Bad Feilnbach / Landkreis Rosenheim – Die Mistel breitet sich im Raum Bad Feilnbach zunehmend aus und bedroht dort heimische Streuobstbestände. Rund 700 Bäume sind nach Angaben des Landkreises bereits befallen. Im kommenden Winter sollen die betroffenen Bäume im Rahmen einer großflächigen und geförderten Aktion gepflegt werden. Für Grundeigentümer findet dazu am Mittwoch (12. August) ein Infoabend statt.
Besonders auffällig sind Misteln im Winter, wenn die Bäume kein Laub tragen. Dann sind die immergrünen Kugeln mit ihren weißen Früchten gut zu erkennen. Für die betroffenen Bäume können sie allerdings zum Problem werden: Die Mistel entzieht ihnen dauerhaft Wasser und Nährstoffe. Bei starkem Befall kann dies laut Landkreis im schlimmsten Fall zum Absterben des Baumes führen.
Was ist eigentlich eine Mistel?
Die Laubholzmistel (Viscum album) ist eine immergrüne Pflanze, die auf Bäumen wächst. Sie gilt als Halbschmarotzer: Mit speziellen Saugorganen zapft sie die Leitungsbahnen ihres Wirtsbaumes an und entzieht ihm Wasser und darin gelöste Mineralstoffe. Zucker und andere organische Stoffe kann sie durch Fotosynthese selbst bilden.
Mistelbüsche wachsen vor allem auf Laubbäumen. In Bayern sind sie unter anderem auf Apfelbäumen, Pappeln, Weiden, Linden und Ahorn zu finden. Die kugelförmigen, immergrünen Pflanzen können mehrere Jahrzehnte alt werden. Ihre weißen, klebrigen Beeren reifen im Winter.
Die Mistel ist in Mitteleuropa heimisch und keine neu eingewanderte Pflanzenart. Sie dürfte bereits seit vielen Jahrtausenden Teil der heimischen Flora sein. Verbreitet wird sie vor allem durch Vögel: Sie fressen die Beeren und sorgen mit ihren Ausscheidungen dafür, dass die klebrigen Samen auf neuen Wirtsbäumen landen. Besonders eng mit der Mistel verbunden ist die Misteldrossel.
Zwischen Schädling und Lebensraum
Ökologisch hat die Mistel zwei Seiten. Starker Befall kann einzelne Bäume schwächen, weil ihnen dauerhaft Wasser und Nährstoffe entzogen werden. Gerade ältere Streuobstbäume können dadurch zusätzlich belastet werden.
Gleichzeitig ist die Mistel selbst Teil des Ökosystems. Ihre Beeren dienen verschiedenen Vogelarten als Nahrung, und ihre Blüten, Früchte und das Mistelholz werden von unterschiedlichen Insekten genutzt. Einige Arten sind sogar auf die Mistel spezialisiert. Die Pflanze ist damit nicht einfach nur ein „Schädling“, sondern erfüllt auch eine ökologische Funktion.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Copyright Landratsamt Rosenheim)
Die Bekämpfung ist zudem aufwendig. Die Mistel bildet bis zu 80 Zentimeter lange Wurzeln in der Baumrinde aus. Ein oberflächlicher Schnitt reicht deshalb häufig nicht aus.
Großflächige Bekämpfung geplant
Da sich die Mistel schnell ausbreitet, sei eine Bekämpfung einzelner Bäume nur begrenzt wirksam, erklärt der Landkreis. Um den Befall nachhaltig einzudämmen, sollen deshalb zusammenhängende Flächen möglichst gleichzeitig saniert werden. So soll verhindert werden, dass die Misteln von benachbarten Grundstücken erneut verbreitet werden. Der Erfolg der Aktion hänge damit auch von der Beteiligung möglichst vieler Grundeigentümer ab. Die Pflegemaßnahmen sollen im kommenden Winter von speziell geschulten Baumwarten durchgeführt werden.
Infoabend für Grundeigentümer
Für betroffene Grundeigentümer findet am Mittwoch (12. August) um 19 Uhr ein Infoabend im Gasthaus Weingast in Kematen statt. Streuobstberater Martin Landes und Monika Maier vom Landschaftspflegeverband Rosenheim informieren über die Laubholzmistel. Zudem soll bereits konkret geplant werden, welche Maßnahmen auf den betroffenen Flächen notwendig sind.
Die Grundeigentümer werden gebeten, ihre Flurnummern zum Infoabend mitzubringen. Damit kann die Antragstellung für die vorgesehene Förderung vorbereitet werden.
Zusätzlich ist in Zusammenarbeit mit den Gartenbauvereinen Bad Feilnbach und Au ein spezieller Mistelkurs geplant. Dort soll vermittelt werden, wie die Mistel fachgerecht entfernt und eine weitere Ausbreitung möglichst verhindert werden kann.
(Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim / Beitragsbild: Copyright Landratsamt Rosenheim)


0 Kommentare