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Rosenheim plant neue Parkgebühren: Gratisstunde vor dem Aus

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

23. September 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim – Rosenheim will sein Parksystem erneut umkrempeln. Hintergrund ist vor allem der geplante Neubau des Parkhauses P1 am Hammerweg, der rund 13,45 Millionen Euro kosten soll. Um einen Teil dieser Kosten über zusätzliche Parkeinnahmen aufzufangen, will die Stadt die Gebühren neu ordnen: Zentral gelegene Parkhäuser sollen künftig mehr kosten, weiter vom Zentrum entfernte weniger. Die kostenlose erste Stunde, die erst Ende 2023 eingeführt wurde, wäre damit schon wieder Geschichte.

Der Haupt- und Finanzausschuss hat die Pläne am Dienstagabend (22. September) einstimmig gebilligt. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat am 30. September. Geplant ist nicht nur eine neue Gebührenstaffel. Auch das Parken am Straßenrand in der Parkzone 1 soll neu geregelt werden.

P1 soll Platz für 700 Autos schaffen

Im Mittelpunkt steht das Parkhaus P1 am Hammerweg, direkt hinter dem Lokschuppen. Das Ende 1987 eröffnete Gebäude hat derzeit rund 430 Stellplätze. Untersuchungen haben inzwischen erheblichen Sanierungsbedarf ergeben. Unter anderem müssen Parkdecks, Rampen und weitere Bauteile grundlegend überarbeitet werden. Nach Einschätzung der Verwaltung lässt sich der Betrieb ohne grundlegende Maßnahmen nicht über Mitte 2028 hinaus sicherstellen.

Deshalb soll P1 nicht umfassend saniert, sondern durch einen Neubau ersetzt werden. Das Untergeschoss soll weitgehend erhalten und verstärkt werden, die darüberliegenden Geschosse werden abgebrochen und neu errichtet. Vorgesehen sind insgesamt 14 Ebenen und rund 700 Stellplätze. Das oberste Parkdeck bleibt offen. Baubeginn ist für Frühjahr 2028 vorgesehen, Anfang 2029 soll das neue Parkhaus fertig sein.

Die Gesamtprojektkosten werden derzeit auf rund 13,45 Millionen Euro netto geschätzt. Die neuen Parkgebühren sollen dazu beitragen, diese Investition und die künftig höheren Kosten des Parkhausbetriebs zumindest teilweise aufzufangen.

Gebührengrafik Parkgebühren. Foto: re

Hier der Überblick: Parkgebühren aktuell bei den Parkhäusern von Stadt und GRWS und zukünftig. Grafik: Innpuls.me

Zentral teurer, weiter außen günstiger

Kern der geplanten Neuregelung ist eine stärkere Staffelung nach der Lage. In der teuersten Kategorie liegen die zentralen Parkmöglichkeiten P2 am KU’KO und künftig auch P1 am Hammerweg. In Kategorie 2 fallen P7 Altstadt-Ost, P9 Am Klinikum und der Parkplatz an der Pettenkoferstraße. Die günstigste Kategorie ist für P12 Bahnhof Nord vorgesehen.
Damit verfolgt die Stadt zwei Ziele: Die zentral gelegenen Parkhäuser sollen höhere Einnahmen bringen, während günstigere Tarife weiter außerhalb einen Anreiz schaffen sollen, diese Parkmöglichkeiten stärker zu nutzen. Gerade das P12 am Bahnhof Nord ist derzeit nach den Angaben aus der Sitzung häufig nur teilweise ausgelastet.

Die Verwaltung rechnet auf Grundlage der Parkvorgänge und Kapazitäten des Jahres 2025 mit insgesamt rund 2,491 Millionen Euro zusätzlichen Einnahmen pro Jahr. Davon entfallen 2,170 Millionen Euro auf die Kategorie 1, 312.000 Euro auf Kategorie 2 und 9.000 Euro auf Kategorie 3. Beim P1 sind in der Berechnung bereits die künftig rund 700 statt bisher 434 Stellplätze berücksichtigt.

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Die Mehreinnahmen sollen allerdings nicht nur den Neubau auffangen. Auch der laufende Betrieb der Parkhäuser wird laut Sitzungsvorlage teurer. Genannt werden unter anderem neue Bezahlsysteme, Kennzeichenerkennung sowie höhere Finanzierungs- und Zinskosten. Allein für den neuen P1 werden jährlich rund 375.000 Euro Abschreibungen angesetzt.
Hinzu kommt ein steuerlicher Effekt: Nach der Einschätzung der Verwaltung kann die Stadt bei einer vollständig kostenpflichtigen Nutzung die beim Bau anfallende Umsatzsteuer komplett als Vorsteuer abziehen. Bei der bisherigen kostenlosen ersten Stunde waren es demnach nur rund 80 Prozent. Für den Neubau des P1 ergibt sich daraus laut Vorlage ein finanzieller Vorteil von rund 500.000 Euro.

