ist der Blick zurück auf unser heutiges historisches Foto: Es erinnert an eine Zeit, in der das Atrium für modernen innerstädtischen Einzelhandel stand – und zeigt, wie sehr sich die Rosenheimer Innenstadt und ihre Einkaufswelt seit 1984 verändert haben.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Text: Karin Wunsam)


0 Kommentare