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Innpuls-Tagebuch – Hinter den Schlagzeilen: Das Sommerfestival und die Sehnsucht nach dem Woodstock-Gefühl

Karin Portrait-Foto. Flotomontage mit Hintergrund.

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

24. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Das Rosenheimer Sommerfestival hat auch in diesem Jahr wieder gezeigt, welche Strahlkraft es inzwischen entwickelt hat. Rund 50.000 Besucher kamen zu den Konzerten im Mangfallpark Süd. Für den Auftritt von Peter Maffay wurde das Festivalgelände sogar noch einmal erweitert. Aus Sicht der Veranstalter war es erneut ein großer Erfolg.

Und trotzdem kommt bei mir beim Blick auf die dicht gefüllte Fläche im Mangfallpark immer wieder auch ein wenig Wehmut auf. Nicht, weil ich dem Festival diesen Erfolg nicht gönne. Im Gegenteil: Es ist beeindruckend, was aus der einst kleinen Veranstaltung geworden ist. Aber ich erinnere mich noch gut an die Anfangsjahre. An eine Zeit, in der sich das Rosenheimer Sommerfestival noch ganz anders angefühlt hat. Und ich weiß: Mit dieser Erinnerung bin ich nicht allein. Viele Rosenheimer verbinden mit dieser Zeit ein Gefühl, das sie heute vermissen: mehr Nähe, mehr Ungezwungenheit und mehr dieses besondere Gemeinschaftsgefühl.
Vielleicht lässt es sich am besten mit einem Begriff beschreiben: Woodstock-Gefühl.

Woodstock-Feeling in den Anfangsjahren

Wenn ich an die Anfangszeit zurückdenke, muss ich unweigerlich an die Landesgartenschau 2010 denken. Damals wurde der Mangfallpark Süd zu einem neuen Treffpunkt für die Rosenheimer. Die Bühne, die während der Gartenschau für das Kulturprogramm aufgebaut worden war, sollte eigentlich wieder verschwinden.

Doch die Resonanz der Bevölkerung war so groß, dass die Idee entstand, dieses besondere Gefühl dauerhaft weiterzuführen. Der Mangfallpark sollte nicht nur eine schöne Grünanlage sein, sondern ein Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen. Aus dieser Idee heraus entstand im Sommer 2011 das Rosenheimer Sommerfestival.

Die ersten Jahre waren deutlich kleiner als heute. Es ging nicht darum, möglichst große Namen nach Rosenheim zu holen. Vielmehr stand das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt. Menschen saßen mit Picknickdecken auf den Wiesen, brachten ihre Brotzeit mit und hörten gemeinsam Musik. Es hatte etwas Ungezwungenes, fast Familiäres. Der Mangfallpark fühlte sich tatsächlich ein Stück weit wie eine Fortsetzung der Landesgartenschau an. Vielleicht war genau das der besondere Zauber dieser Zeit.

Mit dem Erfolg des Festivals veränderte sich aber auch sein Charakter. Immer größere Künstler kamen nach Rosenheim, immer mehr Besucher wollten dabei sein. Aus einer Veranstaltung für die Rosenheimer wurde ein Festival, das inzwischen weit über die Region hinaus bekannt ist. Und das ist natürlich auch eine Erfolgsgeschichte. Große Namen sorgen dafür, dass Rosenheim als Veranstaltungsort wahrgenommen wird. Viele Menschen erleben im Mangfallpark besondere Konzertabende, die es früher in dieser Form in der Stadt nicht gegeben hätte. Aber Wachstum verändert eben auch eine Veranstaltung.

Wo früher viele Menschen entspannt auf der Wiese saßen, stehen heute große Bühnen, Absperrungen, Einlasskontrollen und umfangreiche Sicherheitskonzepte. Bei zehntausenden Besuchern ist das notwendig. Ein Festival dieser Größe kann nicht mehr genauso funktionieren wie in den Anfangsjahren. Und trotzdem frage ich mich: Muss mit diesem Wachstum automatisch auch ein Teil des ursprünglichen Gefühls verloren gehen?

Vielleicht müssen wir uns gar nicht entscheiden zwischen dem Festival von heute und der Erinnerung an die Anfangsjahre. Die großen Konzerte dürfen ihren Platz haben. Sie gehören inzwischen zur Geschichte des Sommerfestivals. Aber vielleicht wäre es schön, wenn daneben auch wieder Raum für einen anderen Gedanken entstehen würde.

Wieder ein Tag ohne großen Namen auf der Bühne?

Einen Tag, an dem nicht unbedingt der größte Name auf der Bühne steht, sondern die Begegnung im Mittelpunkt steht. Mit regionalen Künstlern, Nachwuchsbands oder kleineren Musikern. Vielleicht bei freiem Eintritt oder mit einem sehr günstigen Ticket.
Einen Tag, an dem wieder Picknickdecken auf der Wiese liegen könnten und der Mangfallpark Süd ein Stück von dem Gefühl zurückbekommt, das viele Rosenheimer mit den Anfangsjahren verbinden.

Natürlich ist mir bewusst, dass eine solche Idee heute nicht einfach umzusetzen wäre. Besucherzahlen, Sicherheitsanforderungen und organisatorische Herausforderungen sind andere als vor 15 Jahren. Ein Großereignis mit freiem Eintritt lässt sich nicht mit den Anfangsjahren vergleichen.

Vielleicht muss dieses Gefühl aber auch gar nicht zwingend Teil des Sommerfestivals sein. Vielleicht wäre auch ein eigenes kleines jährliches Ereignis im Mangfallpark Süd eine Möglichkeit, die ursprüngliche Idee wieder aufzugreifen: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, miteinander ins Gespräch kommen und einfach gemeinsam Zeit verbringen.

Ein Stück weit zeigt der Kulturstrand am Innspitz bereits, wie gut solche kleineren Formate funktionieren können. Dort entsteht jedes Jahr eine ganz eigene Atmosphäre: entspannter, überschaubarer und näher an den Menschen. Der Mangfallpark Süd hat mit seiner Größe und seiner Geschichte natürlich einen anderen Charakter. Aber vielleicht liegt genau darin die Chance: Neben den großen Konzertabenden auch wieder Raum für die kleinen Begegnungen zu schaffen.

Denn der Mangfallpark ist mehr als nur eine Fläche für Konzerte.

Er ist ein Ort, der vielen Rosenheimern durch die Landesgartenschau ans Herz gewachsen ist. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Zeit verbringen und Erinnerungen schaffen.

Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, das Sommerfestival von heute gegen die Anfangsjahre auszuspielen. Die großen Konzerte dürfen ihren Platz haben. Aber vielleicht braucht es daneben auch wieder diese kleinen Momente, in denen Menschen einfach zusammenkommen, eine Decke auf die Wiese legen und spüren: Dieser Park gehört uns allen.

Liebe Grüße aus der Redaktion

Karin

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