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„Eine Kirche ohne Pfarrer erschreckt mich“

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

27. Oktober 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

Rosenheim / Landkreis – Nach zwölf Jahren verlässt Domkapitular Dekan Pfarrer Daniel Reichel Rosenheim. Der Umzug ist für den 23. November geplant. Im Gespräch mit Innpuls.me erzählt der Geistliche, was ihn aktuell bewegt, was er aus seiner Zeit in Rosenheim mitnimmt und was er sich für die Zukunft wünscht. 

Frage: Hinter ihnen liegen Wochen im Abschiedsmodus mit vielen Abschiedsfeiern. Wie geht es Ihnen damit?
Antwort: Das ist schon eine sehr emotionale Zeit. Die Wertschätzung mir gegenüber ist immens, das tut unglaublich gut und manchmal fließen Tränen, auch bei mir. Die Zeit in Rosenheim war eben relativ lang und in all den Jahren ist so viel geschehen.

Frage: Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Antwort: Das Hochwasser im Jahr 2013. Da war ich als Seelsorger am stärksten gefordert. Es kamen so viele Menschen an mich heran, die Hilfe benötigten. Das war für mich als Pfarrer eine sehr prägende Zeit.

Frage: Was hat Ihnen bei Ihrer Ankunft in Rosenheim vor 12 Jahren auf Anhieb besonders gut gefallen?
Antwort: Die Nähe zu den Bergen. Auch wenn ich selbst kein begeistertet Bergsteiger bin, genieße ich den Anblick. Und natürlich habe ich mich auch auf neue Aufgaben und das Kennenlernen mit neuen Menschen gefreut.

Frage: Wie jeder Neue wurden aber natürlich auch Sie und ihr Tun anfänglich durchaus mit einer gewissen Skepsis beobachtet.
Antwort: Natürlich war mir das bewusst. Diese Skepsis war ja auch ganz normal. Man muss sich eben erst einmal näher kennenlernen. Vertrauen wächst erst mit der Zeit.

Frage: Wie schwer ist Ihnen jetzt die Entscheidung gefallen, Rosenheim zu verlassen?
Antwort: Sehr schwer. Besonders, als es dann daran ging, diese innerlich getroffene Entscheidung laut auszusprechen und mit anderen zu teilen.  Das machte es dann für mich endgültig. Damit gab es kein Zurück mehr.

Frage: Haben Sie sich für Ihr neues Amt in Freising beworben oder wurde es Ihnen aufgetragen?
Antwort: Der Erzbischof hat mich gefragt, ob ich mir diese Aufgabe für ich vorstellen könnte und ich habe dann beschlossen, mich dieser neuen Herausforderung zu stellen. Mit 46 Jahren ist es bis zu meinen Ruhestand dann doch noch lange hin und nach zwölf Jahren war es jetzt einfach Zeit für etwas Neues.

Frage: Mit dem Umzug nach Freising beginnt auch für ihre beiden Katzen Hemma und Franzi ein neues Leben.
Antwort: Das Pfarrhaus, in das ich einziehe, hat einen sehr großen Garten. Ich denke, den beiden wird es dort sehr gut gefallen. (Anmerkung der Redaktion – natürlich gab es von Innpuls.me für die beiden ein kleines Geschenk, siehe hier:)

Zwei kleine Spielzeugmäuse, schwarz und weiss und eine Schachtel mit katzenminze made in Bavaria

Damit auch den beiden Katzen von Pfarrer Reichel der Umzug nach Freising nicht allzu schwer fällt, gab es von Innpuls.me ein kleines Geschenk mit auf den Weg. Foto: Josefa Staudhammer

Frage: Eines ist auf alle Fälle klar, mit Ihrem Weggang wird sich aus kirchlicher Sicht vieles in Rosenheim ändern. Eine Nachfolgeregelung wurde bis jetzt noch nicht verkündet. Außerdem stehen weitere personelle Veränderungen an. Prodekan Sebastian Heindl könnte altermäßig bereits nächstes Jahr in den Ruhestand gehen. Bei Pfarrer Andreas Maria Zach ist es 2025 wohl soweit. Was dann passiert, ist aktuell noch völlig offen.
Antwort: Die Kirche verändert sich. Das steht fest und das ist nicht das erste Mal in der Geschichte. Das muss aber nicht negativ sein. Aus meiner Sicht gibt es für mich ein klares Ja für ein Ehrenamtliches Team. Mir als Pfarrer ist wichtig, dass ich weiß, was passiert. Das schon. Aber mein Führungsstil war immer schon kooperativ. In Zukunft werden die Ehrenamtlichen mehr Verantwortung übernehmen und ich hoffe, dafür einen guten Grundstock in Rosenheim gelegt zu haben.

Frage: Autor Martin Ebner stellt in einem seiner Werke die provokante Frage auf: „Braucht die Katholische Kirche Priester?“. Was meinen Sie?
Antwort: Der Gedanke an eine Kirche ohne Pfarrer erschreckt mich. Denn damit spricht man letztendlich auch mir meine Existenzberichtigung ab.

Frage: Es wird also auch in Zukunft Pfarrer geben?
Antwort: Das steht für mich außer Frage. Aber sie werden sich zukünftig mehr auf das Kerngeschäft konzentrieren, also beispielsweise Taufen und Hochzeiten.

Frage: Werden Sie in Zukunft hin und wieder Rosenheim besuchen?
Antwort: Auf alle Fälle. Aber erst einmal bleibe ich ein halbes Jahr auf Distanz. Ich glaube, dass es diesen Abstand braucht, um Neues entstehen zu lassen und dafür zu sorgen, sich auf Neues einlassen zu können.
(Quelle: Das Interview führte Karin Wunsam / Beitragsbild: Karin Wunsam)

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