Rosenheim – Hinter Dr. Jennifer Morscheiser und ihrem Team liegt eine Nacht, die ein wenig an den Filmklassiker „Nachts im Museum“ erinnert – nur ohne zum Leben erwachende Exponate, dafür mit jeder Menge Fingerspitzengefühl. Denn im Ausstellungszentrum Lokschuppen wurde in der Nacht auf Dienstag (14. April 2026) die riesige LEGO®-Römerstadt „LOCDVNVM“ wieder Stück für Stück zerlegt.
Die Römerstadt in Miniatur in ihrer ganzen Pracht – aber nur für kurze Zeit konnte sie bestaunt werden. Fotos: Josefa Staudhammer
Was wenige Stunden zuvor noch als detailreiche Miniaturstadt bestaunt werden konnte, verschwand nun Modul für Modul zurück in Kisten.
Acht Stunden, 600.000 Steine – und ein klarer Plan
Rund 30 Helfer packten mit an, als die letzten Besucher am Abend das Gebäude verlassen hatten. Dann begann die große Rückbau-Aktion. „Wir haben uns jetzt als Ziel gesetzt, dass wir für jedes einzelne Modul drei Minuten benötigen, um es auseinanderzubauen und wieder sauber und geordnet in die Schachteln zu verpacken. Insgesamt rechnen wir damit mit gut acht Stunden Abbauzeit“, erklärte Morscheiser zum Start.
Bei insgesamt rund 3.160 Modulen und etwa 600.000 LEGO®-Steinen lässt sich erahnen, welche Geduldsarbeit dahintersteckt.
Vom letzten Stein direkt zurück in die Kiste
Dabei war die Stadt erst wenige Stunden zuvor überhaupt komplett fertig geworden.
Die letzten Module wurden am Montag noch von einer Schulklasse zusammengesetzt. Einige Bauteile hatte das Lokschuppen-Team bewusst zurückgehalten, damit auch späte Besucher noch selbst aktiv werden konnten. Erst danach vervollständigten Mitarbeiter die letzten fehlenden Teile – damit „LOCDVNVM“ zumindest für einen kurzen Moment in ihrer ganzen Pracht zu sehen war.
Und die konnte sich auch wirklich sehen lassen: Tempel, Amphitheater, Badehaus, Stadtmauern, Wohnhäuser, Gräberfelder und sogar kleine Obstbäume – eine idealtypische römische Stadt im Miniaturformat, detailverliebt und voller kleiner Entdeckungen.
Es gibt viel zu entdecken in der Römerstadt.
Besucher als Stadtbaumeister
Die LEGO®-Stadt war von Beginn an als Mitmach-Projekt gedacht. Für drei Euro konnten Besucher selbst zu Stadtbaumeistern werden, ein Modul bauen – und erhielten dafür eine eigens geprägte Münze als Erinnerung.
Dass LEGO® nur Kinder begeistert? Ein Irrtum. Die ersten beiden Baumeister nach Ausstellungseröffnung waren über 70 Jahre alt. In den vergangenen Wochen werkelten Jung und Alt nebeneinander an der antiken Stadt.
Die Unterschiede beim Bautempo waren dabei durchaus beachtlich: Während geübte LEGO®-Fans ein Modul in unter zehn Minuten schafften, brauchten andere deutlich länger – manchmal über eine Stunde. Und manche gaben zwischendurch auf. Dann half das Team vor Ort oder suchte bewusst einfachere Module heraus. „Die Straßen sind besonders einfach“, so Morscheiser. Anspruchsvoller seien hingegen Bäume und einige Eckgebäude.
Der Abbau beginnt.
Bauen mit System – und kleinen kreativen Ausreißern
Ganz freie Wahl hatten die Baumeister allerdings nicht. Die Stadt wurde von innen nach außen aufgebaut – anders wäre die riesige Fläche von rund 45 Quadratmetern kaum zu bewältigen gewesen.
Trotz klarer Vorgaben blitzte immer wieder Kreativität auf: So erhielten einige römische Häuser plötzlich Schornsteine – historisch zwar nicht korrekt, aber mit einem Augenzwinkern kurzzeitig geduldet.
Wenn Fingerkuppen müde werden
Der Abbau zeigte einmal mehr: LEGO® auseinanderzubauen ist oft schwieriger als das Zusammenbauen. Zwar helfen spezielle Elementetrenner, doch vieles bleibt Handarbeit. Nach Stunden des Zerlegens sind Finger und Fingernägel entsprechend strapaziert – ein Umstand, den wohl jeder LEGO®-Besitzer kennt.
Kein Abschied für immer
Der Abbau ist jedoch kein Ende, sondern Teil des Konzepts. Die Ausstellung „Römer – Gesichter eines Weltreiches“ läuft noch bis 1. August 2027 – und auch künftige Besucher sollen die Möglichkeit bekommen, selbst mitzubauen.
Mindestens 32 Mal soll „LOCDVNVM“ bis dahin auf- und wieder abgebaut werden. Erst dann haben sich die Kosten für diesen Ausstellungsteil gedeckt.
Und wer gehofft hat, am Ende ein Stück der Stadt mit nach Hause nehmen zu können, wird enttäuscht:
„Da würde mein Herz bluten. Diese Römerstadt soll im Ganzen erhalten bleiben“, sagt Morscheiser. Stattdessen ist geplant, die Miniaturstadt nach ihrer Zeit in Rosenheim an andere Museen auszuleihen. So lebt „LOCDVNVM“ weiter – Stein für Stein.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)














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