Rosenheim – Mit 86 Jahren schreibt Roswitha Gruber weiter unermüdlich Lebensgeschichten, die berühren. Ihr neues Buch „Das verschenkte Bauernkind“ erzählt vom bewegenden Schicksal einer Frau, die trotz schwerster Erfahrungen nie aufgegeben hat – und macht Mut.
Glückliche Kindertage auf dem Cover von „Das verschenkte Bauernkind“. Repro: Verlag Rosenheimer
Wenn Roswitha Gruber ein neues Buch veröffentlicht, dürfen sich ihre Leser auf mehr freuen als auf einen gewöhnlichen Roman. Denn die wohl bekannteste und erfolgreichste Autorin der Region Rosenheim erzählt keine erfundenen Geschichten – sie erzählt das wahre Leben. Nun ist im Rosenheimer Verlag ihr mittlerweile 50. Werk erschienen: „Das verschenkte Bauernkind“.
Und auch mit 86 Jahren widmet sich die Autorin ihrer großen Leidenschaft mit ungebrochener Energie. Viele ihrer Bücher handeln von Frauen – genauer gesagt von starken Frauen, deren bewegende Lebensgeschichten zeigen, wie viel Kraft Menschen selbst in schwersten Zeiten entwickeln können. Das echte Leben, so scheint es bei Roswitha Gruber immer wieder, schreibt oft die eindrucksvollsten Geschichten.
Für ihr neues Werk kam die Geschichte sogar direkt zu ihr. Im Herbst 2024 erhielt Roswitha Gruber eine E-Mail: Die Enkelin einer 88-jährigen Frau aus der Steiermark schrieb ihr, ihre Oma sei ein großer Fan, habe alle Bücher gelesen – manche sogar mehrfach. Immer wieder sage sie, ihr eigenes Leben würde ein ganzes Buch füllen. Ob Roswitha Gruber Interesse hätte, diese Geschichte aufzuschreiben?
Eine Kindheit mit schmerzhaftem Geheimnis
Die Autorin sagte zu – und machte sich auf den Weg in die Steiermark. Schnell wurde klar: Die Reise hatte sich gelohnt. Großmutter Irma hatte tatsächlich eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen – eine, die bewegt, erschüttert und zugleich Hoffnung macht.
Zunächst erlebt Irma eine glückliche Kindheit. Doch dann erfährt sie auf wenig einfühlsame Weise, dass Maria und Jakob nicht ihre leiblichen Eltern sind. Die Wahrheit trifft sie hart: Ihre biologische Mutter hatte sie im Alter von nur wenigen Wochen verschenkt.
Die Begegnung mit ihren leiblichen Eltern wird für Irma zur schmerzhaften Erfahrung. Es gelingt ihr nie, eine wirkliche Beziehung zu diesen fremden Menschen aufzubauen. Doch dieser Verlust bleibt nicht der einzige Schicksalsschlag ihres Lebens.
Was Irmas Geschichte jedoch besonders macht, ist ihre Haltung zum Leben. Aufgeben kommt für sie nie infrage. „Es geht immer weiter. Es muss weitergehen“, lautet ihr Lebensmotto – und genau dieser Geist zieht sich durch viele Werke Roswitha Grubers. Ihre Protagonistinnen sind Frauen, die trotz schwerer Prüfungen nicht zerbrechen.
Ihre Enkelin Astrid beschreibt im Buch, woher diese Stärke gekommen sein könnte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass sie ihre Stärke aus ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen bezogen hat.“
Ein Buch, das auch Mut macht
Besonders bewegend: Die Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte konnte Irma selbst nicht mehr erleben. Die letzten Seiten des 274 Seiten starken Buches gehören deshalb den Erinnerungen ihrer Enkelin Astrid. „Obwohl sie ein Leben lang nicht darüber hinweggekommen ist, dass ihre Mutter sie als Säugling verschenkt hat, war sie ein glücklicher und zufriedener Mensch. Mit ihrer positiven Lebenseinstellung könnte sie Vorbild für so manchen Menschen sein“, heißt es zum Schluss.
Und tatsächlich liegt genau darin vielleicht die größte Stärke dieses Buches: Beim Lesen begleitet man nicht nur ein außergewöhnliches Leben, sondern nimmt auch etwas für den eigenen Alltag mit. Gerade in Zeiten, in denen vieles schwer erscheint, erinnert Irmas Geschichte daran, wie viel Kraft in Zuversicht liegen kann.
Wie gewohnt ist „Das verschenkte Bauernkind“ weit mehr als ein Roman. Das Buch ist zugleich ein Stück Zeitgeschichte, das frühere Lebenswelten anschaulich und einfühlsam lebendig werden lässt. Roswitha Gruber gelingt es erneut, einer Frau eine Stimme zu geben, deren Geschichte sonst vielleicht nie erzählt worden wäre.
(Quelle: Buchkritik: Karin Wunsam / Beitragsbild. Symbolfoto re – ai generiert / Foto: Cover-Verlag Rosenheimer)
„Das verschenkte Bauernkind“
Roswitha Gruber
Verlag Rosenheimer
ISBN 978-3-475-66041-6
19,95 Euro



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