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Angst und Panik verstehen – warum Verständnis für Betroffene entscheidend ist

Hände mit roten Fingernägeln vor dem Gesicht einer Frau geschlagen. Foto: re

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

16. Juni 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

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Wasserburg / Landkreis Rosenheim – Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren: Panikattacken sind für Betroffene extrem belastend und werden im Umfeld dennoch häufig missverstanden. Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum nutzt den Welt-Panik-Tag am 18. Juni, um über Panikstörungen aufzuklären und den Umgang mit Betroffenen zu verbessern.

Für Menschen mit einer Panikstörung sind die Symptome keine „Überreaktion“, sondern eine reale psychische und körperliche Ausnahmesituation. „Menschen, die selbst noch nie eine Panikattacke erlebt haben, können häufig nur schwer nachvollziehen, wie intensiv und bedrohlich sich solche Situationen anfühlen“, erklärt Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums und Experte für Angst- und Panikstörungen. „Für Betroffene ist eine Panikattacke aber keine Einbildung und kein Zeichen von Schwäche, sondern eine reale, hochintensive körperliche und psychische Stressreaktion.“

Panikattacken treten meist plötzlich auf. Typische Symptome sind unter anderem Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Engegefühl in der Brust, Atemnot oder Schwindel. Viele Betroffene haben dabei das Gefühl, ohnmächtig zu werden oder sogar zu sterben. Nicht selten suchen Betroffene zunächst eine Notaufnahme auf, da die Beschwerden einem Herzinfarkt ähneln können.

„Das Besondere an Panikattacken ist, dass Körper und Gehirn in einen extremen Alarmzustand geraten – obwohl objektiv keine akute Gefahr besteht“, so Zwanzger. „Die Symptome sind dabei absolut real und für die Betroffenen oft hoch belastend.“

Teufelskreis aus Angst und körperlichen Reaktionen

Wie genau Panikstörungen entstehen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus – darunter genetische Veranlagung, Stress, Lernerfahrungen sowie Veränderungen im Angst- und Stresssystem des Gehirns.

Häufig beginnen Panikattacken mit harmlosen körperlichen Signalen wie Herzklopfen oder Schwindel. Diese werden von Betroffenen jedoch als bedrohlich interpretiert. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Die Angst verstärkt die körperlichen Symptome, und die Symptome verstärken wiederum die Angst.

Wie Angehörige richtig reagieren können

Eine zentrale Rolle im Umgang mit Panikstörungen spielen Angehörige und das soziale Umfeld. Viele sind im Akutfall unsicher, wie sie reagieren sollen. Aus Sicht des kbo-Inn-Salzach-Klinikums ist vor allem Ruhe entscheidend.

„Betroffene brauchen in solchen Situationen keine Vorwürfe oder Bewertungen, sondern das Gefühl, ernst genommen und unterstützt zu werden“, erklärt Zwanzger. Hilfreich sei es, ruhig zu sprechen, Sicherheit zu vermitteln und keinen zusätzlichen Druck aufzubauen.

Gleichzeitig warnen Fachleute davor, Panikattacken zu verharmlosen, etwa mit Aussagen wie „Reiß dich zusammen“. Das könne das Gefühl von Isolation verstärken. Ebenso ungünstig sei es, alle angstauslösenden Situationen dauerhaft zu vermeiden, da sich die Störung sonst verfestigen könne. „Angehörige bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Fürsorge und unbeabsichtigter Verstärkung der Erkrankung“, so Zwanzger.

Hilfe ist möglich

Panikstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Schätzungen zufolge erkranken rund 15 bis 20 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen Angststörung, etwa zwei bis drei Prozent entwickeln eine Panikstörung im engeren Sinne. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Behandlungsmöglichkeiten gelten als gut. Neben psychotherapeutischen Verfahren, insbesondere der Verhaltenstherapie, können je nach Fall auch Medikamente eingesetzt werden. Entscheidend sei, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen, so das Klinikum.
„Viele Menschen schämen sich für ihre Symptome oder ziehen sich zurück“, sagt Zwanzger. „Dabei ist gerade Offenheit wichtig. Panikstörungen sind keine persönliche Schwäche, sondern behandelbare Erkrankungen.“

Erste Anlaufstellen sind Hausärzte, psychotherapeutische Praxen, psychiatrische Fachärzte, spezialisierte Ambulanzen sowie psychosoziale Beratungsstellen oder Krisendienste. Angehörige können Betroffene unterstützen, indem sie Hilfe behutsam anregen, ohne Druck auszuüben.

Über den Welt-Panik-Tag

Der Welt-Panik-Tag wird jährlich am 18. Juni begangen und soll auf die Lebensrealität von Menschen mit Panikstörungen aufmerksam machen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und über Symptome sowie Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
(Quelle: Pressemitteilung kbo Inn-Salzach-Klinkum)

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