Bayern – Wenn Kraniche im Herbst in großen Formationen über den Himmel ziehen und ihre markanten Rufe zu hören sind, beginnt ein besonderes Naturschauspiel. Hunderttausende der großen Zugvögel machen sich derzeit auf den Weg in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Nordafrika. Auch über Bayern sind in den kommenden Wochen wieder Kranichtrupps zu erwarten.
Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) empfiehlt, in den Himmel zu schauen und auf die typischen Rufe zu achten. Kraniche fliegen mit etwa 50 bis 70 Kilometern pro Stunde. An ihrer V-Formation und den trompetenartigen Lauten lassen sie sich gut erkennen.
Wo Kraniche besonders gut zu beobachten sind
Gute Chancen auf Sichtungen bestehen laut LBV vor allem entlang größerer Flüsse wie Isar und Lech. Viele Kraniche nutzen eine vergleichsweise junge Zugroute, die von Ungarn über Österreich nach Südbayern und weiter entlang der Alpen bis in die Camargue im Süden Frankreichs führt. „In den vergangenen Jahren waren über Südbayern zum Teil tausende Kraniche zu beobachten, welche die Route entlang der Alpen nutzten. Aber auch in Nordbayern stehen die Chancen für eine Sichtung gut“, erklärt Dr. Miriam Hansbauer, LBV-Aktive und Sprecherin des Fachvorstands der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland.
Manche Trupps gelangen über Thüringen nach Franken und ziehen weiter Richtung Baden-Württemberg. Die traditionellen Hauptrouten verlaufen zwar durch Mitteldeutschland, doch bei passenden Wetterbedingungen weichen einzelne Gruppen nach Süden aus.
Die meisten Kraniche ziehen nach bisherigen Beobachtungen zwischen Mitte Oktober und Mitte November durch Bayern. Besonders günstige Flugbedingungen finden sie bei Hochdruckwetter und unterstützenden Winden. Bei gutem Wetter können die bis zu 1,30 Meter großen Vögel weite Strecken ohne Zwischenstopp zurücklegen.
Warum sich neue Zugrouten entwickeln
Warum immer mehr Kraniche die südliche Route über die Alpen nutzen, lässt sich nicht eindeutig erklären. Erfahrene Altvögel können ihre Zugerfahrungen an andere Tiere weitergeben und so neue Wege etablieren. „Wahrscheinlich haben die allgemeine Ausdehnung des Brutareals sowie der Klimawandel mit zu den neuen Zugrouten beigetragen“, meint Miriam Hansbauer.
Dass Kraniche heute wieder häufiger zu beobachten sind, ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger Schutzbemühungen. In Bayern gibt es inzwischen wieder gut 50 Revierpaare, die meisten davon in der Oberpfalz.
Damit die Tiere langfristig geeignete Lebensräume finden, ist der Schutz von Feuchtgebieten wichtig.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare