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Brenner-Nordzulauf erreicht den Bundestag: Jetzt beginnt die heiße Phase

Brenner-Nordzulauf. Schild. Foto: re

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

24. September 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Rosenheim / Landkreis – Kaum ein Infrastrukturprojekt in der Region wird seit Jahren so kontrovers diskutiert wie der Brenner-Nordzulauf. Trassenführung, Kosten und die Auswirkungen auf Mensch und Natur sorgen immer wieder für Streit. Nun geht das Projekt in eine neue politische Phase: Am Mittwoch (23. September 2026) hat der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages mit der parlamentarischen Befassung begonnen. Während der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) den Schritt begrüßt und auf eine zügige Umsetzung drängt, mobilisieren die Kritiker der bisherigen Planung für Samstag zu einer Sternwallfahrt nach Tuntenhausen.

Bahn übergibt Planungsunterlagen an den Bund

Die Deutsche Bahn hat die Vorplanung für den Brenner-Nordzulauf abgeschlossen und die umfangreichen Planungsunterlagen an die Bundespolitik übergeben. Mit der parlamentarischen Befassung beschäftigt sich nun der Bundestag mit dem weiteren Vorgehen.
Damit ist das Projekt allerdings noch nicht gebaut. Die Befassung soll die Grundlage für die nächsten Planungsschritte schaffen. Dazu gehören unter anderem die Entwurfs- und Genehmigungsplanung.

Der Brenner-Nordzulauf soll künftig die Verbindung des Brenner-Basistunnels auf deutscher Seite fortsetzen. Über die konkrete Ausgestaltung und insbesondere die Trassenführung wird in der Region allerdings seit Jahren gestritten.

BIHK fordert grünes Licht aus Berlin

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag begrüßt den Beginn der parlamentarischen Befassung. BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl bezeichnete den Schritt als wichtigen, aus seiner Sicht allerdings überfälligen Meilenstein. „Der Brenner-Nordzulauf braucht endlich grünes Licht aus Berlin“, erklärte Gößl.

Der BIHK fordert nach eigenen Angaben verbindliche Zusagen für den Bau des deutschen Abschnitts und die dafür notwendigen finanziellen Mittel. Deutschland müsse seinen Verpflichtungen aus den bestehenden Staatsverträgen mit Österreich und Italien nachkommen, so Gößl.
Gleichzeitig spricht sich der Verband für eine Lösung aus, die nach seiner Auffassung mit den Interessen der Bevölkerung und dem Schutz der Umwelt vereinbar ist. Das betreffe sowohl die Trassenführung als auch die Bauweise.

Gößl verweist zudem auf die Bedeutung des Projekts für den europäischen Bahnverkehr. Mit dem Brenner-Basistunnel entstehe eine neue leistungsfähige Verbindung durch die Alpen. Der Nordzulauf solle dazu beitragen, die Verkehrsverbindungen zwischen Bayern, Österreich und Italien weiter auszubauen, so die Argumentation des BIHK.

Kritiker stellen Neubau weiterhin infrage

Auf der anderen Seite halten die Gegner der bisherigen Planung an ihrer Kritik fest. Bürgerinitiativen stellen unter anderem die Frage, ob eine komplett neue Bahnstrecke in der geplanten Form notwendig ist. Sie setzen sich stattdessen für einen Ausbau und eine Modernisierung der bestehenden Bahnverbindung ein.
Dabei geht es nicht nur um die grundsätzliche Frage Neubau oder Bestandsstrecke. Kritiker befürchten auch erhebliche Auswirkungen auf die Landschaft und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Rosenheimer Becken und im Inntal stehen zudem mögliche Auswirkungen auf Anwohner und Natur im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.

Ein weiterer Streitpunkt ist die geplante Bauweise. Bürgerinitiativen fordern unter anderem zusätzliche unterirdische Lösungen. Dazu gehört nach ihren Vorstellungen auch eine unterirdische Querung des Inns im Raum Rosenheim. Für den Bereich des Wildbarrens wird ebenfalls eine unterirdische Lösung für die geplante Verknüpfungsstelle gefordert.
Solche Forderungen haben allerdings auch eine finanzielle Seite. Die Deutsche Bahn beziffert die Kosten für die geplante Basistrasse auf mindestens 8,6 Milliarden Euro. Zusätzliche Tunnelbauwerke würden das Projekt entsprechend verteuern.

Auch beim Zeitplan gehen die Einschätzungen auseinander. Der Brenner-Basistunnel zwischen Österreich und Italien wird bereits gebaut, während der deutsche Nordzulauf noch nicht in der Bauphase ist. Kritiker befürchten deshalb, dass zwischen der Fertigstellung des Basistunnels und dem deutschen Zulauf ein Engpass entstehen könnte.

Sternwallfahrt nach Tuntenhausen

Kurz nach dem Beginn der parlamentarischen Befassung wollen die Bürgerinitiativen ihren Protest erneut öffentlich sichtbar machen. Für Samstag (26. September) ist eine Sternwallfahrt nach Tuntenhausen geplant.
Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Für zukunftsfähige Lösungen beim Brenner-Nordzulauf“. Die Teilnehmer starten um 9.15 Uhr an drei Treffpunkten: am Sportplatz in Berg bei Ostermünchen sowie in Brettschleipfen und Weiching.

Um 10 Uhr beginnt in der Basilika Tuntenhausen der Wallfahrtsgottesdienst. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Einkehr im Gasthaus Schmied.

Die Initiatoren wollen mit der Veranstaltung nach eigenen Angaben kurz vor den weiteren politischen Entscheidungen ein Zeichen setzen und ihre Forderungen zum Brenner-Nordzulauf sichtbar machen.

Mit dem Beginn der parlamentarischen Befassung treffen damit die unterschiedlichen Positionen erneut aufeinander: Der BIHK drängt auf eine politische Entscheidung und die Finanzierung des Projekts, während Bürgerinitiativen die bisherige Planung weiterhin infrage stellen und Veränderungen bei Trasse und Bauweise fordern.
(Quelle: Pressemitteilungen BIHK und Mitteilungen Bürgerinitiativen / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)

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