AllgĂ€u / Bayern – Bergseen wie der Schrecksee und die Gaisalpseen ziehen im Sommer viele Besucher an. Bilder und Videos in sozialen Medien haben die Bekanntheit einzelner Ziele zusĂ€tzlich gesteigert. Der Landesbund fĂŒr Vogel- und Naturschutz (LBV) sieht dadurch sensible LebensrĂ€ume zunehmend unter Druck und appelliert an Besucher, RĂŒcksicht auf Natur und Tiere zu nehmen.
âSoziale Medien können Menschen fĂŒr unsere beeindruckende Bergnatur begeistern. Wenn aber immer mehr Menschen fĂŒr dasselbe Fotomotiv denselben sensiblen Ort aufsuchen, braucht es umso mehr RĂŒcksichtâ, erklĂ€rt LBV-Gebietsbetreuer Felix Steinmeyer. Viele Bergseen der AllgĂ€uer Hochalpen liegen in einer Landschaft, in der Pflanzen und Tiere unter besonderen Bedingungen leben. Die GewĂ€sser und angrenzenden Alpweiden sind laut LBV hĂ€ufig nĂ€hrstoffarm. Gerade dadurch könnten sich dort spezialisierte Arten behaupten.
Trampelpfade und MĂŒll belasten die Natur
Nach Angaben des Naturschutzverbands entstehen an stark besuchten Orten neben den eigentlichen Wegen immer wieder Trampelpfade. Pflanzen wĂŒrden niedergetreten und Wildtiere zögen sich aus stark genutzten Bereichen zurĂŒck. Auch zurĂŒckgelassene Essensreste und AbfĂ€lle seien ein Problem. âEine einzelne Person hinterlĂ€sst vielleicht kaum sichtbare Spuren. Wenn aber jeden Tag Hunderte denselben Weg abkĂŒrzen oder am selben Ufer sitzen, wird daraus schnell ein echtes Problemâ, erklĂ€rt Steinmeyer.
Der LBV-Gebietsbetreuer erinnert deshalb an eine einfache Regel: âAm Berg gilt deshalb eine einfache Regel: Was ich hinauftrage, nehme ich auch wieder mit hinunter. Das gilt vom MĂŒsliriegelpapier bis zum Taschentuchâ, sagt Steinmeyer.
LBV rÀt vom Baden in Bergseen ab
Auch das Baden in Bergseen sieht der LBV kritisch. Nach Angaben des Verbands können unter anderem RĂŒckstĂ€nde von Sonnenschutzmitteln ins Wasser gelangen. Bestimmte chemische UV-Filter könnten Wasserorganismen beeintrĂ€chtigen. Beim Ein- und Aussteigen wĂŒrden zudem empfindliche Uferbereiche belastet. âEin Bergsee ist kein Schwimmbad. Wer sich abkĂŒhlen möchte, sollte fĂŒr den Badetag ein dafĂŒr geeignetes GewĂ€sser wĂ€hlen. Es gibt auch im AllgĂ€u genĂŒgend natĂŒrliche Seen und Baggerseen, an denen eine AbkĂŒhlung ohne Schaden fĂŒr die Natur möglich istâ, so Steinmeyer.
Der Verband nennt vier Regeln, die Besucher beachten sollten: nicht am Bergsee zelten oder ĂŒbernachten, den eigenen MĂŒll vollstĂ€ndig wieder mitnehmen, auf den vorhandenen Wegen bleiben und keine Drohne einsetzen.
LBV fordert auch Behörden zum Handeln auf
Der Naturschutzverband sieht nicht nur die Besucher in der Verantwortung. Auch die zustĂ€ndigen Behörden mĂŒssten bei stark ĂŒberlasteten Orten konsequent handeln. Kontrollen, eine klare Besucherlenkung und gut sichtbare Hinweise auf geltende Regeln könnten nach Ansicht des LBV dazu beitragen, besonders sensible Bereiche zu schĂŒtzen. âFĂŒr ein schönes Bergerlebnis braucht es weder ein Zelt direkt am See noch eine Drohne ĂŒber dem Wasser. Das beste Erinnerungsfoto entsteht dort, wo fĂŒr das Bild keine Natur zu Schaden kommtâ, betont Steinmeyer. Und er ergĂ€nzt: âWir wollen, dass Menschen unsere Bergnatur erleben können. Aber dort, wo der Besucherdruck so groĂ wird, dass Schutzregeln regelmĂ€Ăig missachtet und LebensrĂ€ume geschĂ€digt werden, mĂŒssen die zustĂ€ndigen Stellen handelnâ, mahnt der LBV-Gebietsbetreuer.
Nach Ansicht des LBV betreffen die Auswirkungen des Besucherdrucks nicht nur Schrecksee und Gaisalpseen, sondern auch andere sensible Bergseen und alpine LebensrÀume in Bayern.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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