Deutschland / Bayern / Rosenheim – Schlangen üben auf viele Menschen eine große Faszination aus. Gerade in Deutschland kommt es in der Natur nur selten zu einer Begegnung mit den Tieren. Wer überlegt, sich selbst ein Terrarium mit Schlange anzuschaffen, sollte sich bereits im Vorfeld über die Besonderheiten dieser Tiere informieren:
Die Pflege einer oder mehrerer Schlangen ist zeitintensiv und setzt viel Expertise voraus. Grundsätzlich stellt sich die Frage, was für eine Schlangenart es eigentlich werden soll. „Beliebt sind etwa Kornnattern oder Königsnattern. Das sind beides eher schlanke Schlangen, die sich je nach Unterart in vielen verschiedenen Farben präsentieren. Sie sind recht aktiv und klettern auch gerne über Äste und Steine im Terrarium. Königspythons sind ebenfalls sehr beliebt und wirken durch ihren breiteren Körperbau größer, sind in der Regel aber deutlich weniger aktiv“, erklärt Hermann Kempf, Tierarzt und Leiter der Tierärztlichen Praxis für Exoten in Augsburg. Eine Liste weiterer reptilienkundiger Tierärzte findet sich etwa beim Informationsportal Reptiliendoktor.de oder in der Tierarztliste der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienkrankheiten (AG ARK) der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT).
Rechtliche Bedingungen und Meldepflicht
Reptilienhalter können sich in der Pflege von Schlangen und anderen Terrarientieren weiterbilden, indem sie in Kursen lernen, sich tiergerecht um ihre Schützlinge zu kümmern und Anzeichen für Krankheiten zu erkennen. Diese Fortbildung wird mit einem Sachkundenachweis zertifiziert und etwa vom Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V. (BNA) sowie der DGHT angeboten. „Für die üblichen Einsteiger-Schlangen wie Kornnattern ist der Sachkundenachweis nicht verpflichtend vorgeschrieben, aber sehr zu empfehlen, um sich bestmöglich um die Schlange zu kümmern. Es gibt auch keine Meldepflicht, je nach Art muss lediglich ein Herkunftsnachweis geführt werden, wenn diese in den Anhängen der EU-Artenschutzverordnung gelistet wird“, erklärt der Experte. „Bei geschützten und besonders großen Arten sollte man sich über eine Meldepflicht informieren. Insbesondere, wenn jemand Giftschlangen oder Riesenschlangen wie einen Tigerpython halten möchte, sollten Interessierte sich diesen Schritt sehr gut überlegen. Diese Tiere sind in der Regel nur etwas für langjährig erfahrene Halter. Die besonderen Regelungen können sich je nach Bundesland unterscheiden. In manchen Regionen ist die Haltung von Giftschlangen ganz untersagt, in anderen an Genehmigungen und beispielsweise einen tiefergehenden Sachkundenachweis zur Haltung von gefährlichen Reptilien geknüpft. Dieser setzt einen grundlegenden Sachkundenachweis voraus.“ Informationen zu den lokalen Regelungen für Gefahrtiere können Interessierte beim örtlichen Ordnungsamt erfragen, über Artenschutz und invasive Arten informiert die Untere Naturschutzbehörde.
