Rosenheim – Mit einer traditionellen Weihe, bei der sogar ein Priester nach römischem Vorbild in eine Toga gehüllt wurde, und spektakulären Gladiatorenkämpfen wurde das Römerfest im Mangfallpark Süd am Freitagabend offiziell eröffnet. Mehr als 100 Darsteller lassen an diesem Wochenende in Rosenheim die Antike wieder lebendig werden.
Gruppenfoto mit Römern: Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Ausstellungzentrum Rosenheim und Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. Fotos: Innpuls.me
Plötzlich ist es still im Lager.
Wo wenige Augenblicke zuvor noch Besucher zwischen Zelten, Feuerstellen und Ausrüstungsgegenständen unterwegs waren, richtet sich nun alle Aufmerksamkeit auf einen Mann, der in eine Toga gekleidet wird. Meter um Meter Stoff wird um seinen Körper gelegt. Knöpfe gibt es keine, Nadeln ebenso wenig. Allein das Anlegen des rund sechs Meter langen Gewands wird zu einer kleinen Zeremonie.
Als die Toga schließlich sitzt, wirkt der Priester würdevoll und beinahe wie aus einer anderen Zeit. Wenig später verhüllt er gemeinsam mit den weiteren Beteiligten sein Haupt – ganz so, wie es bei religiösen Zeremonien im antiken Rom üblich war.
In der Luft liegt der Duft von Holzfeuern aus dem Lager. Dazu mischen sich der Geruch von Weihrauch aus dem Opferritual und die Aromen verschiedener Speisen, die in den Zelten zubereitet werden. Es sind diese kleinen Details, die den Besuchern das Gefühl geben, für einen Moment tatsächlich in eine andere Epoche einzutauchen.
Es ist der Auftakt für die Weihe des Römerlagers im Mangfallpark Süd – und für eine Reise zurück in eine Zeit, die Rosenheim einst entscheidend geprägt hat.
Denn lange bevor die Stadt Rosenheim entstand, verlief hier eine wichtige Lebensader des Römischen Reiches. Mit der Straßenstation Pons Aeni nahe des heutigen Stadtteils Pfaffenhofen verfügte die Region über einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Bis zum Abzug der Römer im Jahr 488 nach Christus war das Gebiet besiedelt.
Rund 2.000 Jahre später sind die Römer nun zurück.
Wenn Geschichte plötzlich lebendig wird
Wer am gestrigen Freitagabend (19.6.2026) durch das Lager streifte, merkte schnell: Hier geht es nicht um eine bloße Kulisse.
Mehr als 100 Darsteller aus Deutschland, Österreich und Italien haben ihre Zelte aufgeschlagen. Sie präsentieren nicht einfach Römer – viele von ihnen leben ihr Hobby mit bemerkenswerter Leidenschaft. Ausrüstung, Kleidung, Handwerk und Alltagsgegenstände sind das Ergebnis jahrelanger Beschäftigung mit der Antike.
Nach dem Anlegen der Toga beginnt die eigentliche Weihe. Nach historischen Vorbildern werden den römischen Gottheiten Opfergaben dargebracht. Ganz streng authentisch nehmen es die Beteiligten dabei nicht immer. Für Schmunzeln sorgt eine besondere Gabe an die römische Göttin: Weißbier.
Auch einige tierische Bewohner gibt es in dem Römerlager zu entdecken.
Auch Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan zeigt sich beeindruckt von der historischen Kulisse. „Die Römer haben Menschen, Waren und Ideen durch unsere Region bewegt“, erinnert er in seinem Grußwort. Ihr Einfluss sei bis heute spürbar. Selbst die europäische Idee habe letztlich ihre Wurzeln in jener Zeit. Dass die Römer nur für ein Wochenende zurückkehren, begrüßt er dennoch mit einem Augenzwinkern: „Mit Militärpräsenz so nahe am Rathaus schläft es sich dann doch nicht so gut.“
Da geht es hart zur Sache.
Nach der Weihe öffnen sich die Lager für die Gäste. Zwischen Legionären, Handwerkern und Zivilisten entstehen überall Gespräche. Besucher betrachten Helme und Schwerter aus nächster Nähe, lassen sich Werkzeuge erklären oder erfahren, wie der Alltag einer römischen Familie ausgesehen haben könnte.
Zu den wichtigsten Akteuren gehört die von Uwe Herwegh aus Großkarolinenfeld geleitete Legio IX Hispana, die maßgeblich an der Organisation beteiligt ist. Ergänzt wird das Lager durch zivile Darsteller, historische Handwerker, Kelten und die Gruppe „Vehimur in tempore“, die mit drei Pferden die Bedeutung dieser Tiere in der Antike zeigt.
Leidenschaft statt Show
Besonders eindrucksvoll wird es auf der Aktionsfläche der Gladiatoren. Doch bevor die ersten Schwerter aufeinandertreffen, gibt es zunächst Geschichtsunterricht. Der Leiter der Gladiatorenschule erklärt den Zuschauern, wie Gladiatoren tatsächlich kämpften, welche Waffen die verschiedenen Kämpfertypen einsetzten und wie der Kult um die Arenakämpfer überhaupt entstand.
Während auf der vorne im Park Aktionsfläche noch eine römische Pferdekutsche ihre Runden dreht, beginnen sich die Gladiatoren am anderen Ende des Areals bereits für ihren Einsatz aufzuwärmen. Wenig später stehen sie sich gegenüber.
Metall schlägt auf Metall. Schilde krachen gegeneinander. Immer wieder feuern die Zuschauer ihre Favoriten an. Die Kämpfer suchen dabei nicht die perfekte Show, sondern den Sieg. Natürlich kommen speziell angepasste Waffen zum Einsatz, die schwere Verletzungen verhindern. Dennoch wirken die Duelle erstaunlich realistisch und vermitteln einen Eindruck davon, weshalb Gladiatorenkämpfe einst Tausende Zuschauer in ihren Bann zogen.
Die wichtigsten Informationen zum Römerfest
Wann?
- Samstag, 20. Juni 2026, 10 bis 17 Uhr
- Sonntag, 21. Juni 2026, 10 bis 17 Uhr
Wo?
Mangfallpark Süd in Rosenheim
Eingänge
- Haupteingang: Rathausstraße 23 (links neben der Arche)
- Nebeneingang: Innstraße (links neben dem Kindergarten Klabautermann)
Eintritt
- 5 Euro pro Person und Tag (ab 18 Jahren)
Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre frei
Tickets
- Tageskasse an beiden Eingängen
- Vorverkauf an den Kassen des Ausstellungszentrums Lokschuppen
Wichtiger Hinweis
- Kartenzahlung ist ausschließlich am Haupteingang möglich
Verpflegung
- Familienfreundlicher Imbissstand vor Ort
- Eigene Speisen und Getränke dürfen mitgebracht werden
Die Veranstaltung findet begleitend zur aktuellen Römer-Ausstellung im Ausstellungszentrum Lokschuppen statt.
Genau darin liegt die besondere Stärke des Römerfestes. Geschichte bleibt hier nicht hinter Glasvitrinen verborgen. Sie läuft durch das Lager, sitzt am Feuer, erklärt Werkzeuge, streichelt Pferde, beantwortet Fragen und lässt eine längst vergangene Epoche für einen Moment wieder greifbar werden.
Wer an diesem Wochenende den Mangfallpark Süd besucht, bekommt deshalb weit mehr geboten als ein Unterhaltungsprogramm. Er erlebt Geschichtsunterricht zum Anfassen.
(Quelle: Artikel Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Copyright Innpuls.me)



































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