Rosenheim / Landkreis .- Die Sonne strahlte vom weiß-blauen Himmel, als sich am Sonntagmorgen am Max-Josefs-Platz der Kirchenzug in Bewegung setzte. Zwischen Trachten, Blasmusik, Erntekronen und Blumengebinden wurde das Motto „Stadt und Land – Hand in Hand“ lebendig. Rund 1.000 Teilnehmer und Tausende Gläubige waren dabei. Doch beim Erntedankfest 2026, in einem für die Landwirtschaft schwierigen Jahr, gab es neben dem Dank für die Ernte noch andere Themen, die für Gesprächsstoff sorgten.
Stadt und Land Hand in Hand beim Kirchenzug zum Mangfallpark Süd. Fotos: Copyright Innpuls.me
Das Rosenheimer Herbstfest lebt vom Trubel. Von Musik und Fahrgeschäften, von dichtem Gedränge und ausgelassener Stimmung. Der Erntedanksonntag setzt dazu einen anderen Akzent. Es geht um Glaube, Andacht und Tradition – und um den Dank für das, was die Erde hervorbringt.
Am Max-Josefs-Platz war davon am Sonntagmorgen viel zu sehen. Um 9.15 Uhr setzte sich der Kirchenzug in Bewegung. Bei strahlendem Sonnenschein ging es durch die Innenstadt zum Mangfallpark Süd. Rund 1.000 Teilnehmer waren dabei. Trachtenvereine, landwirtschaftliche Vereine und Musikkapellen aus Rosenheim und dem Landkreis reihten sich in den Zug ein.
Erntekronen, Blumengebinde und Blumengirlanden sorgten für farbenfrohe Akzente.
Zwischen den Trachten und Uniformen sorgten Erntekronen, Blumen und andere Erntesymbole für Farbtupfer. Dazu Musik, die durch die Straßen klang. Am Rand standen zahlreiche Menschen und verfolgten das Geschehen. Viele von ihnen begleiteten den Zug bis zum Mangfallpark, wo sich schließlich Tausende Gläubige aus Stadt und Land zur Feldmesse versammelten.
Das historische Motto des Erntedankfestes – „Stadt und Land – Hand in Hand“ – wurde dabei ganz unmittelbar sichtbar. Seit mehr als sechs Jahrzehnten erinnert das Fest an die landwirtschaftlichen Wurzeln des Rosenheimer Herbstfestes und verbindet die Stadt mit den Gemeinden des Umlands. Besonders deutlich wird diese Verbindung jedes Jahr am Erler Kreuz.
Auch seit vielen Jahren eine feste Konstante im Kirchenzug – das Erler Kreuz.
160 Kilogramm auf sechs Schultern
Das mächtige Holzkreuz ist ein fester Bestandteil des Erntedankfestes und zugleich ein besonderer Blickfang. Rund 160 Kilogramm wiegt es. Sechs Männer tragen es auf ihren Schultern durch die Stadt, vier weitere Männer sichern den Transport ab.
Seinen Ursprung hat das Kreuz in den 1950er Jahren. Es wurde im Zusammenhang mit den Erler Passionsspielen angefertigt und verbindet seitdem das bayerische Inntal mit dem benachbarten Tirol. Seit 2002 bringen Mitglieder des Erler Trachtenvereins das Kreuz alljährlich zum Rosenheimer Erntedankfest.
Auch an diesem Sonntag zieht es viele Blicke auf sich, während sich der Zug langsam durch die Straßen bewegt. Ein schweres Stück Holz, getragen von sechs Männern – und gleichzeitig ein Symbol für eine Tradition, die seit Jahrzehnten über die Grenze hinweg gepflegt wird.
Bei der Predigt ging es diesmal viel um Politik..
Im Mangfallpark Süd angekommen, versammelten sich die Teilnehmer zur ökumenischen Feldmesse. Der katholische Rosenheimer Stadtpfarrer Monsignore Thomas Schlichting und die evangelische Dekanin Dagmar Häfner-Becker gestalteten den Gottesdienst gemeinsam.
Das Bauernehrenpaar mit Brot und Trauben.
Eine besondere Aufgabe übernahm dabei das Bauernehepaar. In diesem Jahr repräsentierten Martin und Barbara Pichler aus Oberaudorf stellvertretend den Bauernstand. Sie brachten Brot und Trauben zum Altar – als Zeichen des Dankes für die Ernte und für die Arbeit der Landwirtschaft.
Ein Jahr mit Hitze und Trockenheit
Gerade 2026 ist dieser Dank mit besonderen Herausforderungen verbunden. Der Sommer brachte hohe Temperaturen und vielerorts wenig Regen. Für die Landwirtschaft bedeutete das schwierige Bedingungen, die sich auch bei der Ernte bemerkbar machten.
Beim Festzug nach dem Gottesdienst reihten sich auch die Gespanne der Brauereien mit ein.
In der Predigt griffen Schlichting und Häfner-Becker das Thema aber nur kurz gegen Ende auf. Der Sommer habe gezeigt, wie wichtig Wasser für die Landwirtschaft sei. Zuvor führten die beiden Geistlichen einen Dialog über andere Fragen. Ausgangspunkt war die Überlegung, warum einer mehr habe als ein anderer und weshalb Menschen dazu neigen, auf das zu schauen, was andere besitzen. Daraus entwickelte sich das Thema Neid.
Auch politische Themen kamen zur Sprache. Es ging um Zölle und die Politik von US-Präsident Donald Trump. Ebenso wurde die an diesem Sonntag stattfindende Wahl in Sachsen-Anhalt angesprochen.
Ein weiterer Teil des Gesprächs drehte sich um den Umgang mit Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Dabei ging es um die Frage, ob hinter Leistungen des Staates vorschnell Missbrauch vermutet werde oder ob grundsätzlich mehr Vertrauen angebracht sei. „Eine Gesellschaft, wo man Schwächen zugeben darf und sich gegenseitig hilft“, lautete ein Gedanke der beiden Geistlichen. Mit Blick auf den Umgang mit Sozialleistungen fiel außerdem der Satz, es sei besser, „mehr von Grundvertrauen auszugehen als von Grundsicherung“.
Vom Erntedank zurück zur Wiesn
Mit dem Ende der Feldmesse war der Erntedanksonntag aber längst nicht vorbei. Vor den Teilnehmern lag nun der zweite große Teil des Vormittags: der Festzug zur Loretowiese.
Wieder setzte sich eine lange Reihe aus Trachtenvereinen, landwirtschaftlichen Gruppen und Musikkapellen in Bewegung. Die Straßen füllten sich zunehmend mit Zuschauern. Familien standen am Rand, Kinder warteten gespannt auf die vorbeiziehenden Gespanne, immer wieder wurden Handys gezückt.
Auch die Gespanne der beiden Rosenheimer Brauereien reihten sich in den Festzug ein. Pferde zogen die geschmückten Wagen durch die Stadt, während Musik und Stimmen die Wegstrecke erfüllten.
Und spätestens hier begegneten sich wieder die beiden Seiten des Rosenheimer Herbstfestes: der stille, feierliche Beginn des Tages und der Trubel der Wiesn. Denn auf der Loretowiese wird der Erntedank auch am Nachmittag und am Abend weitergefeiert. Zwischen Festzelten, Fahrgeschäften und Musik bleibt damit eine Tradition lebendig, die ihre Wurzeln in der Landwirtschaft hat.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer und Karin Wunsam)
























































































































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