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Neues Naturschutzprojekt in Bayern: Forschung rückt Pilzvielfalt im Offenland in den Fokus

Pilz im Wald bei regen Copyright Eduard Staudhammer

Josefa Staudhammer

Ihr Traumberuf ist Journalistin. Sie steht zwar noch am Anfang ihrer Karriere, hat aber schon einige Erfahrung auf diesem Gebiet sammeln dürfen. Besonders am Herzen liegt ihr die Vernetzung von Innpuls.me mit Social Media. Außerdem ist sie Euere Ansprechpartnerin für Interviews und Jugendstorys aus der Region Rosenheim.

21. April 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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Bad Staffelstein / Bayern – Ein bayernweites Projekt von Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern, Bayerische Mykologische Gesellschaft und Universität Bayreuth will die bislang wenig beachtete Vielfalt von Pilzen auf Wiesen und in Feuchtgebieten erforschen und schützen. Zum Start übergab Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber eine Förderung von rund 764.000 Euro für das vierjährige Vorhaben.

Steinpilz, Fliegenpilz und Champignon: An diese Arten denken die meisten, wenn es um Pilze geht. Doch das Reich der verborgenen Spezialisten ist viel größer und noch weitgehend unerforscht. Das soll sich jetzt ändern: Der bayerische Naturschutzverband LBV und die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) starten gemeinsam mit der Universität Bayreuth das neue Projekt „Pilzartenschutz in Bayern – mit Schwerpunkt Offenlandlebensräume und Feuchtgebiete“.

Ziel des vierjährigen Projekts ist es, das Bewusstsein für den Schutz der Pilze zu stärken und ihre Vielfalt insbesondere auf Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten im Freistaat gezielt zu fördern. Auf einer LBV-Fläche in Bad Staffelstein hat Bayerns Umweltminister und Stiftungsratsvorsitzender des Bayerischen Naturschutzfonds Thorsten Glauber den Förderscheck des Bayerischen Naturschutzfonds überreicht und damit den offiziellen Startschuss für das bayernweit einzigartige Vorhaben gegeben.

Fokus auf bislang unterschätzte Pilzvielfalt im Offenland

Pilze gehören zu den am stärksten unterschätzten Organismengruppen der Natur und bilden neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. Obwohl sie Böden aufbauen, Nährstoffkreisläufe antreiben und ganze Lebensgemeinschaften stabilisieren, finden sie im Naturschutz bislang wenig Beachtung, besonders im Offenland, wo sie wertvolle Hinweise auf den Zustand artenreicher Wiesen und Feuchtgebiete liefern. Das Projekt rückt die Pilzvielfalt dieser Lebensräume erstmals gezielt ins Zentrum: „Beim Thema Pilze schaut alles in den Wald. Wir schauen dorthin, wo kaum jemand hinsieht: auf die Wiesenpilze. Diese ökologisch hochsensible Artengruppe wurde bislang kaum erfasst“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer.

Glauber betonte: „Pilze sind die heimlichen Stars der Biodiversität. Sie wirken eher im Hintergrund, sind aber unentbehrlich für vitale Ökosysteme. Mit unserem bayernweiten Vorzeigeprojekt holen wir die Pilze ins Scheinwerferlicht. Naturschutz, Ehrenamt und Forschung ziehen dabei an einem Strang. Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das Projekt vier Jahre lang mit insgesamt rund 764.000 Euro und setzt damit neue Maßstäbe im Arten- und Lebensraumschutz. Ziel ist, Pilze im Offenland noch besser zu schützen. So stärken wir Bayerns einzigartige Natur.“

CHEGD-Arten als Indikatoren für den Zustand von Wiesen und Feuchtgebieten

In den Fokus nehmen LBV und BMG die sogenannten CHEGD-Arten. Das Akronym steht für fünf Pilzartengruppen des Offenlands: Clavariaceae (Keulen- und Korallenpilze), Hygrocybe (Saftlinge), Entoloma (Rötlinge), Geoglossaceae (Erdzungen) und Dermoloma (Samtritterlinge). „Diese farbenprächtigen Gruppen sind zwar nicht eng miteinander verwandt, doch sie reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Gerade deshalb werden sie als gemeinsame Indikatorgruppe genutzt – sie zeigen uns sehr zuverlässig, wie es um Offenlandlebensräume wie Wiesen oder Feuchtgebiete steht“, erklärt LBV-Projektmanagerin Lotte Krüger. Viele dieser Pilzarten gelten inzwischen als bedroht und spiegeln die Folgen intensiver Landwirtschaft und abnehmender extensiver Bewirtschaftung wider. Erstmals werden CHEGD-Arten nun systematisch auf LBV-Flächen in ganz Bayern erfasst.

Schutz seltener Holzpilze und gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen

Neben den Wiesenpilzen untersuchen die Artenschützer auch zwei äußerst seltene, holzbesiedelnde Arten: der Struppige Stachelrindenpilz und der Zweisporige Prachtnabeling. Beide gelten in Bayern als extreme Raritäten. So ist von jeder Art lediglich ein einziger Fundort bekannt. Um sie vor dem Aussterben in Bayern zu bewahren, werden gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen entwickelt. Entscheidende Grundlage dafür ist das starke Bündnis zwischen LBV und BMG. „Dieses Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Naturschutz sein kann, wenn starke Partner zusammenarbeiten. Gemeinsam mit dem LBV können wir selbst extrem seltenen Pilzarten wieder eine Zukunft geben“, betont BMG-Präsident Dr. Christoph Hahn.

Mit Methoden wie DNA-Metabarcoding, Myzelanimpfung von Totholz, Mahdgutübertragung und klassischen Kartierungen verbindet das Projekt moderne Forschung mit bewährtem Artenschutz. Die Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth, dem deutschlandweit einzigem Lehrstuhl für Pilzökologie unter Professor Dr. Claus Bässler schafft eine einzigartige wissenschaftliche Grundlage. Ergänzend entsteht ein Citizen-Science-Projekt, das Bürger aktiv einbindet und das Zusammenspiel von holzzersetzenden Pilzen und Spechten erforscht, die in geschwächten Bäumen ihre Höhlen anlegen.

Mehr dazu unter: LBV Pilze
(Quelle: Pressemitteilung LBV / Beitragsbild: Symbolfoto re)

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