Der Ludwigsplatz war auch damals ein wichtiger Markt- und Geschäftsplatz. Auf der Aufnahme sind mehrere Stände zu erkennen. Entlang der angrenzenden Häuserzeile lassen sich außerdem verschiedene Geschäfte ausmachen. Bei einem Schriftzug ist „Josef Nennhuber“ zu lesen. Dabei handelt es sich um den Hutmachermeister Josef Nennhuber, der bereits im 19. Jahrhundert ein Geschäft am Ludwigsplatz hatte. Eine historische Anzeige aus dem Jahr 1886 nennt seine Adresse mit „Ludwigsplatz 6a“ und wirbt für Seiden-, Filz- und Strohhüte.
Daneben ist an einer Fassade der Schriftzug einer Metzgerei zu erkennen. Der weitere Text lässt sich auf der historischen Aufnahme nicht sicher entziffern. Gerade solche kleinen Hinweise machen das Foto aber zu einem interessanten Dokument des damaligen Geschäftslebens.
Eine Straßenlaterne als Zeichen des technischen Wandels
Besonders auffällig ist die Straßenlaterne auf dem Ludwigsplatz. Auf einem hohen, massiven Sockel erhebt sich ein kunstvoll gearbeitetes Gestänge, an dem die Leuchten angebracht sind. Für heutige Augen wirkt die Konstruktion fast wie ein eigenes kleines Bauwerk.
Die Laterne erinnert an einen technischen Wandel, der in Rosenheim zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre zurücklag. Die Stadt hatte 1894 die Einführung der elektrischen Beleuchtung beschlossen. Die Umstellung dauerte allerdings mehrere Jahre: Erst 1907 erloschen die letzten Gas-Straßenlaternen in Rosenheim.
1914 gehörte elektrisches Licht damit bereits zum Stadtbild. Die aufwendig gestaltete Laterne zeigt aber, wie sichtbar und repräsentativ solche technischen Neuerungen damals noch gestaltet sein konnten.
Auch der Blick auf den Boden ist interessant: Teile des Ludwigsplatzes und die Innstraße sind auf dem Foto gepflastert. Der Ludwigsplatz wurde erst 1927 asphaltiert. Über dieses Pflaster bewegten sich damals Marktbesucher, Fuhrwerke und Marktkarren, zunehmend aber auch die ersten Automobile.
Ein vertrauter Blick auf die Innstraße
Im Hintergrund ist die Spitalkirche St. Joseph in der Innstraße zu erkennen. Auch der Verlauf der Innstraße und der angrenzenden Häuser lässt sich auf dem Foto gut nachvollziehen. Gleichzeitig erinnert die Aufnahme daran, wie stark sich das Stadtbild in den vergangenen gut 100 Jahren verändert hat.
Das historische Inntor, das einst den Zugang zur Stadt an dieser Stelle markierte, war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits seit fast 50 Jahren verschwunden. Es wurde 1865 abgebrochen. Der Ludwigsplatz war damit längst ein offener Markt- und Geschäftsplatz.
Das Foto aus dem Jahr 1914 zeigt deshalb vor allem einen ganz normalen Ausschnitt aus dem damaligen Rosenheimer Alltag: Marktstände auf dem Ludwigsplatz, Geschäfte an der angrenzenden Häuserzeile, gepflasterte Straßen – und mittendrin eine auffällige elektrische Straßenlaterne.
Gerade solche Details machen historische Fotos spannend. Denn manchmal erzählt nicht das große Gebäude im Hintergrund die interessanteste Geschichte, sondern eine Laterne.
(Quelle: Beitragsbild: Archiv Herbert Borrmann / Artikel: Karin Wunsam)


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