Rosenheim / Oberbayern – Bei hochsommerlichen Temperaturen und strahlendem blau-weißem Himmel wurde die Rosenheimer Innenstadt am Samstag (18.7.2026) zur Bühne des Gautags des Gauverbandes I. Hunderte Trachtler präsentierten Tänze, Plattler und Musik und sorgten in der Gründerstadt des Verbandes für eine ganz besondere Atmosphäre. Vor allem die vielen Kinder- und Jugendgruppen begeisterten die Besucher mit ihren Auftritten.
Kinder- und Aktivengruppen rückten Tracht und Brauchtum am Samstag auf dem Max-Josefs-Platz in den Mittelpunkt. Fotos: Josefa Staudhammer
Wer am Samstagnachmittag durch die Rosenheimer Fußgängerzone schlenderte, kam an Dirndln und Lederhosen kaum vorbei. Tracht prägte das Bild der Innenstadt. Rund um den Nepomukbrunnen auf dem Max-Josefs-Platz und an der Ecke zur Hafnerstraße wurde getanzt, geplattelt und musiziert. Immer wieder blieben Passanten stehen, bildeten dichte Zuschauerreihen und spendeten begeisterten Applaus.
Besonders die jungen Trachtler zogen die Blicke auf sich. Mit großer Freude, beeindruckendem Können und sichtbarer Begeisterung zeigten sie, dass Brauchtum längst keine Frage des Alters ist. Nach jeder Darbietung gab es lang anhaltenden Beifall – nicht selten begleitet von anerkennenden Zurufen aus dem Publikum.
Ein „Tag der Gemeinschaft“
Der Gautag 2026 stand unter dem Motto „Tag der Gemeinschaft“. Anders als bei den traditionellen mehrtägigen Gautrachtenfesten entschied sich der Gauverband I diesmal bewusst für einen kompakten Begegnungstag in seiner Gründerstadt Rosenheim.
Hintergrund war, dass sich trotz intensiver Bemühungen kein Verein gefunden hatte, der ein klassisches Gautrachtenfest ausrichten konnte. Statt den Termin ausfallen zu lassen, entwickelte die Gauvorstandschaft gemeinsam mit dem Gauausschuss ein neues Format, das den Zusammenhalt der Vereine in den Mittelpunkt stellte.
Während sich die Delegierten in der AuerBräu-Festhalle zur Gauversammlung trafen, wurde die Innenstadt zur Bühne für gelebte Trachtentradition. Kinder-, Jugend- und Aktivengruppen aus den Mitgliedsvereinen präsentierten sich den Besuchern mit Tänzen, Plattlern und Musik.
Höhepunkt mit rund 600 Dirndln und Buam
Der emotionale Höhepunkt des Nachmittags folgte um 16.30 Uhr. Rund 600 Dirndl und Buam versammelten sich auf dem Max-Josefs-Platz und führten gemeinsam einen Plattler sowie traditionelle Tänze auf. Das eindrucksvolle Gemeinschaftsbild vor der historischen Kulisse des Max-Josefs-Platzes wurde von den zahlreichen Zuschauern mit lang anhaltendem Applaus belohnt.
Im Anschluss sorgte die Musikkapelle Bad Endorf mit einem Standkonzert für den musikalischen Übergang zum Abendprogramm. Danach setzte sich ein festlicher Fahnenzug in Richtung Mahnmal des Friedens in Bewegung, wo der verstorbenen Trachtenkameraden gedacht wurde.
Festlicher Ausklang in der AuerBräu-Festhalle
Mit dem Gauheimatabend fand der Gautag seinen traditionellen Abschluss. Die Gaugruppe und die Gaujugendgruppe des Gauverbandes I gestalteten gemeinsam mit Gastgruppen des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes, der Gebietsgruppe Simssee sowie dem Rosenheimer Gründerverein Stammler das Programm. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Musikkapelle Bad Endorf, den Außergebirg Musikanten und der Stamm-1-Ziachmusi. Nach dem offiziellen Teil waren alle Besucher zum bayerischen Volkstanz eingeladen.
Rosenheim als Wiege des Gauverbandes
Dass der Gautag ausgerechnet in Rosenheim stattfand, war kein Zufall. Die Stadt ist die historische Wiege des Gauverbandes I. Hier schlossen sich im Jahr 1890 anlässlich des damaligen Centralfestes die ersten Trachtenvereine zum ältesten und heute größten Trachtenverband Bayerns zusammen.
Heute gehören dem Verband 118 Vereine mit mehr als 40.000 Mitgliedern an. Große Trachtenfeste haben in Rosenheim eine lange Tradition. Als besonders bedeutend gilt das Gautrachtenfest des Jahres 1930, zu dem trotz der schwierigen Zeit mehr als 10.000 Trachtler und tausende Besucher in die Stadt kamen. Mit dem Gautag 2026 kehrte der Verband bewusst an seine historischen Wurzeln zurück.
Kreativität schon vor dem Gautag ausgezeichnet
Schon Wochen vor der Veranstaltung war der Gautag in den sozialen Medien präsent. Unter dem Motto „Zeigt, was unsere Trachtensache so besonders macht“ hatten die Mitgliedsvereine kurze Werbevideos veröffentlicht. Gemeinsam erreichten sie weit über eine Million Aufrufe. Die erfolgreichsten Beiträge wurden beim Gautag auf dem Max-Josefs-Platz ausgezeichnet.
Der Gautag zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Tracht und Brauchtum in der Region bis heute sind. Vor allem die vielen Kinder und Jugendlichen machten deutlich, dass die Tradition von einer neuen Generation mit Freude weitergetragen wird. Der lang anhaltende Applaus der Besucher und die besondere Atmosphäre in der Rosenheimer Innenstadt machten den „Tag der Gemeinschaft“ zu einem würdigen Bekenntnis zu Heimat, Brauchtum und Gemeinschaft.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)





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