Rosenheim – Die Diskussion um die Parkgebühren auf der Rosenheimer Loretowiese geht weiter: Nachdem die Stadt die Gebühren 2025 bereits gesenkt hatte, soll nun ein digitales Monatsticket folgen. Es richtet sich vor allem an Berufspendler – und sorgt im Stadtrat erneut für unterschiedliche Bewertungen.
Die Loretowiese ist seit Jahren ein Dauer-Thema in der Rosenheimer Verkehrspolitik. Im April 2024 führte die Stadt dort eine gebührenpflichtige Parkraumbewirtschaftung ein. Zuvor konnte die Fläche kostenlos genutzt werden und war bei Autofahrern als innenstadtnaher Parkplatz besonders beliebt.
Die Einführung der Gebühren sorgte für viel Kritik. Viele Autofahrer mieden die Fläche nach der Umstellung, die zuvor häufig stark ausgelastet war. Auch zwei Petitionen gegen die Bewirtschaftung wurden gestartet. Der Stadtrat entschied sich letztlich dennoch für die Einführung.
Nach Kritik und Gebührensenkung: Jetzt soll ein Monatsticket kommen
Als Reaktion auf die deutlich geringere Nutzung wurden die Parkgebühren 2025 gesenkt. Seit Oktober vergangenen Jahres kostet das Parken auf der Loretowiese für bis zu fünf Stunden 2 Euro, ein Tagesticket bis zu zehn Stunden 3 Euro.
Seitdem wird die Fläche wieder besser angenommen. Eine vollständige Auslastung wie vor Einführung der Gebühren wird aber weiterhin nicht erreicht. Deshalb schlägt die Stadtverwaltung nun einen weiteren Schritt vor: ein digitales Monatsticket.
Hintergrund sind unter anderem zahlreiche Anfragen von Beschäftigten und Arbeitgebern aus der Innenstadt. Besonders Berufspendler aus dem Umland weisen darauf hin, dass sie wegen fehlender oder lückenhafter ÖPNV-Verbindungen teilweise auf das eigene Auto angewiesen seien.
Besonders im Blick sind dabei Beschäftigte des Klinikums und der Polizei. Beide Einrichtungen liegen in unmittelbarer Nähe zur Loretowiese. „Wir haben viele Zuschriften von Mitarbeitern des Klinikums erreicht, die bitten, die Parksituation zu verbessern“, erklärte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan in der Sitzung. Gerade bei Früh- und Spätschichten sei der öffentliche Nahverkehr für viele Beschäftigte aus dem Landkreis keine ausreichende Alternative.
Das geplante Monatsticket soll allerdings nicht nur Beschäftigten von Klinikum oder Polizei vorbehalten sein. Es soll allen Nutzern offenstehen. Die Stadtverwaltung begründet dies damit, dass eine Begrenzung auf einzelne Berufsgruppen mit einem zusätzlichen Verwaltungsaufwand verbunden wäre.
Das digitale Ticket soll 39 Euro kosten und maximal 30 Tage gelten. Oberbürgermeister Abuzar Erdogan verwies darauf, dass sich die Kosten damit auf etwa 1,50 bis 1,70 Euro pro Tag reduzieren würden. Bei einer ausschließlichen Nutzung an den üblichen Arbeitstagen liegt der rechnerische Wert etwas höher, die monatliche Belastung bleibt aber weiterhin deutlich unter den bisherigen Kosten von rund 60 Euro bei regelmäßiger Nutzung eines Tagestickets.
Wichtig für Nutzer: Mit dem Monatsticket ist keine Parkplatzgarantie verbunden. Auch wer ein Monatsticket besitzt, hat keinen Anspruch darauf, jederzeit einen freien Stellplatz auf der Loretowiese zu finden.
Unterschiedliche Sichtweisen im Stadtrat
Im Haupt- und Finanzausschuss stieß der Vorschlag grundsätzlich auf breite Zustimmung. Die Diskussion zeigte aber erneut die unterschiedlichen politischen Sichtweisen beim Thema Parken und Verkehr.
Besonders die AfD-Stadtratsfraktion, die die Einführung der Parkgebühren auf der Loretowiese von Anfang an abgelehnt hatte, sieht sich durch die weitere Entwicklung bestätigt. „Die AfD hat die Parkplatzgebühr auf der Loretowiese immer abgelehnt. Dann kam die Preissenkung, jetzt das Monatsticket. Es geht also immerhin wieder in die richtige Richtung“, sagte AfD-Stadtrat Bernhard Bonneberg. Er rechnet damit, dass dies nicht die letzte Nachbesserung bei den Parkgebühren gewesen sein dürfte und weitere Anpassungen nach unten folgen könnten.
Befürwortung kam von der CSU. Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller begrüßte den Vorschlag der Verwaltung und verwies besonders auf die schwierige Parksituation für Beschäftigte des Klinikums und der Polizei. Und auch SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Jordan unterstützte die Einführung des Monatstickets. „Die Not im Klinikum ist groß. Darum begrüßen wir den Vorschlag sehr. Diese Vergünstigung ist schon sehr notwendig“, sagte sie.
Linke-Stadträtin Hannah Rohs forderte im Zusammenhang mit dem Monatsticket weitere Verbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr. Dabei müsse auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und den umliegenden Gemeinden weiter ausgebaut werden.
Kritischer als SPD und CSU betrachtete auch die Grünen-Fraktion den Vorschlag. Fraktionssprecherin Sonja Gintenreiter berichtete zunächst, dass innerhalb der Fraktion ausführlich darüber diskutiert worden sei. Anschließend formulierte sie ihre Bedenken: „Für mich beißt sich die Katze da in den Schwanz. Das Geld aus der Bewirtschaftung der Loretowiese soll in den ÖPNV fließen und jetzt wird wegen Mängel im ÖPNV die Gebühr weiter gesenkt.“
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan widersprach dieser Einschätzung. Es gehe dabei nicht um den Rosenheimer Stadtverkehr, sondern vor allem um Verbindungen aus dem Landkreis. „Den ÖPNV in der Stadt haben wir in der Hand, aber im Landkreis sieht es anders aus“, gab er zu bedenken. Die Auslastung der Loretowiese werde zwar immer besser, eine vollständige Auslastung sei aber weiterhin nicht erreicht. Mit dem Monatsticket wolle die Stadt deshalb eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, die Parkfläche attraktiver zu machen – und zwar für alle Nutzer.
Weiterer Lesestoff passend zum Thema:
Der Haupt- und Finanzausschuss sprach sich in seiner Vorberatung mit großer Mehrheit für die Einführung des Monatstickets aus. Es gab lediglich eine Gegenstimme. Die endgültige Entscheidung fällt in der Stadtratssitzung am Mittwoch (29.07.2026).
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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