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Kommentar: Der „böse“ Wolf muss weg?

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

15. Januar 2022

Lesezeit: 2 Minute(n)

Der Wolf in Oberbayern darf abgeschossen werden! Das teilte die Regierung von Oberbayern am gestrigen Freitag mit. Der Bund Naturschutz will zwar prüfen, ob er gegen diesen Abschuss-Bescheid klagen will, aber ich glaube nicht mehr, dass es für das Tier, dass seit einigen Monaten in Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land unterwegs ist, noch ein Happy End gibt.
Mit seinem Tod soll vor allem eine Gefährdung des Menschen vermieden werden. Obwohl es nach Angaben der Expertenkommission bisher zu gar keiner Interaktion zwischen Wolf und Mensch gekommen ist. Bei einem Aufeinandertreffen ist das Wildtier wohl sofort geflüchtet, – also normales Wolfsverhalten.
Für einen Wolf normal ist es auch, dass er andere Tiere tötet oder verletzt. Wenn dann Bilder die Runde machen von grausam zugerichteten Schafe, Rehen und Co., ist der Aufschrei sofort groß.
Grundsätzlich auch verständlich. Auf diese Weise will niemand sein geliebtes Haustiere verlieren und für die Landwirte bringt der Wolf obendrein noch wirtschaftlichen Schaden mit sich.
Dennoch ging mir diese Entscheidung zur „Entnahme des Wolfes aus der Natur“ – wie es im verharmlosenden Bürokratendeutsch heißt –  zu schnell. Denn eines ist klar: es wird nicht bei diesem einzelnen Wolf bleiben. Irgendwann kommen weitere Wölfe, um sich auch bei uns in Oberbayern wieder niederzulassen, Nachwuchs zu bekommen und sich zu vermehren. Und dann? Wieder zum flächendeckenden Abschuss übergehen und diese Spezies ein zweites Mal komplett ausrotten?
Das kann und darf nicht die Lösung sein. Zur vielgepriesenen Artenvielfalt gehören nicht nur die Spezies, die uns Menschen als harmlos, kuschelig und wirtschaftlich tragbar erscheinen. Wenn wir Artenvielfalt wollen, werden wir lernen müssen, auch mit den weniger schönen und appetitlichen Seiten davon zurecht zu kommen. Dass das funktionieren kann, zeigt der Blick in andere Länder, in denen Wölfe und Bären nie ausgerottet waren.
Natürlich wird der eine oder andere jetzt wieder sagen, dass man das ja nicht vergleichen kann. Dass Oberbayern viel dichter besiedelt sei und es im Alpenraum viel schwieriger, Nutztiere mittels Zäune sicher vor den scharfen Zähnen des Wolfes zu schützen. Und ja, das stimmt. Es ist schwierig. Aber der richtige Weg war noch nie leicht.

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