Rosenheim / Bayern – Die Hollerblüte hat im Raum Rosenheim begonnen – und mit ihr die kurze Zeit für eine der beliebtesten bayerischen Süßspeisen: Hollerkiacherl. Doch heuer könnte das Zeitfenster besonders klein sein. Regen, Wind und wechselhaftes Wetter setzen den empfindlichen Blüten zu. Wer den Geschmack des Frühsommers genießen will, sollte deshalb nicht zu lange warten.
Wer den Duft des Frühsommers in Bayern beschreiben müsste, käme am Holler kaum vorbei. Gerade blüht der Schwarze Holunder auch im Raum Rosenheim wieder in voller Pracht. Seine weißen Dolden locken nicht nur Bienen an, sondern lassen bei vielen schon die Vorfreude auf eine besondere bayerische Leckerei wachsen: Hollerkiacherl.
An Feldwegen, Waldrändern oder in alten Bauerngärten zeigt sich der Holler derzeit von seiner schönsten Seite. In Bayern wird der Schwarze Holunder meist schlicht „Holler“ oder „Holder“ genannt. Seine Blütezeit beginnt in der Regel Ende Mai und dauert oft nur zwei bis vier Wochen – abhängig von Wetter und Höhenlage. Erntereif sind die duftenden Dolden, wenn sie vollständig geöffnet sind, aber noch keine braunen Stellen zeigen.
Gerade heuer könnte es schnell gehen. Denn Wind und Regen machen den zarten Blüten zu schaffen. Wer also selbst Hollerkiacherl backen oder Sirup ansetzen möchte, sollte bei trockenem Wetter die Gelegenheit nutzen. Sonst heißt es womöglich: warten bis zum nächsten Jahr.
Hollerkiacherl selbst gemacht
Zutaten:
- 8 bis 10 frische Holunderblütendolden
- 250 Gramm Mehl
- 250 Milliliter Milch (wahlweise helles Bier oder Weißwein)
- 3 Eier
- 1 Esslöffel Zucker
- 1 Prise Salz
Butterschmalz oder Pflanzenöl zum Ausbacken
Puderzucker oder Zimt-Zucker zum Bestäuben
Zubereitung:
Die Holunderdolden vorsichtig ausschütteln, aber nicht waschen – sonst geht Aroma verloren. Die Stiele auf einige Zentimeter kürzen.
Für den Teig die Eier trennen. Eigelb mit Mehl, Milch, Zucker und Salz zu einem glatten Teig verrühren. Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben.
Öl oder Butterschmalz auf etwa 160 bis 170 Grad erhitzen. Die Dolden am Stiel halten, durch den Teig ziehen und mit der Blüte nach unten ins heiße Fett geben. Etwa ein bis zwei Minuten goldbraun ausbacken, wenden und kurz fertig backen.
Auf Küchenpapier abtropfen lassen, den Stiel entfernen und großzügig mit Puderzucker bestäuben. Besonders gut passen Vanillesauce oder eine Kugel Vanilleeis dazu, aber auch Apfelmus oder Erdbeeren.
Der magische Baum der Kelten und Bauern
Der Holler ist weit mehr als nur eine hübsche Wildpflanze. Seit Jahrtausenden begleitet er die Menschen – schon in der Steinzeit galt er als wichtige Nahrungsquelle. Für die Kelten besaß der Holunder beinahe magische Bedeutung. Er stand sinnbildlich für den Kreislauf des Lebens: Blüte, Frucht und Vergehen machten das Werden und Vergehen der Natur sichtbar.
Zugleich galt der Holler als Schutzpflanze. Im alten Volksglauben sollte er böse Geister fernhalten, Hexerei abwehren und Haus und Hof beschützen. Deshalb wurde der Strauch oft bewusst in der Nähe von Bauernhäusern gepflanzt. Auch gegen Blitzeinschläge sollte er helfen – ein Glaube, der sich über viele Generationen hielt.
In der nordischen Mythologie war der Holunder der Göttin Freya geweiht. Und viele kennen den Holler bis heute aus der Märchenwelt: Im bekannten Märchen der Brüder Grimm wohnt Frau Holle – oft auch als „Holunder-Mutter“ gedeutet – symbolisch im Baum. Wenn sie ihre Betten ausschüttelt, fällt Schnee auf die Erde.
Naturapotheke mit langer Tradition
Auch als Heilpflanze genießt der Holler seit Jahrhunderten einen besonderen Ruf. Früher wurden nahezu alle Pflanzenteile verwendet. Rinde und Blätter kamen unter anderem als Wundauflage zum Einsatz.
Heute spielen vor allem Blüten und Beeren eine Rolle. Den Blüten wird traditionell eine schweißtreibende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt – etwa bei Erkältungen. Die dunklen Beeren gelten als Reich an Vitamin C und werden häufig zu Saft, Sirup oder Mus verarbeitet.
Doch Vorsicht: Nicht jeder Holunder ist harmlos. Der giftige Zwerg-Holunder, auch Attich genannt, sieht dem Holler ähnlich. Ein wichtiger Unterschied: Seine Beeren wachsen aufrecht, außerdem riecht die Pflanze unangenehm. Der Schwarze Holunder trägt seine Fruchtstände dagegen hängend.
Süße Kindheitserinnerung: Hollerkiacherl
Für viele in Bayern beginnt mit der Hollerblüte die Zeit einer ganz besonderen Süßspeise: Hollerkiacherl. Die duftenden Blütendolden werden in Teig getaucht und goldbraun ausgebacken – außen knusprig, innen zart und leicht aromatisch. Dick mit Puderzucker bestäubt, schmecken sie nach Kindheit, Sommer und ein bisschen Bauernhofküche.
Viele Familien haben ihr eigenes Rezept. Wichtig ist vor allem eines: Die Blüten möglichst frisch pflücken – und am besten trockenes Wetter abpassen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Foto: re)



Da läuft mir doch das Wasser im Mund zusammen ! 😀 wer sie schon mal probiert hat, weiß wie gut sie sind!
Gibt es nicht mal vom Konditor!