Rosenheim / Bayern / Deutschland – Kanarienvögel gehören neben Wellensittichen, Unzertrennlichen und Zebrafinken zu den häufig gehaltenen Ziervögeln. Wer die Tiere halten möchte, sollte allerdings einige Besonderheiten beachten – vom Platzbedarf über die Ernährung bis zur Frage, ob mehrere Tiere zusammen gehalten werden können.
Der Kanarienvogel ist die domestizierte Form des Kanarengirlitzes. Ursprünglich stammen die Vögel von den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert gelangten die ersten Tiere nach Europa. Vor allem der Gesang der Männchen machte sie beim Adel beliebt.
Im Laufe der Zeit wurde intensiv mit den Tieren gezüchtet. Heute gibt es nach Angaben des Bundesverbands für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA) mehr als 100 verschiedene Kanarienrassen. Sie werden in Gesangs-, Farb- und Positurkanarien eingeteilt.
Nicht jede Zuchtform ist unproblematisch
Bei den verschiedenen Zuchtformen gibt es laut BNA Unterschiede beim Tierwohl. Bei Gesangskanarien gebe es keine Hinweise auf Qualzuchten. Bei einigen Positurkanarien könnten dagegen auffällige Gefiederstrukturen, extreme Körperhaltungen oder Federhauben zu Problemen führen.
Bei den Farbkanarien seien nur wenige Farbschläge betroffen. „Die handelsüblichen roten, gelben oder gelbgescheckten Kanarienvögel sind als unbedenklich einzustufen“, erklärt Jonas Liebhauser, Referent für Heimtiere beim BNA.
Viel Platz zum Fliegen
Kanarienvögel können sowohl in einer Außenvoliere mit Schutzraum als auch in der Wohnung gehalten werden. Entscheidend ist nach Angaben des BNA, dass die Tiere ausreichend Gelegenheit zum Fliegen bekommen.
Für die Wohnungshaltung empfiehlt der Verband beispielsweise ein Vogelzimmer oder eine Voliere mit mindestens 150 x 60 x 100 Zentimetern und täglichem, mehrstündigem Freiflug. Wer keinen Freiflug ermöglichen kann, sollte für zwei Vögel eine Voliere mit mindestens zwei Quadratmetern Grundfläche und mindestens drei Kubikmetern Volumen zur Verfügung stellen. Ein mögliches Maß wäre beispielsweise 200 x 100 x 150 Zentimeter.
Zur Ausstattung gehören Sitzstangen mit unterschiedlichen Durchmessern, möglichst aus Naturästen, sowie eine Bademöglichkeit. Auch Beschäftigungsmöglichkeiten wie Wühlschalen oder mit Heu und Gräsern gefüllte Futterbälle können angeboten werden. Bei der Haltung in der Wohnung sollte außerdem auf flackerfreies Licht und eine Beleuchtung mit UV-A- und UV-B-Strahlung geachtet werden.
Was Kanarienvögel fressen
Kanarienvögel benötigen eine spezielle Saatenmischung. Diese enthält einen höheren Anteil ölhaltiger Sämereien als Futtermischungen für Wellensittiche oder Prachtfinken.
Um Übergewicht zu vermeiden, sollte die Futtermenge begrenzt werden. Als Richtwert nennt der BNA einen gehäuften Teelöffel Saatenmischung pro Tier und Tag. Ergänzend benötigen die Vögel Mineralien und Grit. Dabei handelt es sich um kleine Steinchen, die im Muskelmagen bei der Zerkleinerung der Nahrung helfen.
Frische Kräuter und Bittersalate wie Chicorée oder Radicchio können den Speiseplan ergänzen. Auch Gurke und geraspelte Karotte werden von den Tieren angenommen. Frisches Wasser sollte mindestens einmal täglich gewechselt werden.
Kanarienvögel sollten nicht allein leben
Nach Angaben des BNA sollten Kanarienvögel mindestens paarweise gehalten werden. Möglich sind demnach ein Männchen und ein Weibchen oder zwei Weibchen. Auch eine Gruppenhaltung kann funktionieren, wenn ausreichend Platz vorhanden ist.
Bei mehreren Männchen kann es allerdings insbesondere während der Brutzeit zu Streit kommen. Aufgrund ihres Territorialverhaltens können sie Artgenossen gegenüber aggressiv werden oder Weibchen bedrängen. In solchen Fällen kann eine vorübergehende Trennung notwendig sein.
Das Geschlecht lässt sich äußerlich nur schwer unterscheiden. Ein deutliches Merkmal ist der Gesang: Das charakteristische Trällern wird nach Angaben des BNA nur von den Männchen vorgetragen.
Nachwuchs braucht Vorbereitung
Wer Kanarienvögel gezielt züchten möchte, muss entsprechende Nistmöglichkeiten anbieten. Dafür eignen sich beispielsweise schalenförmige Nistkörbchen aus Draht oder Schilfgewebe sowie Kokos-, Sisal- oder Jutefasern als Nistmaterial. Das Weibchen baut daraus ein napfförmiges Nest. Dort legt es meist vier bis sechs Eier, die etwa zwei Wochen bebrütet werden.
Soll kein Nachwuchs entstehen, sollten keine Nistmöglichkeiten und kein geeignetes Material für den Nestbau angeboten werden. Damit lässt sich verhindern, dass die Tiere zur Brut angeregt werden.
(Quelle: Pressemitteilung BNA / IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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