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Gastbeitrag: Wenn Spenden ausbleiben – Tierschutzvereine kämpfen ums Überleben

Bernhard Boneberg mit Hund lachen in die Kamera. Foto: privat

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

12. Oktober 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

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Rosenheim – Der Welttierschutztag am 4. Oktober erinnert jedes Jahr daran, Verantwortung für Tiere zu übernehmen. Doch während viel über Tierschutz gesprochen wird, geraten zahlreiche Vereine, Gnadenhöfe und Tierheime finanziell zunehmend unter Druck. Bernhard Boneberg, Rosenheimer Stadtrat und seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Natur- und Tierschutz aktiv, sieht darin eine besorgniserregende Entwicklung. In seinem Gastbeitrag beschäftigt er sich mit dem Wandel der Spendenkultur, der Bedeutung von Erbschaften und der Frage, wie Tierschutzorganisationen langfristig unterstützt werden können.

Es ist ein Datum, das uns traditionell daran erinnert, Verantwortung für diejenigen Mitgeschöpfe zu übernehmen, die keine eigene Stimme haben, um für ihre Rechte einzustehen. Doch während an diesem Tag oft warme Worte in sozialen Netzwerken geteilt und in Foyers gesprochen werden, spielt sich abseits der Öffentlichkeit eine existenzielle Krise ab. Tierschutzvereine, Gnadenhöfe und Tierheime kämpfen zunehmend ums Überleben.

Über den Autor

Bernhard Baron Boneberg engagiert sich seit über 45 Jahren in Vereinen und Verbänden für den Natur- und Tierschutz. Er ist Mitglied des Rosenheimer Stadtrats und schreibt als Gastautor für Innpuls.me über ökologische Themen aus seiner persönlichen Perspektive.

Der Grund dafür ist eine unbequeme Wahrheit, über die wir sprechen müssen: Die Spendenbereitschaft für den klassischen Tierschutz sinkt nach meiner Wahrnehmung seit Jahren. Als Stadtrat und aktiver ehrenamtlicher Tierschützer erlebe ich diese Entwicklung hautnah mit.
Um diese prekäre Situation zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Denn die Spendenkultur in unserer Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. In den 1960er Jahren war das Spendenverhalten noch stark traditionell und lokal verankert. Die Menschen gaben ihr Geld aus tiefer Verbundenheit dem Bayerischen Roten Kreuz, den Kirchen oder der direkten Nachbarschaftshilfe.

Ab den 1970er Jahren rückte dann der Tierschutz stärker in die Mitte der Gesellschaft. Tierschutzvereine erlebten eine Blütezeit bürgerlicher Unterstützung. Tiere galten als wehrlose Schutzbefohlene, für deren Wohlergehen man gerne und regelmäßig spendete.

Doch die gesellschaftlichen Prioritäten bleiben nicht stehen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für globale ökologische Zusammenhänge traten ab den 1980er Jahren Organisationen wie der Bund Naturschutz stärker in den Vordergrund. In den 1990er Jahren sammelten schließlich große, international agierende Organisationen wie Greenpeace beachtliche Summen. Der emotionale Fokus vieler Spender verlagerte sich vom individuellen Tierleid vor der eigenen Haustür hin zum globalen Umwelt- und Klimaschutz.

In den darauffolgenden Jahrzehnten, spätestens seit 2015, rückten humanitäre Krisen, die Flüchtlingshilfe und die Bewältigung globaler sozialer Notlagen stärker in den Mittelpunkt vieler Spendenaufrufe. Jeder dieser Zwecke ist zweifellos ehrenwert und von gesellschaftlicher Bedeutung. Doch aus meiner Sicht wurde der klassische Tierschutz durch diesen Wandel der Spendenkultur finanziell zunehmend an den Rand gedrängt.

