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Hinter den Schlagzeilen: Strom weg, Internet weg – wie wir den Rosenheimer Stromausfall erlebten

Die Ampeln in Rosenheim funktionierten nicht mehr. Copyright Ferdinand Staudhammer

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

29. Juli 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

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Rosenheim – Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen: Während in Rosenheim am Dienstagnachmittag (28. Juli 2026) der Strom ausfiel, standen auch wir bei Innpuls.me plötzlich vor einer ungewöhnlichen Frage: Wie erreichen wir unsere Leser, wenn Strom und Internet fehlen?

Ein ganz normaler Nachmittag – bis plötzlich nichts mehr ging

Es war ein ganz normaler Dienstagnachmittag. Ich saß mit meinem Laptop im Gartenstuhl und arbeitete für Innpuls.me. Der Akku war voll, die Arbeit lief – und dass zu diesem Zeitpunkt bereits große Teile des Rosenheimer Stadtgebiets ohne Strom waren, bemerkte ich zunächst überhaupt nicht. Erst mein Sohn machte mich gegen 15.30 Uhr darauf aufmerksam, dass die Uhr am Herd in der Küche blinkte. Unser erster Gedanke war ganz naheliegend: Ist vielleicht nur eine Sicherung herausgesprungen?

Doch bevor wir dieser Frage nachgehen konnten, klopfte es an der Haustür. Eine Nachbarin stand davor und fragte: „Habt ihr noch Strom?“ Noch bevor wir antworten konnten, kam bereits der nächste Nachbar hinzu. Auch bei ihm war der Strom ausgefallen. Plötzlich standen wir da – mit etwas ratlosen Gesichtern und der gleichen Frage im Kopf: Was ist hier eigentlich passiert?

Die erste Reaktion in einer solchen Situation ist heute fast automatisch: Man greift zum Smartphone. Irgendwo muss doch schnell zu erfahren sein, was los ist. Doch genau das funktionierte nicht.

Ein ungewohntes Gefühl: Keine Informationen in Sekunden

Nicht nur der Strom war weg, auch das Internet fiel aus beziehungsweise war nur sehr eingeschränkt verfügbar. Und damit entstand ein Gefühl, das in unserer heutigen Zeit fast ungewohnt geworden ist: für einen Moment ohne schnelle Informationen dazustehen. Normalerweise erfahren wir innerhalb von Sekunden, was irgendwo auf der Welt passiert. Nachrichten, Warnungen und Informationen sind jederzeit abrufbar. Doch plötzlich standen wir da und wussten zunächst nicht einmal, ob nur unser Haus betroffen war oder ob dahinter ein größeres Problem steckte.

Auch ein Blick in die Nachbarschaft brachte zunächst keine eindeutige Antwort. Eine Straße weiter hörten wir, wie ein Dacharbeiter weiter mit einem elektrischen Gerät arbeitete. „Wie kann das sein?“, fragten wir uns. Betrifft der Stromausfall vielleicht doch nur unseren Straßenzug? Erst kurze Zeit später fiel uns ein: Natürlich gibt es mittlerweile viele akkubetriebene Werkzeuge – gerade auch bei Arbeiten auf Dächern.

Dann kam schließlich der entscheidende Hinweis. Eine Nachbarin wurde von ihrem Mann angerufen, der im Norden Rosenheims arbeitete. Auch dort war der Strom ausgefallen. Kollegen hatten ihm zudem berichtet, dass ebenfalls einige umliegende Gemeinden betroffen seien. Damit war klar: Das Problem war größer.

Die wichtigste Frage: Wie erreichen wir jetzt unsere Leser?

Für uns stellte sich damit eine ganz praktische Frage: Wie informieren wir jetzt unsere Leser? Denn ausgerechnet die Technik, die wir für unsere Arbeit brauchen, machte uns selbst Probleme. Der Strom war weg, das Internet funktionierte nicht zuverlässig – und trotzdem wollten wir natürlich möglichst schnell weitergeben, was wir wussten.

