München / Bayern – Die Zahlen zur Ernte 2026 zeigen deutliche Einbußen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer spricht deshalb von einer „Krise von nationaler Tragweite“. Besonders betroffen sind Regionen im Süden und Südwesten Deutschlands. Dort kommen zu geringeren Erträgen auch Futterknappheit und hohe Kosten für Diesel und Dünger hinzu.
Die deutsche Getreideernte wird in diesem Jahr nach vorläufigen Ergebnissen auf rund 37,4 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Hektarertrag liegt voraussichtlich bei 69,1 Dezitonnen und damit 5,6 Prozent unter dem Wert von 2025.
Besonders deutlich fällt der Rückgang beim Winterweizen aus. Von der wichtigsten Getreideart Deutschlands werden voraussichtlich 20,2 Millionen Tonnen geerntet – 10,4 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Auch beim Winterraps wird mit einem Rückgang um 11,5 Prozent gerechnet.
Besonders der Süden ist betroffen
Hinter den bundesweiten Zahlen verbergen sich große regionale Unterschiede. Im Süden und Südwesten haben Trockenheit und Hitze den Mais besonders stark getroffen. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wuchs er dort vielerorts kaum, teilweise bildeten die Pflanzen überhaupt keine Kolben aus. Auch bei der Getreideernte mussten die Landwirte in diesen Regionen deutliche Einbußen hinnehmen.
Auch die Futtersituation ist demnach angespannt. Dem Erntebericht zufolge ist auf vielen Wiesen im Süden und Südwesten nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nachgewachsen. Einige Betriebe mussten deshalb bereits im Sommer auf Futterreserven zurückgreifen, die eigentlich für Herbst und Winter vorgesehen waren.
Hinzu kommen hohe Kosten für Betriebsmittel. Diesel und Dünger belasten die Betriebe, gleichzeitig stehen insbesondere Betriebe mit Tierhaltung wirtschaftlich unter Druck. Für das Bundeslandwirtschaftsministerium ergibt sich daraus ein Gesamtbild, das über eine schwächere Ernte hinausgeht.
Rainer spricht von „Krise von nationaler Tragweite“
„Meine Bewertung ist eindeutig: Wir haben es mit einer Krise von nationaler Tragweite zu tun“, sagte Alois Rainer bei der Vorstellung des Ernteberichts. Der Minister betont dabei, dass die Erntezahlen allein die Situation der Landwirtschaft nicht vollständig abbilden. Entscheidend sei das Zusammentreffen mehrerer Belastungen – von Dürre und regionalen Ernte- und Qualitätsverlusten über Futterknappheit bis zu hohen Kosten für Diesel und Dünger sowie wirtschaftlichen Problemen in der Tierhaltung.
Der Bund kündigte deshalb weitere Unterstützung an. Unter anderem soll das Soforthilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank im kommenden Jahr um 300 Millionen Euro auf insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt werden. Geplant ist zudem ein weiteres Liquiditätsprogramm mit günstigen Zinsen und längeren Laufzeiten. Hinzu kommen unter anderem EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Ausrufung eines formalen „Schadensereignisses von nationalem Ausmaß“, wie es beispielsweise bei der Dürre 2018 oder dem Hochwasser 2021 der Fall war. Eine solche Einstufung hätte weitere Möglichkeiten für staatliche Hilfen eröffnet.
Bauernverband fordert mehr Unterstützung
Dem Bayerischen Bauernverband gehen die angekündigten Maßnahmen nicht weit genug. Generalsekretär Carl von Butler fordert unter anderem, den Bundeszuschuss zu den Beiträgen zur Landwirtschaftlichen Sozialversicherung zu erhöhen, statt ihn wie geplant zu senken. Außerdem soll Deutschland die EU-Düngemittelhilfe aufstocken.
Der BBV fordert darüber hinaus eine neue Bund-Länder-Nothilfe nach dem Vorbild der Dürrehilfe von 2018. „Wer von einer Krise nationalen Ausmaßes spricht, muss auch wirksame Hilfen liefern, statt diese Krise auszusitzen und auf ein besseres 2027 zu hoffen“, sagt von Butler.
Auch langfristig sieht der Bauernverband Handlungsbedarf. Gefordert werden unter anderem ein starkes EU-Agrarbudget ab 2028 mit mindestens 500 Milliarden Euro sowie weniger Bürokratie und Auflagen für die landwirtschaftlichen Betriebe.
„Statt nur eine kurzfristige Hilfestellung zu geben, muss sich die Bundesregierung in Brüssel für eine echte schnelle und langfristige Entlastung auf den Betrieben einsetzen“, betont von Butler.
(Quelle: Pressemitteilungen BBV und Bundeslandwirtschaftsministerium / Beitragsbild: Symbolfoto Archiv Gisela Schreiner)


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