Wenn auch die Erbschaften ausbleiben

Diese Verschiebung des Spendenaufkommens wäre für die Vereine vielleicht noch abzufangen gewesen, gäbe es nicht ein zweites, aus meiner Sicht weitaus gravierenderes Problem: das Ausbleiben von Erbschaften.
Für unzählige Tierschutzvereine waren und sind Nachlässe und testamentarische Zuwendungen über Jahrzehnte hinweg eine entscheidende finanzielle Absicherung. Die Generation, die in den 1970er und 1980er Jahren den Tierschutz als Herzensprojekt entdeckte, hat damals oft großzügig Tierschutzvereine in ihren Testamenten bedacht. Viele dieser Erbschaften sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten angefallen. Es waren solche finanziellen Sonderzuwendungen, die manchen Verein angesichts sinkender Alltagsspenden überhaupt noch über Wasser gehalten haben. Auch in Rosenheim zeigt sich, welche Bedeutung solche Zuwendungen haben können: Der Neubau des Tierheims wurde überhaupt erst durch eine größere zweckgebundene Erbschaft ermöglicht.

Doch die Realität im Jahr 2026 ist aus meiner Sicht eine andere. Es kommt schlichtweg zu wenig nach. Der Zufluss neuer testamentarischer Zuwendungen zugunsten des Tierschutzes scheint vielerorts deutlich abzunehmen. Menschen, die heute ihren Nachlass regeln, setzen möglicherweise andere Schwerpunkte oder ziehen einen gemeinnützigen Verein gar nicht erst als Erben in Betracht.
Wenn es nicht gelingt, diesem Trend entgegenzuwirken, könnten viele Tierschutzeinrichtungen in den kommenden Jahren vor existenziellen finanziellen Problemen stehen.

Ein aktuelles Beispiel: Wenn selbst das Futter knapp wird

Wie unmittelbar sich finanzielle Engpässe auf die tägliche Arbeit auswirken können, zeigt ein aktueller Spendenaufruf des kleinen gemeinnützigen Vereins Dogship Bayern. In einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Instagram-Beitrag schildert der Verein, dass seine Futtervorräte für die betreuten Hunde zur Neige gehen und er die nächste Bestellung kaum noch finanzieren kann.
Die beiden Verantwortlichen nehmen Hunde aus Rumänien auf und betreuen sie, bis sie ein eigenes Zuhause gefunden haben. Manche der Tiere, insbesondere scheue Hunde, bleiben wochen- oder sogar monatelang auf einer Pflegestelle. In dieser Zeit müssen sie zuverlässig versorgt werden. Gleichzeitig fallen verschiedene Kosten an: Tierarztrechnungen, Futter, Sicherheitsgeschirre, Ausgaben für die Betreuung der Hunde und die Unterstützung von Tierschützern in Rumänien bis zur Anreise. Hinzu kommen weitere laufende Kosten für den Verein. Die Verantwortlichen machen deutlich, dass sie und ihre Pflegestellen bereits viel leisten, ihre finanziellen Möglichkeiten aber begrenzt sind. Sie bitten deshalb um Geld- und Futterspenden. 

Dieses Beispiel macht deutlich, wie schnell ein kleiner Verein an seine Grenzen geraten kann. Die Versorgung der Tiere muss weitergehen, auch wenn die Einnahmen nicht ausreichen. Für die betroffenen Hunde ist es unerheblich, ob gerade genügend Spenden eingehen: Sie brauchen täglich Futter, Pflege und Zuwendung.

Wer die genannten Vereine direkt unterstützen möchte, findet hier die von Bernhard Boneberg angegebenen Spendenkonten:

  • Gnadenhof KatzenTRaum e.V.

Sparkasse Bad Aibling

IBAN: DE05 7115 0000 0020 0917 24

  • Dogship Bayern

Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg

IBAN: DE06 7115 2680 0030 2354 02

  • Tierhilfe Hoffnung e.V. (Smeura)
  • Kreissparkasse Tübingen

IBAN: DE47 6415 0020 0002 4804 60

Über das eigene Leben hinaus Gutes tun

Deshalb möchte ich den Welttierschutztag zum Anlass nehmen, einen persönlichen und eindringlichen Appell an Sie zu richten. Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser, in einer ruhigen Minute darüber nachzudenken, was mit Ihrem Vermögen geschehen soll, wenn Sie einmal nicht mehr sind. Vor allem diejenigen unter Ihnen, die vielleicht keine Kinder oder andere direkte Erben haben, können über ihr eigenes Leben hinaus Gutes bewirken.

