Rosenheim – Die Stadtverwaltung Rosenheim bekommt einen neuen Zuschnitt. Zum 1. August wird ein neues Bürgermeisteramt geschaffen, Anfang 2027 soll ein eigenes Bildungsdezernat entstehen. Oberbürgermeister Abuzar Erdogan stellte die geplanten Veränderungen am Mittwoch (29. Juli) im Rathaus vor – rund 100 Tage nach seinem Amtsantritt.
Neues Bürgermeisteramt ab August
Die erste Änderung tritt bereits zum 1. August in Kraft: Die Stadtverwaltung erhält ein neues Bürgermeisteramt, das direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt wird. Geleitet wird es künftig von Katrin Röber, die gleichzeitig persönliche Referentin des Oberbürgermeisters wird.
In diesem neuen Bereich sollen unter anderem die OB-Angelegenheiten sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gebündelt werden. Auch das Rechtsamt unter Leitung von Julia Frankl wird künftig direkt dem Oberbürgermeister zugeordnet.
Erdogan begründete diesen Schritt damit, dass das Rechtsamt künftig neben juristischen Fragen auch stärker mit Grundsatzthemen befasst sein solle. Durch die neue Zuordnung wolle er diese Themen enger in seinem Bereich begleiten.
Bildungsdezernat soll ab 2027 entstehen
Die größere Veränderung folgt Anfang 2027: Dann soll ein neues Bildungsdezernat entstehen. Dafür wird das bisherige Dezernat VI aufgelöst, dessen Aufgaben auf die anderen Dezernate verteilt werden.
Im neuen Dezernat sollen künftig verschiedene Bildungsbereiche zusammengeführt werden. Dazu gehören unter anderem das Schul- und Sportamt, das Amt für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung, die städtische Mädchenrealschule, die Stadtbibliothek sowie die Volkshochschule.
Für Erdogan ist Bildung einer der zentralen Bereiche der kommenden Jahre. Er verwies unter anderem auf die Herausforderungen durch den ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Bildung umfasse aus seiner Sicht aber weit mehr als Schule und müsse umfassend betrachtet werden.
„Strukturen müssen Köpfen folgen“
Die Entscheidung zur Neuordnung habe er sich nicht leicht gemacht, sagte Erdogan im Gespräch mit den Pressevertretern. Bereits kurz nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister sei ihm aber klar gewesen, dass sich innerhalb des Rathauses etwas verändern müsse.
Dabei betonte er ausdrücklich, dass dies keine Kritik an der bisherigen Arbeit der Verwaltung sei. „Man hätte sicher auch so weitermachen können“, sagte Erdogan. Er sei aber überzeugt, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, neue Wege zu gehen. „Ich bin der Meinung, dass Strukturen nicht Köpfen folgen müssen, sondern umgekehrt Köpfe den Strukturen folgen müssen“, erklärte der Oberbürgermeister. Auch sein eigenes Amtsverständnis habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. „Ich will nicht nur repräsentieren, sondern auch inhaltlich mitgestalten“, sagte Erdogan.
Keine größere Verwaltung, nur wenige personelle Veränderungen
Trotz der umfangreichen Neuordnung soll sich für viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung nach den Worten des Oberbürgermeisters zunächst wenig ändern. Die Zahl der Dezernate bleibt bei fünf. Die Neuordnung erfolgt vor allem durch eine veränderte Zuordnung von Aufgaben. Eine zusätzliche Stelle werde geschaffen. Die übrigen Veränderungen sollen innerhalb der bestehenden Verwaltungsstruktur durch Umbesetzungen erfolgen. Auch finanziell erwartet Erdogan nach eigenen Angaben keine größeren Auswirkungen. Ziel der Reform sei es vielmehr, Abläufe zu verbessern, Schnittstellen klarer zu gestalten und Synergieeffekte zu nutzen.
„Ich habe geschaut: Wo sind die Schnittstellen?“, erklärte der Oberbürgermeister. Neben dem Bereich Bildung sieht er unter anderem auch bei Digitalisierung und Verkehr wichtige Zukunftsthemen. Für die Bürger wird sich zunächst wenig unmittelbar verändern. Erdogan erwartet jedoch, dass sie langfristig von effizienteren Abläufen innerhalb der Verwaltung profitieren.
Umstrukturierung ohne Stadtratsbeschluss – trotzdem öffentlich vorgestellt
Kurz nach dem Pressegespräch war die Neuorganisation auch Thema in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause. Auf der Tagesordnung stand der Punkt unter „Bekanntgaben“.
Eine Zustimmung des Stadtrats war für die Umstrukturierung selbst nicht erforderlich. Die Organisation der Verwaltung fällt in den Zuständigkeitsbereich des Oberbürgermeisters. Dieser kann die innere Struktur der Verwaltung und die Aufgabenverteilung festlegen.
Bemerkenswert war deshalb vor allem der Weg, den Erdogan wählte: Obwohl für die Umstrukturierung kein Beschluss des Stadtrats erforderlich war, stellte er die geplanten Veränderungen dennoch vor und gab den Fraktionen Gelegenheit zur Diskussion. Verwaltungsumstrukturierungen hatte es auch bereits bei früheren Oberbürgermeistern gegeben. Der Unterschied liegt damit weniger in der Neuordnung selbst, sondern in der Art der Vorstellung und Einbindung.
Unterschiedliche Reaktionen im Stadtrat
Bei den Fraktionen stießen die Pläne überwiegend auf Verständnis. CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bergmüller bezeichnete die Veränderungen als „vollkommen nachvollziehbar“ und sagte: „Wir haben dazu keine Einwände.“ Auch Christine Degenhart von den Freien Wählern verwies darauf, dass jede Fraktion unterschiedliche Schwerpunkte setze und eine gemeinsame Gewichtung aller Themen deshalb schwierig sei. Sie wünschte Erdogan Erfolg und zeigte sich überzeugt, dass dieser reagieren könne, sollte sich später Änderungsbedarf ergeben.
SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Jordan erinnerte daran, dass es auch unter früheren Oberbürgermeistern Umstrukturierungen gegeben habe. Der Unterschied sei aus ihrer Sicht, dass der Stadtrat damals nicht in gleicher Weise einbezogen worden sei.
Kritischer sahen die Grünen den Vorgang. Sie bemängelten unter anderem, dass das Pressegespräch vor der Stadtratssitzung stattgefunden hatte. Erdogan erklärte dazu, dass dies ausschließlich terminliche Gründe gehabt habe und eine andere Reihenfolge nicht möglich gewesen sei. Darüber hinaus bewertete Anna Rutz (Grüne) die geplanten Veränderungen als „sehr umfangreich“ und äußerte die Sorge, dass die Umstrukturierung auch eine zusätzliche Belastung für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung bedeuten könnte.
Mit dem Start des neuen Bürgermeisteramtes zum 1. August beginnt nun die Umsetzung der neuen Verwaltungsstruktur. Welche Auswirkungen die veränderte Aufgabenverteilung im Arbeitsalltag tatsächlich haben wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


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