Hohe Ansprüche an Technik und Terrarium
Die Anforderungen, einen idealen Lebensraum für Schlangen im Terrarium zu schaffen, sind nicht zu unterschätzen. Neueinsteiger sollten sich deshalb intensiv vorab informieren. „Die Mindestanforderungen sehen aktuell vor, dass das Terrarium die Maße 1,0 mal 0,5 mal 0,75 mal der Körperlänge einer erwachsenen Schlange hat“, erklärt Kempf. „Bei einer weiblichen Königspython sind 1,6 Meter keine Seltenheit, entsprechend müsste das Terrarium mindestens 160 mal 80 Zentimeter Grundfläche haben, bei einer Höhe von 120 Zentimetern.“ Zudem sind Schlangen wechselwarme Tiere und stammen häufig aus tropischen Gegenden. Ihr Wohlergehen ist daher eng mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Terrarium verknüpft. „Als dämmerungs- und nachtaktive Tiere werden Schlangen bislang häufig ohne UV-Lampe gehalten. Aber neuere Studien legen nahe, dass zum Beispiel der Kalziumstoffwechsel der Schlangen von einer UV-Bestrahlung profitiert. Daher empfehlen wir mittlerweile auch bei Schlangen UV-Lampen“, so der Experte. Außerdem haben einige Schlangen artspezifische Ansprüche bei der Gestaltung des Terrariums, brauchen also etwa Klettermöglichkeiten zur Beschäftigung oder ein spezielles Bodensubstrat. Auch eine Badeschale, in die das ganze Tier hineinpasst, sollte unbedingt bedacht werden.
Bezugsquellen für Schlangen
Wichtig beim Kauf einer Schlange ist, diese aus einer autorisierten Quelle zu beziehen. Seriöse Händler werden sich immer erkundigen, ob bereits ausreichend Kenntnisse zur Haltung des Tieres erkennbar sind und bereits ein geeignetes Terrarium vorhanden ist, in das die Schlange einziehen soll. Zudem können sie die Herkunft ihrer Tiere nachweisen. Die beliebten Arten sind als Nachzuchttiere zu bekommen. Im Zoofachhandel und in Terrarienvereinen kann man sich dazu beraten lassen. Tierheime und Reptilienauffangstationen bieten zudem oft auch Schlangen zur Aufnahme an.
Fütterung und Terrarienpflege
Die regelmäßige Reinigung des Terrariums und der Wasserschale ist unerlässlich. Im Normalfall ist das schnell gemacht und die Schlange muss nicht extra aus dem Terrarium entfernt werden, bei größeren Säuberungen kann es aber hilfreich sein, die Schlange in eine Box mit kleinem Versteck zu legen. Das sollte auch für den Transport zum Tierarzt geübt werden, Tierärzte und Terrarienvereine geben eine Anleitung zum richtigen Hochheben und können auch bei weiteren Fragen beratend unterstützen. Eine Übersicht zu Terrarienvereinen in der Nähe gibt es auf der Website des Verbands Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) e.V.: vda-online.de/Vereine/
„Was viele im Vorfeld nicht richtig bedenken ist, dass die meisten Schlangen sich von kleinen Nagetieren wie Mäusen oder Ratten ernähren. In der Wildnis jagen sie Lebendtiere, die Nachzuchten für die Heimtierhaltung wurden aber größtenteils an Frostfutter, also beispielsweise tiefgekühlte und dann aufgetaute Mäuse, gewöhnt. Beim Auftauen werden häufig noch Fehler gemacht, etwa dass die Futtertiere morgens auf die Terrariumlampe gelegt und dann erst am Abend verfüttert werden, hier sollte man sich das richtige Vorgehen einmal zeigen und erklären lassen. Wenn man sich für eine Schlange entscheidet, sollte man grundsätzlich kein Problem mit dieser Fütterung haben. Manche Schlangen verweigern die Totfütterung außerdem ganz oder phasenweise, dann kann eine Lebendfütterung notwendig sein, die weiterer Anleitung bedarf“, so Tierarzt Kempf. „Die Fütterung sollte der angehende Schlangenhalter entsprechend bereits im Vorfeld einmal in einem spezialisierten Tierheim oder einer Auffangstation testen. Im Übrigen gilt das auch für die Zeiten, wenn ich selbst etwa im Urlaub bin und sich ein Bekannter um die Schlange kümmern soll, hier sollte man sich im Vorfeld ebenfalls die Zeit nehmen, die Pflege und Fütterung gemeinsam durchzugehen und auszuprobieren, ob der Bekannte alles richtig macht. Ansonsten unterlaufen schnell Fehler, die auch der Schlange schaden könnten.“
(Quelle: Pressemitteilung IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)