Sie können einen Tierschutzverein in Ihrem Testament bedenken oder – als besonders langfristige Form der Unterstützung – eine Stiftung gründen. Eine Stiftung kann Vermögen dauerhaft für einen bestimmten Zweck sichern. Je nach Ausgestaltung bleibt das Stiftungsvermögen grundsätzlich erhalten, während die Erträge daraus dem festgelegten Zweck zugutekommen.
Auch in Rosenheim ist die Gründung einer Stiftung keine unüberwindbare bürokratische Hürde. Wer sich dafür interessiert, kann sich an die Stadtverwaltung Rosenheim wenden. Die Stiftungsverwaltung der Stadt, insbesondere Frau Verena Pilger, ist in der Königstraße 24 erreichbar. Telefonisch ist sie unter 08031/365-1252 zu erreichen, per E-Mail unter stiftungsverwaltung@rosenheim.de.

Dort können Interessierte sich nach Angaben der Stadtverwaltung zu den Möglichkeiten einer Stiftung informieren und beraten lassen.

Nicht nur reden, sondern selbst helfen

Mir ist als Kommunalpolitiker vollkommen bewusst, dass es leicht ist, öffentliche Spendenaufrufe zu verfassen und das Geld anderer Leute einzufordern. Genau deshalb ist es mir ein wichtiges Prinzip, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten voranzugehen.
Als Stadtrat erhalte ich für meine an sich ehrenamtliche politische Tätigkeit und die Teilnahme an Sitzungen eine Aufwandsentschädigung. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, diese Gelder nicht für mich zu behalten, sondern sie jenen zukommen zu lassen, die jeden Euro dringend benötigen. Deshalb spende ich meine Aufwandsentschädigung an mehrere ausgewählte Tierschutzorganisationen.

Drei dieser Organisationen möchte ich Ihnen besonders ans Herz legen. Sie leisten auf unterschiedlichen Ebenen – lokal, regional und international – aus meiner Sicht wichtige Arbeit.
Da ist zum einen der Gnadenhof KatzenTRaum e.V. in Bruckmühl. Hier finden alte und schwer kranke Katzen, die andernorts oft als aussichtslos gelten, einen Ort, an dem sie ihren Lebensabend in Würde und Geborgenheit verbringen dürfen.
Zum anderen unterstütze ich Dogship Bayern, einen regionalen Verein, über denn aktuellen Hilferuf auf Instagram ich weiter oben berichtet habe. Die beiden Verantwortlichen nehmen Hunde aus Rumänien auf, versorgen sie und betreuen sie auf Pflegestellen, bis sie ein eigenes Zuhause gefunden haben.
Und schließlich die Tierhilfe Hoffnung e.V., die in Rumänien die „Smeura“ betreibt – nach Angaben der Organisation das größte Tierheim der Welt. Dort werden unter schwierigen Bedingungen Tiere versorgt, Kastrationen durchgeführt und Hunde vor einem Leben auf der Straße bewahrt.

Der Welttierschutztag liegt zwar bereits einige Tage zurück, doch Tierschutz darf nicht auf einen einzigen Tag im Jahr beschränkt bleiben. Lassen Sie uns die Tiere und ihre Bedürfnisse nicht vergessen, nur weil sich der Zeitgeist gedreht hat. Wenn Sie die Möglichkeit haben, helfen Sie – sei es durch eine Spende oder durch eine langfristige Planung Ihres Nachlasses. Jede Unterstützung kann dazu beitragen, dass Tierschutzvereine ihre Arbeit fortsetzen und Tiere versorgen können.
(Quelle: Gastbeitrag Bernhard Baron Boneberg ( Beitragsbild: privat)

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