Deutschland / Bayern / Rosenheim – Auf den ersten Blick haben Garnelen und Flusskrebse einiges gemeinsam. Doch bei der Haltung gibt es wichtige Unterschiede, von der Ernährung über den Platzbedarf bis zum Verhalten. Wer die kleinen Krebstiere im Aquarium halten möchte, sollte ihre Bedürfnisse kennen.
Garnelen und Flusskrebse gehören zu den Krebstieren und besitzen einen ausgeprägten Panzer. Dieser dient als Schutz, kann sich aber nur begrenzt ausdehnen. Deshalb müssen sich die Tiere regelmäßig häuten, um wachsen zu können. In den Stunden nach der Häutung ist ihr neuer Panzer noch weich, wodurch sie besonders verletzlich sind.
Trotz dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich die beiden Aquarienbewohner in ihrer Lebensweise und ihren Ansprüchen. Jonas Liebhauser vom Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA) aus Hambrücken erklärt, worauf es bei der Haltung ankommt.
Welche Arten sind verbreitet?
Garnelen sind in der Aquaristik deutlich häufiger anzutreffen als Flusskrebse. Zu den verbreiteten Arten gehören Amanogarnelen (Caridina multidentata) und Zwerggarnelen (Neocaridina davidi). Auch Bienengarnelen (Caridina logemanni) sind wegen ihrer Farbformen beliebt. Sie benötigen allerdings eher weiches Wasser und sind deshalb weniger verbreitet.
Amanogarnelen werden häufig eingesetzt, um Algen und andere biologische Aufwüchse im Aquarium zu reduzieren. Zwerggarnelen sind durch gezielte Zucht in vielen Farben erhältlich und werden oft vor allem wegen ihres Aussehens gehalten.
„Flusskrebse sind im Gegensatz zu Garnelen im Handel seltener anzutreffen“, berichtet Liebhauser. Zu den Arten, die noch regelmäßig erhältlich sind, zählen der Blaue Floridakrebs (Procambarus alleni) und der Orangefarbene Zwergflusskrebs (Cambarellus patzcuarensis).
Unterschiede bei Futter und Ernährung
Viele Garnelen ernähren sich unter anderem von Laub, abgestorbenen Pflanzenresten und Algen. Flusskrebse benötigen dagegen regelmäßig tierisches Eiweiß. Dafür eignen sich beispielsweise Tubifexwürmer oder Schnecken.
Spezielle Futtersticks und -tabletten sind sowohl für Garnelen als auch für Flusskrebse erhältlich. Flusskrebse fressen außerdem häufig Aquarienpflanzen. Laut BNA lässt sich dieses Verhalten durch die zusätzliche Fütterung von Gemüse wie Gurke oder Karotte deutlich reduzieren.
Garnelen: gesellig und vergleichsweise unkompliziert
Garnelen lassen sich in Gruppen halten und können in vielen Fällen mit geeigneten Fischarten vergesellschaftet werden. Zusätzliche Verstecke sind nicht zwingend notwendig. Wasserpflanzen und Wurzeln bieten den Tieren jedoch mehr Fläche, die sie nutzen können.
Für die Haltung eignen sich bereits kleine Aquarien mit den Maßen 30 × 30 × 30 Zentimeter. Zu Beginn können dort zehn bis 15 Garnelen eingesetzt werden. „Für die Haltung von Garnelen sowie Flusskrebsen gilt: Bei den angegebenen Maßen handelt es sich um Mindestmaße – die Tiere nehmen ein großzügigeres Platzangebot dankend an“, sagt Liebhauser.
Flusskrebse brauchen Rückzugsmöglichkeiten
Flusskrebse sind meist dämmerungs- oder nachtaktiv. Während Garnelen auch tagsüber gut zu beobachten sind, ziehen sich Flusskrebse häufig in Verstecke zurück. Dafür eignen sich künstliche Höhlen und Röhren ebenso wie Kokosnussschalen oder Wurzeln.
Ein wichtiger Unterschied ist ihr Verhalten gegenüber Artgenossen: Flusskrebse sind meist territorial. Deshalb wird die gemeinsame Haltung mehrerer Tiere in einem Aquarium grundsätzlich nicht empfohlen. Dominante Tiere können versuchen, schwächere Artgenossen zu verdrängen.
Auch eine Vergesellschaftung mit Fischen ist nicht ratsam, da Flusskrebse versuchen können, kleinere Fische zu erbeuten. In der Regel sind sie daher in einem Aquarium für ihre eigene Art und in Einzelhaltung am besten aufgehoben. Bei einigen ausgewählten Zwergflusskrebsarten kann allerdings eine Paarhaltung funktionieren.
Für Flusskrebse sollte das Aquarium mindestens 60 × 30 × 30 Zentimeter messen. Bei guter Strukturierung kann darin beispielsweise ein Pärchen Orangefarbener Zwergflusskrebse gehalten werden. Beim Blauen Floridakrebs empfiehlt sich dagegen die Einzelhaltung. Wichtig ist außerdem eine Abdeckung: Flusskrebse sind geschickte Ausbruchskünstler und können das Aquarium verlassen.
Krebse niemals in der Natur aussetzen
Einige eingeschleppte Flusskrebsarten können sich in heimischen Gewässern ausbreiten und erhebliche Schäden anrichten. Dazu zählen der Kalikokrebs (Faxonius immunis), der Marmorkrebs (Procambarus fallax f. virginalis) und der Kamberkrebs (Faxonius limosus). Alle drei gelten als invasiv.
Während Kamberkrebse bereits vor mehr als hundert Jahren als Speisekrebse ausgesetzt wurden, gehen die Bestände von Kaliko- und Marmorkrebsen vermutlich auf ausgesetzte Aquarientiere zurück.
Flusskrebse dürfen deshalb keinesfalls in der freien Natur ausgesetzt werden. Auch bei der Entsorgung ist Vorsicht geboten: Altes Aquarienwasser sollte über die Kanalisation entsorgt werden, Wasserpflanzen gehören in den Restmüll. So lässt sich verhindern, dass sich gebietsfremde Arten ausbreiten. Außerdem kann die Übertragung der Krebspest vermieden werden, einer oft tödlich verlaufenden Pilzerkrankung, die für heimische Arten wie den Edelkrebs (Astacus astacus) gefährlich ist.
Vor der Anschaffung gut informieren
Ob Garnele oder Flusskrebs: Beide brauchen ein Aquarium, das zu ihren jeweiligen Bedürfnissen passt. Unterschiede bei Ernährung, Verhalten, Platzbedarf und Verträglichkeit sollten vor der Anschaffung berücksichtigt werden. Wer sich vorab gründlich informiert, schafft die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Haltung.
(Quelle: Pressemitteilung BNA/IVH / Beitragsbild: Symbolfoto re)


0 Kommentare