Bayern – In Bayern werden täglich rund zehn Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche neu in Anspruch genommen. Die Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände im Bayerischen Bauernverband sieht darin eine zunehmende Konkurrenz um die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Sie fordert deshalb, landwirtschaftliche Grundstücke besser zu schützen und jungen Landwirten den Zugang zu Flächen zu erleichtern.
München – Rund 14 Fußballfelder pro Tag: So viel Siedlungs- und Verkehrsfläche wurde in Bayern im Jahr 2024 durchschnittlich neu in Anspruch genommen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Landjugendverbände im Bayerischen Bauernverband (ARGE Landjugend) sind inzwischen noch rund 46 Prozent der bayerischen Landesfläche Landwirtschaftsfläche.
Für die ARGE Landjugend zeigt diese Entwicklung, dass der Umgang mit Grund und Boden neu ausgerichtet werden müsse. Besonders für junge Landwirte werde es nach Ansicht des Verbands schwieriger, ausreichend Flächen für die Bewirtschaftung zu erwerben.
„Junge Landwirtsfamilien müssen die Möglichkeit haben, landwirtschaftliche Flächen zu erwerben und damit die Grundlage für ihren Hof zu sichern. Der Staat muss diesen Zugang gezielt unterstützen. Denn Fläche ist für die junge Generation in der Landwirtschaft nicht irgendein Produktionsfaktor. Sie ist die Grundlage für den Hof, für die Lebensmittelproduktion und für die Zukunft bäuerlicher Familien“, sagt Thomas Fleischmann, Vorsitzender der ARGE Landjugend im Bayerischen Bauernverband.
Landwirte sollen beim Flächenerwerb Vorrang haben
Ein zentraler Punkt der Forderungen betrifft den Kauf landwirtschaftlicher Grundstücke. Nach Ansicht der ARGE Landjugend sollten landwirtschaftliche Betriebe beim Erwerb grundsätzlich Vorrang vor Interessenten haben, die die Flächen nicht selbst landwirtschaftlich nutzen wollen.
Der Verband warnt davor, dass landwirtschaftlicher Boden zunehmend als Anlageobjekt interessant werden könnte. Fleischmann sieht darin einen Nachteil für junge Betriebe. „Wenn ein junger Landwirt beim Flächenkauf gegen einen finanzstarken Investor antreten muss, der den Boden nur als Spekulationsobjekt sieht, läuft etwas grundlegend falsch. Wer auf dem Boden steht, den er bewirtschaftet, nachhaltig Lebensmittel erzeugt und Verantwortung für die Fläche und die Region übernimmt, muss beim Flächenerwerb Vorrang haben“, sagt Fleischmann.
Die ARGE Landjugend fordert deshalb strengere Regeln für den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen. Nach ihren Vorstellungen soll der Kauf an die landwirtschaftliche Nutzung und an eine sachgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung gekoppelt werden. Auch eine landwirtschaftliche Aus- oder Fortbildung soll dabei berücksichtigt werden.
Junge Landwirte sollen unterstützt werden
Besonders wichtig ist dem Verband die Unterstützung der nächsten Generation. Junglandwirte bis zum Alter von 40 Jahren sollen nach den Vorstellungen der ARGE Landjugend landwirtschaftliche Flächen zu vergünstigten Konditionen erwerben können. Die daraus entstehende Differenz zum regulären Kaufpreis soll nach dem Vorschlag des Verbands staatlich ausgeglichen werden. „Wir reden ständig darüber, dass wir junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern wollen. Dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, Landwirtschaft zu betreiben. Ein Hof ohne ausreichenden eigenen fruchtbaren Boden hat keine Zukunft“, so Fleischmann.
Auch beim staatlichen Vorkaufsrecht sieht die ARGE Landjugend Änderungsbedarf. Das zuständige Siedlungsunternehmen soll nach den Vorstellungen des Verbands Flächen nach Ausübung des Vorkaufsrechts vorübergehend treuhänderisch für den Freistaat verwalten können. So soll Zeit gewonnen werden, um einen geeigneten landwirtschaftlichen Käufer zu finden.
Innenentwicklung statt neuer Flächen
Aus Sicht der ARGE Landjugend geht es beim Flächenschutz allerdings nicht nur um den Kauf und Verkauf landwirtschaftlicher Grundstücke. Der Verband fordert auch, bei der Siedlungsentwicklung stärker auf bereits genutzte Flächen zu setzen.
Nach Ansicht der ARGE Landjugend sollten Nachverdichtung und die Nutzung vorhandener Flächen Vorrang vor einer weiteren Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen im Außenbereich haben. Auch sogenannte Zweinutzungskonzepte, bei denen eine Fläche für mehrere Zwecke genutzt wird, sollten nach den Vorstellungen des Verbands stärker berücksichtigt werden.
Die ARGE Landjugend betont, sie wolle den Schutz landwirtschaftlicher Flächen nicht als Gegensatz zur Entwicklung Bayerns verstanden wissen. Es gehe vielmehr darum, wie mit der begrenzten Ressource Boden umgegangen werde. „Wir wollen Entwicklung in Bayern. Aber Entwicklung darf nicht bedeuten, dass wir unsere Produktionsgrundlage Stück für Stück verbauen. Jeder Hektar hat einen Wert – für unsere Ernährung, für die Natur und für die nächste Generation.“
(Quelle: Pressemitteilung BBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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