Rosenheim – Unsere fotografische Zeitreise geht heute zurück in das Jahr 1954. Auf der historischen Aufnahme sehen wir eine der großen Attraktionen des Rosenheimer Herbstfestes in diesem Jahr: den Orient-Express.
Die Berg- und Talbahn der Löffelhardt-Betriebe war damals ein echter Hingucker. Schon die große, orientalisch gestaltete Zeltkuppel dürfte auf dem Festplatz alle Blicke auf sich gezogen haben. Palmen, Wüstenmotive und ein großer Flaschengeist gaben dem Fahrgeschäft eine Kulisse, die sich deutlich von den damals üblichen offenen Karussells unterschied.
Eine Fahrt mit Überraschung
Im Inneren der Kuppel fuhren die Besucher in offenen Wagen wie in einem langen Zug über eine kurvenreiche Berg- und Talstrecke. Der besondere Clou kam während der Fahrt: Über die Wagen konnte sich ein Verdeck schließen. Plötzlich wurde es dunkel, während der Zug weiter über die Strecke sauste.
Das sorgte nicht nur für Nervenkitzel. Die kurze Dunkelheit bot auch Gelegenheit für einen heimlichen Kuss – und soll der Bahn deshalb ihren Ruf als beliebter Treffpunkt für junge Paare eingebracht haben. In den 1950er-Jahren war eine solche Gelegenheit auf einem Volksfest schließlich nicht ganz alltäglich.
Ein Hauch von großer weiter Welt
Der Name Orient-Express passte dabei perfekt zur Gestaltung. Die orientalische Kulisse, die aufwendige Beleuchtung und die ungewöhnliche Konstruktion vermittelten den Besuchern ein Stück ferne Welt mitten auf der Rosenheimer Loretowiese.
Heute erinnern solche Fahrgeschäfte vor allem daran, wie sich das Gesicht der Volksfeste verändert hat. Die klassische Raupen- oder Berg-und-Tal-Bahn mit ihrem Verdeck ist auf den Festplätzen längst eine Rarität geworden.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann – Foto Nickl / Artikel: Karin Wunsam)


0 Kommentare