Prien / Landkreis Rosenheim – Was passiert, wenn Menschen einander wirklich ansehen? Dieser Frage widmete sich die Philosophin und Autorin Celina von Bezold Anfang Juli bei einem Vortrag in der Bücherei Prien (Landkreis Rosenheim). Rund 40 Besucher kamen, um Gedanken aus ihrem Buch „Der Blick – Sehen und Gesehenwerden als existenzielle Kraft“ zu hören. Auch die Hospizarbeit spielte dabei eine wichtige Rolle.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Bedeutung Sehen und Gesehenwerden für das menschliche Miteinander haben. Von Bezold beschreibt den Blick als etwas, das Menschen miteinander verbindet. Dabei ging es auch um die Frage, was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet.
Aus dem Publikum wurden unter anderem Empathie, Sprache und Vernunft genannt. Von Bezold ergänzte Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung und das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Der Mensch sei vor allem „symbiosebegabt“ und damit auf Beziehungen angewiesen.
Autonomie entsteht nicht allein
Nach Ansicht der Philosophin werde Verbundenheit häufig mit Abhängigkeit verwechselt. Dabei stehe Autonomie nicht im Gegensatz zu Beziehungen. Im Gegenteil: Echte Selbstständigkeit könne gerade im Miteinander entstehen.
Zur Veranschaulichung verwies von Bezold darauf, dass Menschen im Vergleich zu anderen Säugetieren sehr unfertig zur Welt kommen und deshalb von Anfang an auf andere angewiesen sind. Ohne ein Gegenüber sei menschliches Leben nicht möglich.
Der Blick wurde dabei zum Sinnbild dieser Verbindung. Einander in die Augen zu schauen, könne bedeuten, sich auf den anderen einzulassen und auch die eigene Bedürftigkeit anzuerkennen. Im Blick des Gegenübers könne man sich selbst und den anderen erkennen.
Wenn Worte nicht mehr reichen
Eine besondere Bedeutung bekam dieser Gedanke im Zusammenhang mit der Hospizarbeit. Gerade bei der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen seien nicht immer viele Worte notwendig, so von Bezold. Ein Blick könne vermitteln: Du wirst gesehen. Du wirst als Mensch wahrgenommen.
Damit schlug die Philosophin den Bogen zum Thema der Hospiz-Gruppe Prien und des Jakobus Hospizvereins Rosenheim, mit denen die Veranstaltung organisiert wurde. Der Blick könne einem Menschen das Gefühl geben, angenommen zu sein – und ihn auch auf seinem letzten Weg begleiten.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Besucher die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit der Autorin.
(Quelle: Pressemitteilung Bücherei Prien / Beitragsbild: Copyright Markt Prien am Chiemsee)


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