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Die Mitglieder der Feuerwehr Maisenberg blicken positiv in die Zukunft

Vorstand Bernhard Lex-Huber als Versammlungsleiter bei der Jahreshauptversammlung Copyright Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Josefa Staudhammer

Ihr Traumberuf ist Journalistin. Sie steht zwar noch am Anfang ihrer Karriere, hat aber schon einige Erfahrung auf diesem Gebiet sammeln dürfen. Besonders am Herzen liegt ihr die Vernetzung von Innpuls.me mit Social Media. Außerdem ist sie Euere Ansprechpartnerin für Interviews und Jugendstorys aus der Region Rosenheim.

21. Februar 2024

Lesezeit: 6 Minute(n)

Engelsberg / Landkreis Traunstein – Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Maisenberg war „die Zukunft der Wehr“ sowie des Vereins das Top-Thema. Fast 50 der etwa 75 Vereinsmitglieder einschließlich nahezu aller Aktiven fanden sich im Gasthaus Babinger ein, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken und die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit aufzuarbeiten.

Neben zahlreichen Einsätzen berichtete der Kommandant Andreas Spiel von den Übungen und Ausbildungen mit einem Zeitaufwand von etwa 2.000 Stunden für die Gemeinde und Vorstand Bernhard Lex-Huber ließ das Vereinsleiben Revue passieren. In einer Abstimmung votierten sämtliche Mitglieder einstimmig für den Fortbestand der Feuerwehr Maisenberg.
Es ist in der Region – vermutlich sogar bayernweit – eine einzigartige Situation, die derzeit die Gemüter in der Gemeinde Engelsberg rund um die beiden gemeindlichen Feuerwehren Engelsberg und Maisenberg erregt. Vor 52 Jahren wurde im Zuge der Gebietsreform die ehemalige Gemeinde Maisenberg nach Engelsberg eingemeindet. Die damals politisch Verantwortlichen haben für die dann beiden gemeindlichen Feuerwehren ein Feuerwehrhaus im Ortskern von Engelsberg gebaut und entsprechend den Fuhrpark und die Ausrüstung für beide Feuerwehren beschafft.

Feuerwehr ohne Heimat und Identität

Über all die Jahre hatten lediglich die Einsatzkräfte der Feuerwehr Engelsberg Spinde im Feuerwehrhaus und die Maisenberger Kameraden kommen bis heute mit ihrer Einsatzkleidung im Kofferraum der Privatfahrzeuge zum Feuerwehrdienst. Außerdem ist sämtliche Ausrüstung einschließlich der Fahrzeuge lediglich mit „Feuerwehr Engelsberg“ beschriftet. Über Jahrzehnte hinweg haben die Feuerwehren ihre Übungen mit Ausnahme der Atemschutz- und Maschinistenübungen getrennt voneinander abgehalten und sind allerdings zu Einsätzen gemeinsam ausgerückt. Bedingt durch die längeren Anfahrtswege kommen die Aktiven aus Maisenberg immer wieder umsonst zum Gerätehaus gefahren, weil die entsprechenden Einsatzfahrzeuge bereits ausgerückt sind. „Wir fühlen uns im Haus der Feuerwehr Engelsberg bis heute nicht willkommen und haben somit keine Heimat und keine eigene Identität“, so Vorstand Bernhard Lex-Huber.
Nachdem dieser schwelende Konflikt über Jahrzehnte hinweg nicht gelöst wurde und auch die Aktiven beider Feuerwehren nicht zusammengewachsen sind, wurde nun der Wunsch nach einer Lösung laut, der die Verantwortlichen aus Maisenberg dazu veranlasste, einen ersten Vorschlag zu unterbreiten, ihre Eigenständigkeit einzufordern und letztlich wieder eine Heimat als Feuerwehr Maisenberg zu finden. Sie wollten eine ehemalige Kfz-Werkstatt im Ortsteil Maisenberg zum Feuerwehrhaus umbauen und ein gebrauchtes Einsatzfahrzeug beschaffen. Dieser Vorschlag wurde vor wenigen Wochen mehrheitlich vom Gemeinderat abgelehnt.
Unter diesen Voraussetzungen fand nun vor wenigen Tagen die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Maisenberg statt, bei der sich sämtliche Mitglieder bei einer Abstimmung mit einem eindeutigen Votum nicht nur hinter die Verantwortlichen ihrer Feuerwehr stellten, sondern auch einstimmig dafür gestimmt haben, dass sich der Verein nicht auflösen wird und die Feuerwehr Maisenberg weiterhin bestehen bleiben soll.

