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Drei weitere Erinnerungsschleifen

Erinnerungsschleife in Rosenheim. Foto: Archiv Innpuls.me

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

5. Juli 2023

Lesezeit: 2 Minute(n)

Rosenheim – Zum Gedenken an Opfer des NS-Terrors wurde im November 2022 eine erste sogenannte „Erinnerungsschleife“ in Rosenheim angebracht. Drei weitere sollen nun bald folgen. Die Entscheidung dafür fiel in der gestrigen Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses.

Dass die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Geschichte auch in Rosenheim niemals in Vergessenheit geraten darf, darüber war man sich im Stadtrat immer einig. Aber über das „Wie“ wurde viele Jahre diskutiert – vor allem über die weit verbreiteten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Schließlich entschloss sich der Stadtrat dann im September 2022 zu einem eigenen Weg – dem „Rosenheimer Weg“ Konkret bedeutet das: Erinnerungsschleifen statt Stolpersteine (wir berichteten).
Erschaffen hat die „Erinnungsschleifen“ Künstlerin Christiane Huber: Möbiusschleifen aus Messing, die in Bäumen oder Hausfassaden angebracht werden und auf denen die Namen der Rosenheimer eingraviert sind, die während der NS-Zeit ermordet wurden.

Die erste „Erinnerungsschleife“ wurde im vergangenen November vor dem Eingang der Städtischen Realschule für Mädchen in einem Baum angebracht. Eingraviert auf Ihr ist der Name Elisabeth Block. Das jüdische Mädchen lebte mit ihrer Familie in Prutting und besuche die Städtische Realschule für Mädchen in Rosenheim. Seit ihrem zehnten Lebensjahr im Jahr 1933 bis zum 8. März 1942 schrieb sie Tagebuch, das den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit überstand. Es endet abrupt, denn auch sie wurde von den Nazis ermordet.

Mit Hauseigentümern wurde bereits Kontakt aufgenommen

Nun sollen weitere „Erinnerungsschleifen“ im Rosenheimer Stadtgebiet folgen als Erinnerung an die jüdischen Familien Kohn, Fichtmann und Westheimer. Zwei der Gedenkzeichen sollen am Ludwigplatz angebracht werden, eine am Max-Josefs-Platz – genau an oder in der unmittelbaren Nähe der Häuser, an denen die Familien einst gewohnt haben.
Mit den betreffenden Hauseigentümern hat das Kulturamt Rosenheim bereits Kontakt aufgenommen, berichtete Kulturreferent Wolfgang Hauck in der gestrigen Sitzung. Bislang sei aber erst eine Rückmeldung erfolgt.

Kulturamt sucht auch Kontakt zu den Nachkommen der jüdischen Familien

Außerdem versucht das Kulturamt mit den Nachkommen der jüdischen Familien Kontakt aufzunehmen. Ein schwieriges Unterfangen, da über etwaige Nachkommen nur begrenzt Informationen vorliegen und sich Verwandtschaftsbeziehungen in puncto Generationsebene und Relationsgrad zunehmend entfernt darstellen. Dennoch konnten mittlerweile für alle drei Familien Angehörige identifiziert und vom Kulturamt angeschrieben werden. Von den Nachkommen der Familie Westheimer liegt sogar schon eine positive Rückmeldung vor. Wolfgang Hauck freut das sehr: „Das zeigt uns, dass diese Form der Erinnerung auch von den Angehörigen angenommen wird.“

Sollte es von den betreffenden Hauseigentümern in den kommenden Monaten keine Reaktion oder Ablehnung geben, sollen die Gedenkzeichen an öffentlichen Flächen in der Nähe angebracht werden. Grünen-Stadtrat Karl Heinz Brauner sieht eine Alternative beispielsweise in den Zierkirchenbäume am Stadtbachgerinne am Ludwigsplatz.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv: Innpuls.me)

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