Rosenheim / Landkreis Rosenheim – Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche (22. bis 28. Juni 2026) rückt ein oft unsichtbares Thema in den Mittelpunkt: Einsamkeit. Mitarbeiter der Diakonie Rosenheim berichten aus ihrem Arbeitsalltag und geben Einblicke in sehr unterschiedliche Lebenssituationen. Die Schilderungen zeigen, wie still Einsamkeit beginnen kann – und wie stark sie den Alltag prägt.
„Ich habe heute noch mit niemandem gesprochen“ – dieser Satz steht exemplarisch für viele Lebensrealitäten, in denen soziale Kontakte fehlen oder nur noch selten stattfinden. Oft bleibt Einsamkeit im Verborgenen und wird erst im Gespräch oder in der Beratung deutlich.
Dabei ist allein sein nicht automatisch gleichbedeutend mit Einsamkeit. Einsamkeit entsteht, wenn die sozialen Beziehungen fehlen, die sich ein Mensch wünscht. Genau diese Lücke beschreiben Mitarbeiter der Diakonie Rosenheim aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen.
Wenn Einsamkeit erst im Gespräch sichtbar wird
Für Birgit Zimmer, Leiterin der Telefonseelsorge Rosenheim, gehört das Thema zum Alltag. Besonders eindrücklich ist ihr ein nächtlicher Anruf eines jungen Mannes mit körperlicher Einschränkung in Erinnerung geblieben. Er habe erzählt, wie sehr er sich nach einer Partnerin sehne und unter seiner Einsamkeit leide. Darüber sprechen könne er nur mit der Telefonseelsorge.
„Oft melden sich Menschen zunächst ohne konkreten Anlass. Erst im Laufe des Gesprächs wird deutlich, dass hinter vielen Sorgen und Problemen Einsamkeit steht“, berichtet Zimmer. Häufig gehe sie mit psychischen Belastungen wie Ängsten oder Depressionen einher. Gleichzeitig beobachte sie, dass das Thema insgesamt zunimmt. Besonders in der Mailberatung, die häufiger von jüngeren Menschen genutzt wird, spiele Einsamkeit eine immer größere Rolle.
Auch in der kirchlichen Sozialarbeit zeigt sich, wie verborgen Einsamkeit oft bleibt. Stephanie Staiger von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) organisiert den Besuchsdienst von Diakonie und Caritas für ältere Menschen. „Die Menschen rufen selten an und sagen konkret: Ich bin einsam“, erzählt sie. Oft werde erst über Angehörige, Nachbarn oder andere Beratungsstellen sichtbar, wie stark soziale Kontakte fehlen.
Hintergrund: Aktionswoche gegen Einsamkeit
Die bundesweite Aktionswoche gegen Einsamkeit läuft vom 22. bis 28. Juni 2026 unter dem Motto „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. Sie will auf die verschiedenen Facetten von Einsamkeit aufmerksam machen und zeigen, wie Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe gestärkt werden können. Weitere Informationen stellt das Kompetenznetzwerk Einsamkeit (KNE) bereit.
Der Besuchsdienst bringt ehrenamtlich Engagierte mit älteren Menschen zusammen. Gemeinsam wird gesprochen, spazieren gegangen, gespielt oder einfach Zeit verbracht. Viele Seniorinnen und Senioren freuen sich lange im Voraus auf diese Besuche. Fällt ein Termin aus, ist die Enttäuschung groß. „Oh, jetzt muss ich wieder eine Woche warten, bis Sie wieder kommen, hören wir dann oft“, berichtet Staiger. Schon kleine Gesten könnten viel bewirken – ein Gespräch, ein freundliches Wort oder Aufmerksamkeit im Alltag.
Wenn Einsamkeit und Sucht sich verstärken
Auch in der Kontakt- und Begegnungsstätte Innkontakt der Diakonie Rosenheim spielt Einsamkeit eine zentrale Rolle. Dort werden Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Belastungen begleitet. Für Maximilian Jaroljmek, Bereichsleitung Ambulant Betreutes Wohnen, ist Einsamkeit häufig eng mit Scham, Rückzug und belastenden Lebenssituationen verbunden.
„Einsamkeit und Sucht beeinflussen sich häufig gegenseitig“, erklärt er. Fehlende soziale Kontakte können Suchtverhalten begünstigen, gleichzeitig führt eine Suchterkrankung oft zu weiteren Brüchen in Beziehungen und damit zu noch mehr Isolation. Besonders in der Abstinenz werde das deutlich: Kontakte aus dem Suchtumfeld werden bewusst beendet, stabile neue Beziehungen fehlen häufig.
Über Einsamkeit zu sprechen falle vielen Betroffenen schwer. Umso wichtiger sei es, Unterstützung anzunehmen und neue Kontakte aufzubauen. Wer diesen Schritt gehe, erlebe soziale Beziehungen oft schon nach einiger Zeit wieder als bereichernd. „Veränderung ist möglich“, sagt Jaroljmek. „Niemand muss dauerhaft mit diesem Gefühl allein bleiben.“
(Quelle: Pressemitteilung Diakonie Rosenheim / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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