Das Bayerische Feuerwehrgesetz fordert den Erhalt von Feuerwehren

„Das Bayerische Feuerwehrgesetz sieht als einzige Möglichkeit zur Auflösung einer Feuerwehr vor, dass diese von sich aus beschließt, sich aufzulösen. Eine Kommune kann eine Feuerwehr nicht auflösen“, erklärt Kreisbrandrat Christof Grundner und ergänzt, „da die Feuerwehren in den Orten ja eine wichtige gesellschaftliche und sicherheitsrelevante Säule darstellen, war es der Gesetzgebung wichtig, dass deren Fortbestand auch nach einer Eingemeindung gesichert bleibt und das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder aufrecht erhalten bleibt. Weiter fordert der Gesetzgeber, dass die Gemeinden als Pflichtaufgabe ihre Feuerwehren aufzustellen, auszurüsten sowie auszubilden haben“.
„Mit Ausnahme der Gemeinde Engelsberg kommen alle anderen Kommunen im Landkreis Traunstein, bei denen es im Zuge der Gebietsreform zu Eingemeindungen gekommen war, ihrem gesetzlichen Auftrag nach und unterhalten bis heute alle ihre Feuerwehren in vorbildlicher Art und Weise als eigenständige Einrichtungen“, so der Kreisbrandrat. „Alle Feuerwehren leisten neben ihrem gesetzlichen Auftrag des abwehrenden Brandschutzes sowie der Technischen Hilfeleistung einen wesentlichen Beitrag für ein gutes gesellschaftliches Miteinander. Sie gehören einfach zu einer lebendigen und gut funktionierenden Dorfgemeinschaft in den Orten dazu und bemühen sich auf vielfältige und unbezahlbare Art und Weise mit gesellschaftlichen Beiträgen um ein gutes Miteinander“, zeigt sich Christof Grundner überzeugt.
Langzeitproblem soll nun gelöst werden
Lobende Worte fand der Kreisbrandrat insbesondere dafür, dass diese für alle Beteiligten unbefriedigende Situation nun aktiv in Angriff genommen und behoben werden soll. „Jetzt gilt es vor allem miteinander im Gespräch zu bleiben und gemeinsam nach einer tragfähigen sowie nachhaltigen Lösung zu suchen“. Den Mitgliedern der Feuerwehr Maisenberg wünschte er in der Versammlung für die kommende Zeit viel Kraft und Durchhaltevermögen. „Wir von der Kreisbrandinspektion und vom Kreisfeuerwehrverband sind täglich darum bemüht, Menschen für unsere Feuerwehren im Landkreis Traunstein zu gewinnen und diese Ehrenamtlichkeit zu stärken. Deshalb darf es keinesfalls passieren, dass auf einen Schlag 44 aktive und hoch engagierte Einsatzkräfte auf Grund einer fehlenden Heimat ihren Dienst beenden“, so Christof Grundner.

Spiel, Markus Grundner, Bernhard, Lex-Huber, Christof Grundner Copyright Kreisfeuerwehrverband Traunstein
Vielfältiges Vereinsleben mit sozialen Komponenten

Neben dem aktuellen Top-Thema informierten die Verantwortlichen über das abgelaufene Jahr 2023 und unterstrichen damit das Engagement im aktiven Bereich sowie im Vereinsleben. Vorstand Bernhard Lex-Huber berichtete darüber, dass man selbst einen Feuerwehrball abgehalten und die Bälle in Zeiling und Oberneukirchen besucht habe. Darüber hinaus wurde ein Maibaum aufgestellt, ein Bittgang der Kirchengemeinde abgesichert, ein Kameradschaftsabend beim Kommandanten Andreas Spiel abgehalten und die Feuerwehrfeste in Feichten, Albertaich, Unterneukirchen und Wald besucht.
Vereinsmitglieder haben außerdem die Kirchenmauer neu geweißelt und am Patrozinium teilgenommen. Besucht wurden auch die Feierlichkeiten der Krieger- und Soldatenkameradschaft in Engelsberg sowie die Grillabende der Feuerwehren Engelsberg, Zeiling und Oberneukirchen. Von der Versicherungskammer Bayern, Agentur Suttner, in Garching der hat der Verein einen Flachwassersauger als Spende erhalten. Darüber hinaus waren sie bei der Hochzeit der Familie Dorfner eingeladen und bei der Generalversammlung der Feuerwehr Engelsberg vertreten. Insgesamt war der Verein bei 38 unterschiedlichen Terminen vertreten.