P1 schon vor dem Neubau teurer

Bei P1 gab es im Ausschuss noch eine Änderung gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag. Das Parkhaus am Hammerweg sollte zunächst erst nach seinem Neubau in die höchste Tarifkategorie 1 eingestuft werden.

Grünen-Fraktionssprecherin Sonja Gintenreiter konnte das nicht nachvollziehen. „Entscheidend bei einem Parkhaus ist doch die Lage und nicht die Attraktivität“, argumentierte sie. P1 liege bereits heute sehr zentral. Warum sollte die Lage erst nach dem Neubau einen höheren Tarif rechtfertigen? Oberbürgermeister Abuzar Erdogan folgte diesem Argument. Damit soll P1 bereits vor dem Neubau nach dem Tarif der Kategorie 1 behandelt werden.

Die Gratisstunde soll wieder verschwinden

Für Autofahrer dürfte aber eine andere Änderung besonders spürbar sein: Die kostenlose erste Stunde in den Parkhäusern soll abgeschafft werden. Sie war erst zum 1. Dezember 2023 eingeführt worden. Der Stadtrat hatte damals mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Die Gratisstunde war unter anderem ein langjähriger Wunsch des örtlichen Handels.
Künftig soll bereits ab der ersten halben Stunde bezahlt werden. Dafür gibt es eine Besonderheit bei der neuen Tarifstruktur: Zwischen 1:01 und 2:30 Stunden steigt der Preis jeweils nicht weiter. In der teuersten Kategorie kostet das Parken beispielsweise bis 30 Minuten 1 Euro, bis eine Stunde 2,50 Euro und bis 90 Minuten 4 Euro. Wer bis zu 2:30 Stunden bleibt, zahlt ebenfalls 4 Euro.

Auch am Straßenrand wird das System verändert. In der Parkzone 1 soll die erste halbe Stunde künftig kostenlos sein. Gleichzeitig soll die maximale Parkdauer dort auf eine Stunde begrenzt werden. Damit soll es ein kostenloses Zeitfenster für kurze Erledigungen geben, während längere Parkvorgänge stärker in die Parkhäuser gelenkt werden.

Schon wieder eine neue Parkrunde

Die geplante Änderung ist damit bereits die nächste Anpassung innerhalb weniger Jahre. Ende 2023 kam die kostenlose erste Stunde, im Juli 2025 beschloss der Stadtrat mit 24:21 Stimmen eine weitere Erhöhung der Parkgebühren. Damals stand vor allem die Haushaltskonsolidierung im Vordergrund. Nun wird die Neuordnung zusätzlich mit dem Neubau des P1 und den steigenden Kosten für den Parkhausbetrieb begründet.

Auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan berichtete, er habe sich vorab mit dem Rosenheimer Citymanagement und dem Wirtschaftlichen Verband über die neue Ausrichtung ausgetauscht. „Es hat keine ablehnenden Signale gegeben“, sagte der Oberbürgermeister. Das ist insofern interessant, als die kostenlose erste Stunde 2023 auch mit einem Wunsch des örtlichen Handels begründet worden war.
Grundsätzliche Zustimmung kam auch von den Fraktionen. CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller sagte: „Ich halte den Vorschlag absolut für sinnvoll.“ Besonders erhofft er sich eine bessere Auslastung des P12, das derzeit häufig halb leer sei. Für das neue P1 wünschte er sich außerdem 50 bis 100 Stellplätze für Dauerparker. Auch die Grünen unterstützten das Konzept. Stadträtin Anna Rutz machte allerdings deutlich, dass der Wegfall der kostenlosen ersten Stunde für Autofahrer zunächst eine spürbare Veränderung bedeutet. Die SPD befürwortete die neue Staffelung ebenfalls. Jonah Werner bezeichnete sie als „für Rosenheim überfällig“ und verwies auf München, wo zentrale Parkmöglichkeiten deutlich teurer seien als P+R-Angebote am Stadtrand.

Auch die Freien Wähler hatten keine Einwände gegen das Gebührenkonzept. Beim Neubau selbst gab es Wünsche zur Gestaltung: Das P1 solle attraktiv aussehen. Auch Photovoltaik wurde angesprochen – falls eine Anlage auf dem Dach nicht möglich sei, eventuell an anderer Stelle am Gebäude.

Der Antrag wurde im Haupt- und Finanzausschuss einstimmig angenommen. Ob die neue Gebührenordnung tatsächlich kommt und damit die kostenlose erste Stunde in den Parkhäusern endet, entscheidet sich am 30. September im Rosenheimer Stadtrat.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto re)

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