Happing / Rosenheim – Im Februar zeigte sich Abuzar Erdogan noch unzufrieden mit dem Zeitplan für das neue Feuerwehrhaus in Happing. Nun, vier Monate später, steht er als Oberbürgermeister selbst in der Verantwortung. Mit einem geänderten Konzept soll das Projekt nun effizienter und günstiger umgesetzt werden.
Seit rund 25 Jahren wartet die Freiwillige Feuerwehr Happing auf ein neues Gerätehaus. Das bestehende Feuerwehrhaus an der Inntalstraße stammt aus dem Jahr 1949 und gilt seit Jahren als nicht mehr zeitgemäß. Es ist zu klein, bietet zu wenig Platz für Ausbildung und Vereinsleben, zudem müssen die Einsatzfahrzeuge hintereinander parken.
Erst im Februar dieses Jahres hatte der Rosenheimer Stadtrat den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an der Heilig-Blut-Straße 1 beschlossen. Damals war vorgesehen, das bestehende Mehrfamilienhaus auf dem Grundstück zu erhalten und den Neubau daran anzubinden.
In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend wurde nun eine überarbeitete Planung vorgestellt. Demnach soll das Wohngebäude abgerissen und das Feuerwehrhaus als freistehender Neubau errichtet werden. Zudem soll das Projekt erstmals in Rosenheim über einen Generalübernehmer umgesetzt werden, der Planung, Organisation und Bau aus einer Hand verantwortet.
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Vom Kritiker zum Entscheider
Dass nun nachgebessert wird, hat auch mit einer Diskussion aus dem Februar zu tun. Damals konnte der heutige Oberbürgermeister Abuzar Erdogan als SPD-Fraktionssprecher nicht nachvollziehen, warum sich die Planungen bis zur vorgesehenen Fertigstellung im Sommer 2029 noch über mehrere Jahre hinziehen sollten.
Inzwischen steht Erdogan an der Spitze der Stadtverwaltung und unterstützt die überarbeitete Projektstruktur. Durch den Abriss des Bestandsgebäudes entstehen größere planerische Freiheiten. Gleichzeitig soll die Vergabe an einen Generalübernehmer Abläufe vereinfachen und Zeitgewinne ermöglichen.
Erdogan machte in der Sitzung deutlich, dass dieser Weg zwar Risiken berge. Angesichts der Situation in Happing halte er das Vorgehen dennoch für sinnvoll, auch wenn mögliche Fördermittel dadurch nicht vollständig gesichert seien.
Mehr Platz und neue Kostenstruktur
Nach Einschätzung der Verwaltung stößt die bisherige Planung an ihre Grenzen. Das Grundstück sei mit dem bestehenden Wohngebäude stark beengt. Eine funktionale und kompakte Anordnung des Feuerwehrhauses sei daher nur eingeschränkt möglich, zudem müssten bestehende bauliche Gegebenheiten technisch mit berücksichtigt werden. Auch die Entwicklungsmöglichkeiten für die Feuerwehr seien mit der bisherigen Lösung nahezu ausgeschöpft.
Die Verwaltung prüfte deshalb die Auswirkungen eines vollständigen Abrisses des Wohnhauses. Das Ergebnis: Ein freistehender Neubau ermöglicht mehr Flexibilität bei der Anordnung und schafft Raum für spätere Erweiterungen.
Eine weitere Verkleinerung des Raumprogramms wurde ebenfalls geprüft, jedoch verworfen. Die bereits auf 830 Quadratmeter Nettofläche reduzierte Planung könne nicht weiter verkleinert werden, ohne den Feuerwehrbetrieb wesentlich einzuschränken. Geplant wird weiterhin mit einem Zuwachs der aktiven Einsatzkräfte von rund 20 Prozent.
Auch bei den Kosten ergeben sich Veränderungen. Die bisherige Planung mit Erhalt des Wohngebäudes wurde zuletzt mit rund 6,7 Millionen Euro veranschlagt. Die nun bevorzugte Variante mit freistehendem Neubau liegt nach Angaben der Verwaltung bei rund 5,87 Millionen Euro. Damit könnte das Projekt trotz des zusätzlichen Abrisses günstiger umgesetzt werden.
Von den Gesamtkosten entfallen rund 4,82 Millionen Euro auf Baukosten und etwa 1,05 Millionen Euro auf Planungs- und Nebenkosten. Nicht enthalten sind Ausgaben für Ausstattung, Mobiliar und EDV. Die Förderung des Freistaats Bayern beträgt nach aktuellem Stand 469.600 Euro.
Einstimmige Zustimmung im Ausschuss
Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte der überarbeiteten Planung am Dienstagabend (16.6.2026) einstimmig zu. Die endgültige Entscheidung fällt in der Stadtratssitzung am 23. Juni.
Sollte der Stadtrat zustimmen, würde das bestehende Wohnhaus auf dem Gelände abgerissen. Ein Feuerwehrkamerad, der dort derzeit wohnt, müsste sich dann eine neue Bleibe suchen. Die Stadtverwaltung hat Unterstützung bei der Wohnungssuche zugesagt.
Für die Feuerwehr Happing rückt damit nach jahrzehntelanger Diskussion ein modernes und funktionales Gerätehaus ein großes Stück näher.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Symbolfoto ai generiert)


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