Rosenheim – Das Starkregenereignis Anfang Juni 2024 hat gezeigt, wie schnell sich Wasser seinen Weg suchen kann – auch dort, wo man zunächst nicht mit einer Überflutung rechnet. Wo solche Gefahren im Rosenheimer Stadtgebiet bestehen können, zeigt die Starkregenhinweiskarte. Für Süd-Ost und Süd-West liegen inzwischen Ergebnisse vor. Der aktuelle Stand wurde jetzt im Werkausschuss vorgestellt.
An das Starkregenereignis Anfang Juni 2024 erinnern sich viele Rosenheimer noch gut. Heftige Regenfälle sorgten damals in weiten Teilen der Region für Ausnahmezustand. Kleine Rinnsale verwandelten sich innerhalb weniger Stunden in reißende Bäche. Auch wenn die Stadt Rosenheim vergleichsweise glimpflich davonkam, standen dort Wiesen, Felder, Straßen und Unterführungen unter Wasser, Keller mussten ausgepumpt werden.
Hier geht es zu den Starkregenhinweiskarten:
Sturzfluten können dabei auch fernab größerer Gewässer auftreten – manchmal genau dort, wo man am wenigsten damit rechnet. Die Starkregenhinweiskarte soll sichtbar machen, wo im Stadtgebiet solche Gefahren bestehen können.
Süd-Ost und Süd-West inzwischen untersucht
Die Stadtentwässerung erstellt die Starkregenhinweiskarte seit mehreren Jahren schrittweise. Aufgrund der Größe des Stadtgebiets und der zahlreichen kleineren Gewässer wurde Rosenheim dafür in mehrere Teilräume gegliedert.
Bereits 2023 wurden die Einzugsgebiete von Kirchbach und Angerbach untersucht. 2024/25 folgte Rosenheim Süd-Ost, 2025/26 Rosenheim Süd-West. Damit liegen für diese beiden Bereiche nun Ergebnisse vor.
Das Gebiet Rosenheim Süd-Ost umfasst unter anderem die nördlichen Gewerbegebiete, Kastenau, Kaltwies, Kaltmühl und Happing sowie das Gewerbegebiet am Oberfeld. Dort spielt das Zusammenspiel mehrerer kleiner Gewässer – Gittersbach, Moosbach, Kaltenmühlbach und Gießenbach – mit der Regenwasserkanalisation eine wichtige Rolle.
Beispiel Happing
Wie die Karte mögliche Gefahren sichtbar macht, wurde am Beispiel Happing deutlich. Für außergewöhnliche Starkregenereignisse wird ein 100-jähriges Regenereignis mit einer Dauer von einer Stunde berechnet. Dieser Lastfall ist laut Stadt in der Regel maßgebend und wird auch im Rahmen des Förderprogramms vorgegeben.
In Happing kann es dabei insbesondere im Bereich der Innaustraße zu Ausuferungen mit hohen Fließgeschwindigkeiten kommen.
Wichtig ist allerdings: Die Starkregenhinweiskarte bildet nicht jedes mögliche Regenereignis ab. Die Anfang Juni 2024 beobachteten Überschwemmungen an der oberen Lohe werden durch den genannten Lastfall beispielsweise nicht dargestellt. Nach Angaben der Stadt waren diese Überschwemmungen Folge eines rund 18 Stunden andauernden Regenereignisses. Dabei verursachte der Gittersbach seinen höchsten Abfluss und trat über die Ufer.
Auch für Aising und Umgebung liegen Ergebnisse vor
Das Untersuchungsgebiet Rosenheim Süd-West umfasst unter anderem Aising, Pang, Ober- und Unterkaltbrunn, Hohenofen und Westerndorf. Dort gibt es ebenfalls mehrere Gewässer III. Ordnung, darunter Engergraben, Ängerbach, Kehlgraben, Sennfeldgraben, Ganslbach und Flurgraben. Auch hier besteht ein Wechselspiel mit dem Regenwassernetz.
Als Beispiel wurde das Einzugsgebiet des Ganslbachs vorgestellt. Dort sammelt sich das Wasser zunächst auf den südlich gelegenen Feldern. Im weiteren Verlauf kann es im Ortsgebiet von Aising zu Ausuferungen kommen, bis der Ganslbach bei der Aisinger Mühle in die Kalten mündet.
Selbst prüfen, ob das eigene Grundstück betroffen sein könnte
Die Starkregenhinweiskarte soll nicht nur der Stadt bei der Planung von Schutzmaßnahmen helfen. Auch Bürger können anhand der Karten selbst prüfen, wie ihr Grundstück bei einem außergewöhnlichen Starkregenereignis betroffen sein könnte.
Die bereits vorliegenden Karten sind auf der Homepage der Stadt Rosenheim veröffentlicht. Dort gibt es auch Erläuterungen zur Interpretation der Karten und Hinweise zum Eigenschutz.
Auf den Karten lässt sich unter anderem nachvollziehen, wo sich Wasser sammeln kann, welche Fließwege es nimmt und wo mit größeren Überflutungstiefen oder höheren Fließgeschwindigkeiten zu rechnen ist.
Im Vortrag wurde deutlich, dass es beim Eigenschutz nicht immer großer baulicher Maßnahmen bedarf. Je nach Situation können bereits kleinere Veränderungen helfen – beispielsweise eine Schwelle oder das Beseitigen eines Hindernisses, durch das sich Wasser einen bestimmten Weg sucht.
Dabei sollte allerdings immer auch das Umfeld betrachtet werden. Wenn Wasser auf dem eigenen Grundstück durch eine bauliche Veränderung in eine andere Richtung gelenkt wird, kann sich dies auch auf benachbarte Grundstücke auswirken – positiv, aber unter Umständen auch negativ. Absprache ist also wichtig.
Starkregenhinweiskarte soll 2027 für ganz Rosenheim vorliegen
Die Erstellung der Starkregenhinweiskarte ist noch nicht abgeschlossen. Das Gebiet Oberwöhr wurde nach Angaben der Stadt im Juni 2026 beauftragt. Erste Ergebnisse werden im Herbst erwartet.
Der Bereich Innenstadt soll ebenfalls im Herbst 2026 vergeben werden. Nach der derzeitigen Planung sollen die Starkregenhinweiskarten im Jahr 2027 für das gesamte Stadtgebiet fertiggestellt sein.
Die Karten dienen der Stadt bereits jetzt als Grundlage für die Beurteilung möglicher Gefährdungen durch Sturzfluten und Hochwasser, unter anderem in der Bauleitplanung und bei Bauvoranfragen.
Für Bürger bieten sie vor allem die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von der möglichen Gefährdung zu machen: Wo könnte sich bei einem außergewöhnlichen Starkregen Wasser sammeln – und ist vielleicht auch das eigene Grundstück betroffen?
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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