Vorschlag der Feuerwehr wurde vom Gemeinderat abgelehnt

„Viel Zeit und Mühe ist in das Thema Zukunft der Feuerwehr Maisenberg geflossen“, betonte Vorstand Bernhard Lex-Huber in seinem Rechenschaftsbericht. So kam seinen Worten nach unter anderem das Thema bei der Bürgerversammlung zur Sprache, bei der Bürgermeister Martin Lackner unter anderem sehr erfreut über die finanziellen Überschüsse der Gemeinde informierte und das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehren in höchsten Tönen lobte, „er allerdings weiter auf die für die Beteiligten unzufriedenstellende Zwangsehe beider Feuerwehren drängte“, wie es der Vorstand bezeichnete.
Nach einem Gespräch mit dem Gemeinderat und einer Bitte zur Erstellung eines ausgearbeiteten Vorschlags haben sich die Ehrenamtlichen mit viel Herzblut an die Ausarbeitung gemacht. „Insbesondere Irmi Huber hat hier viel Zeit und Liebe hineingesteckt und eine großartige Präsentation ausgearbeitet“, lobte der Vorstand und ergänzte, „dies wurde im Dezember im Gemeinderat präsentiert beziehungsweise diskutiert und hätte einen relativ geringen finanziellen Aufwand von rund 174.000 Euro zur Ertüchtigung der Werkstatt als Feuerwehrhaus nach sich gezogen“.
Weiter gab er bekannt, dass die Feuerwehr Maisenberg heuer seit 135 Jahre besteht und es in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen gegeben habe. „Trotz der unbefriedigenden Situation wollen wir jedoch positiv in die Zukunft blicken und weiter für unser Anliegen eintreten“, so der Vorstand unter kräftigen Beifall der Mitglieder.
„In unserer Vereinskasse konnten wir im letzten Jahr ein kleines Plus erwirtschaften“, freute sich die Kassiererin Christina Spargel und begründete dies mit den erfreulichen Ergebnissen aus dem Feuerwehrball sowie der Haussammlung und dem Maibaumaufstellen. Jugendwartin Elisabeth Lex-Huber informierte über die Tätigkeiten des Nachwuchses mit insgesamt zehn Übungen, die teilweise auch mit der aktiven Mannschaft abgehalten wurden.

Seit 40 Jahren bei der Feuerwehr Maisenberg aktiv

Alois Bernhart ist seit mittlerweile 40 Jahren aktives Mitglied der Feuerwehr Maisenberg und wurde während der Versammlung besonders gewürdigt. Die offizielle Ehrung wird er in wenigen Wochen beim Ehrenabend des Kreisfeuerwehrverbandes sowie des Landkreises Traunstein aus den Händen des Landrates Siegfried Walch erhalten. Dort wird er das „Feuerwehr Ehrenzeichen in Gold“ des Freistaates Bayern in Empfang nehmen. Kommandant Andreas Spiel informierte außerdem darüber, dass einige Aktive im vergangenen Jahr Lehrgänge besucht haben und unter anderem Tanja Spiel, Johannes Weißl und Anna Schönhuber mit dem MTA-Abschlussmodul ihre Grundausbildung erfolgreich beendet haben.
Maisenberger leisteten vergangenes Jahr 2.000 Stunden für die Gemeinde
Neben zehn Übungen wurden weitere Übungen speziell für Atemschutzgeräteträger und Maschinisten zusammen mit der Feuerwehr Engelsberg abgehalten. Sechs der insgesamt 40 Einsätze im vergangenen Jahr sind auf das ehemalige Gemeindegebiet entfallen. „Das Jahr war erst wenige Minuten alt als wir zu einem Bauernhofbrand nach Goldberg alarmiert wurden“, informierte der Kommandant weiter. Neben zahlreichen Verkehrsunfällen, teilweise mit LKW-Beteiligung, war der Brand eines Busdepots im Gewerbegebiet Wiesmühl einer der größten Einsätze im letzten Jahr. Darüber hinaus waren sie bei einem Garagenbrand, einem Brand in einer Biogasanlage sowie einem PKW-Brand gefordert. Im Dezember waren die Aktiven mehrmals zu „Schneebrucheinsätzen“ ausgerückt.
„Mit 44 Einsatzkräften stehen wir wirklich gut da“, freute sich der Kommandant und zeigte sich über das hohe Engagement „seiner recht jungen Truppe“ mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren sehr zufrieden. Acht Atemschutzgeräteträger und fünf Maschinisten stehen als Feuerwehrleute mit Zusatzqualifikation bereit. Neben mehr als 400 Einsatzstunden wendeten die Feuerwehrleute etwa 1.100 Stunden für Übungen und Ausbildungen auf. Die Kommandanten hatten außerdem etwa 20 Termine auf Gemeinde- und Landkreisebene, so dass die Mitglieder der Feuerwehr Maisenberg vergangenes Jahr rund 2.000 Stunden ehrenamtliches Engagement für die Gemeinde erbracht haben.
Neben einer Reihe an Lehrgängen wollen die Maisenberger Feuerwehrleute heuer wieder ein Leistungsabzeichen ablegen. Der stellvertretende Kommandant Markus Grundner forderte dazu auf, „bitte geht’s auch weiterhin so fleißig in die Übung und kommts zu den Einsätzen“, so sein Appell an die Mannschaft und ermutigte dazu, „lasst uns vor allem positiv und zuversichtlich in die Zukunft blicken und weiter nach einer einvernehmlichen Lösung suchen“.
(Quelle: Pressemitteilung Kreisfeuerwehrverband Traunstein / Beitragsbild, Fotos: Copyright Kreisfeuerwehrverband Traunstein)

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