Hilpoltstein / Bayern – Im August sind in vielen bayerischen Gärten noch Jungvögel unterwegs. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) bittet deshalb darum, mit einem kräftigen Rückschnitt von Hecken bis zum Herbst zu warten. Denn Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig können auch jetzt noch in dichtem Gebüsch brüten.
„Auch jetzt im August brüten manche Singvögel wie Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig noch im Schutz des dichten Laubes in Gärten, Friedhöfen und Parks. Wer mit dem Heckenschnitt wartet, gibt den Jungvögeln die Chance, geschützt aufzuwachsen und bald selbstständig durch den Garten zu fliegen“, sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.
Der LBV erhält derzeit wieder Meldungen von Bürgern über radikale Heckenschnitte während der Brutzeit. Dabei werden laut Verband immer wieder tote Jungvögel unter frisch geschnittenen Hecken gefunden. Werden die Pflanzen stark zurückgeschnitten, können die Jungtiere ungeschützt der Witterung ausgesetzt sein oder leichter Nesträubern zum Opfer fallen.
Was Gartenbesitzer beim Heckenschnitt beachten sollten
Ein vorsichtiger Form- oder Zuwachsschnitt ist derzeit grundsätzlich möglich. Allerdings sollte vorher genau kontrolliert werden, ob sich Vögel in der Hecke befinden. „Schonende Form- oder Zuwachsschnitte an Hecken sind zurzeit erlaubt. Aber auch dabei sollte man vorher genau prüfen, ob fütternde Vogeleltern im Gebüsch ein und aus fliegen oder laut rufen, wenn man sich der Hecke nähert. Das deutet darauf hin, dass Jungvögel im Dickicht sitzen“, so Nelson.
Beim Heckenschnitt gilt zudem: Wildtiere dürfen nicht mutwillig gestört und ihre Lebensstätten nicht zerstört werden. Wer lediglich Äste entfernen möchte, die in Wege ragen, kann dies nach Angaben des LBV vorsichtig tun. Einen starken Rückschnitt oder das sogenannte „Auf-den-Stock-Setzen“ empfiehlt der Verband erst nach Ende der Wachstumsperiode.
Ab dem 1. Oktober dürfen Hecken und Bäume laut Bundesnaturschutzgesetz wieder kräftiger zurückgeschnitten werden.
Hecken sind wichtige Rückzugsorte
Dichte Sträucher, Hecken und Bäume werden nach Angaben des LBV gerade in Städten und Siedlungen zunehmend weniger. Für Vögel können die verbliebenen Hecken daher wichtige Rückzugsorte sein. Einige Singvogelarten brüten im Sommer ein zweites oder sogar drittes Mal und können durch einen zu frühen Rückschnitt bei der Aufzucht ihres Nachwuchses gestört werden.
Auch für das Gartenklima haben dichte Hecken eine Bedeutung. „Dichte Hecken bieten nicht nur Vögeln Schutz. Sie spenden Schatten und sorgen durch die Verdunstung ihrer Blätter an heißen Tagen für angenehmere Temperaturen rund um Haus und Garten“, ergänzt Nelson.
Wer mit dem kräftigen Heckenschnitt bis zum Herbst wartet, schützt damit nicht nur Jungvögel, sondern erhält zugleich wichtige Rückzugsräume für Tiere im Garten.
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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