Die Lösung kam schließlich aus der Familie: Einer meiner Söhne hatte die Idee, uns kurzfristig in seine mobilen Daten aufzunehmen. Das funktionierte tatsächlich – wenn auch langsam und nicht immer ohne kleine Hänger. Aber es reichte, um wieder online zu kommen und unseren Lesern über einen kleinen Liveticker die wichtigsten Informationen weiterzugeben.

Parallel zur Arbeit an der Berichterstattung wurde uns aber auch ganz persönlich bewusst, wie abhängig unser Alltag mittlerweile von Strom ist. Was passiert eigentlich, wenn der Ausfall nicht nach wenigen Minuten vorbei ist? Plötzlich denkt man an Dinge, die sonst völlig selbstverständlich sind: Kühlschrank, Tiefkühlschrank, Aquarium, Festnetztelefon, Medienversorgung und vieles mehr. Erst wenn die gewohnte Versorgung wegfällt, merkt man, wie viele Bereiche unseres Lebens inzwischen davon abhängen.

Warnmeldungen ohne schnelle Antworten

Als dann auch noch die Warn-Apps NINA und KATWARN eine Gefahreninformation zum Stromausfall auf die Smartphones schickten, sorgte das zunächst nicht unbedingt für mehr Beruhigung. Die Warnung selbst kam zwar an, doch weiterführende Informationen führten auf Internetseiten – und genau der Zugang dazu war zu diesem Zeitpunkt nicht zuverlässig möglich. Es war ein ungewöhnlicher Moment: Die moderne Technik warnte uns, aber gleichzeitig zeigte sich, wie schwierig der Zugang zu weiteren Informationen sein kann, wenn genau diese Infrastruktur betroffen ist.

Zurück im Alltag – fast so, als wäre nichts gewesen

Nach rund 20 Minuten war der Spuk zum Glück vorbei. Die Stadt Rosenheim meldete Entwarnung, der Strom kehrte zurück und auch unser Alltag normalisierte sich wieder.  Als ich gegen 16.45 Uhr vor dem Rosenheimer Rathaus ankam, war vom Ausnahmezustand bereits nichts mehr zu spüren. Der Verkehr lief wieder normal, die Ampeln funktionierten und die Menschen gingen ihrem Alltag nach –  so, als wäre nichts passiert.

Natürlich hatte der Stromausfall Folgen: Ampeln waren ausgefallen, Aufzüge blieben stehen, Brandmeldeanlagen lösten aus und manche Geschäfte konnten vorübergehend nicht wie gewohnt arbeiten. Von einem großen Chaos oder einer länger andauernden Lahmlegung der Stadt konnte nach unserem Eindruck jedoch keine Rede sein.

Auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan ging zu Beginn der um 17 Uhr stattfindenden Ausschusssitzung noch einmal kurz auf den Vorfall ein. Das Problem habe nicht bei den Stadtwerken Rosenheim gelegen, sondern im vorgelagerten Netz, erklärte er. Wie mehrere Medien unter Berufung auf Angaben der Bayernwerk Netz GmbH berichten, soll ein technischer Defekt im Umspannwerk Pang Ursache für den Stromausfall gewesen sein. Demnach kam es zu einer Schutzauslösung, wodurch mehrere Umspannwerke vorübergehend spannungslos wurden.

Während der Sitzung flackerte später noch einmal kurz das Deckenlicht – das blieb jedoch die einzige weitere Auffälligkeit.

Was von diesem Nachmittag bleibt

Am Ende bleibt deshalb weniger die Erinnerung an einen 20-minütigen Stromausfall als vielmehr eine Erkenntnis: Wie selbstverständlich Strom und Internet für unseren Alltag geworden sind, merken wir oft erst dann, wenn beides plötzlich nicht mehr funktioniert.
Diesmal lief alles glimpflich ab. Nach kurzer Zeit kehrte der Alltag zurück. Was aber passieren würde, wenn aus 20 Minuten mehrere Stunden oder gar Tage würden, darüber möchte man lieber nicht nachdenken.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Foto: Archiv Ferdinand Staudhammer)

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