Seit vielen Jahren sorgt die Situation der öffentlichen Toiletten in Rosenheim für Diskussionen. Es geht dabei nicht nur um die Anzahl der Anlagen im Stadtgebiet, sondern vor allem um deren hygienischen Zustand. Anfang Juli 2025 hatten die Stadtratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und der ÖDP das Thema erneut mit einem Antrag an die Stadtverwaltung auf die Tagesordnung gebracht. Die zentrale Kritik: Die Zahl der öffentlichen Toiletten sei zu gering, ihr Zustand vielfach nicht tragbar. Gefordert wurden unter anderem eine regelmäßige Reinigung, verlässliche Instandhaltung sowie ein durchgehend barrierefreier Zugang (Innpuls.me berichtete).
Vier von zwölf Toiletten in schlechtem Zustand
In der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Jahr 2025 rückte das Reizthema erneut in den Fokus. Die Stadtverwaltung legte eine Übersicht über alle öffentlichen WC-Anlagen im Rosenheimer Stadtgebiet vor – inklusive einer Zustandsbewertung nach Schulnoten von 1 bis 6.
Bewertet wurden insgesamt zwölf öffentliche WC-Anlagen, nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch an den Rosenheimer Seen sowie am Friedhof im Stadtteil Aising. Eine Note 6 („nicht funktionsfähig“) wurde zwar nicht vergeben, das Gesamtbild fällt aus Sicht vieler Stadträte dennoch ernüchternd aus.
Für Peter Rutz, Fraktionsvorsitzenden der Grünen, ist das nicht hinnehmbar. „Wir ärgern uns jetzt schon über 15 Jahre über den Zustand der öffentlichen WC-Anlagen, und seit dieser Zeit hat sich fast nichts getan“, sagte er in der Sitzung. Die WC-Anlage an der Königstraße sei mittlerweile in einem so schlechten, unhygienischen Zustand, dass man sie eigentlich sofort schließen müsse.
Zu wenig Toiletten – und wenig Entlastung durch die „Nette Toilette“
Auch grundsätzlich sieht Rutz Rosenheim deutlich unterversorgt. Empfohlener Standard für eine Stadt mit rund 65.000 Einwohnern seien etwa zehn bis 13 öffentliche Toilettenanlagen. Von diesem Ziel sei Rosenheim aktuell noch weit entfernt.
Keine spürbare Entlastung habe zudem die Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Nette Toilette“ gebracht. Dabei stellen Gastronomen und Einzelhändler ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung. In Rosenheim beteiligen sich derzeit sechs Betriebe (hier geht es zur Übersicht). Die Resonanz – sowohl bei den Anbietern als auch bei den Nutzern – sei bislang verhalten.
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„Es ist eine nette Idee, aber die große Zustimmung ist bisher ausgeblieben“, sagte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. Auch er sprach sich dafür aus, die Toilettensituation in Rosenheim endlich zu verbessern.
In dieselbe Kerbe schlug auch die SPD. Deren Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan zeigte sich frustriert über die seit Jahren wiederkehrende Debatte. „Alle zwei Jahre wiederholt sich gefühlt dieses Thema. Warum kann man es nicht endlich mal angehen? Geld kann da nicht das Problem sein. Das ist eine Sache, die man von heute auf morgen erledigen kann“, sagte Erdogan.
Neue Toiletten geplant – aber auch Schließungen
Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März wollte in der Debatte nichts beschönigen, verwies aber auf geplante Verbesserungen. In den Räumen des früheren Ticketcenters am Busbahnhof an der Stollstraße soll zusätzlich zu den bereits vorhandenen Anlagen eine komplett neue öffentliche WC-Anlage entstehen. Die Fertigstellung ist nach aktuellem Stand für 2027 vorgesehen. Zudem soll die desolate Anlage im Salingarten durch einen Neubau ersetzt werden.
Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Sobald diese neuen Anlagen in Betrieb gehen, sollen die maroden Toiletten im nahegelegenen Parkhaus P4 sowie in der Königstraße außer Betrieb genommen werden. In der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung heißt es dazu, dass diese WCs „nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll in Stand gesetzt werden können“.
Mehr Kontrolle bei der Reinigung – Zweifel an der Nachhaltigkeit
Durch den Neubau der Toilettenanlagen an der Stollstraße und im Salingarten mit entsprechenden Betriebskonzepten werde das Niveau der öffentlichen WCs insgesamt auf einen guten Standard gehoben, ist man sich bei der Stadtverwaltung sicher.
Zusätzlich soll noch in diesem Jahr eine sogenannte Asset-Tracking-Software eingeführt werden. Reinigungsfirmen müssen ihre Einsätze künftig per Barcode-Scan dokumentieren – inklusive Zeitangaben und Fotodokumentation. Ziel ist es, entfallene Reinigungen zu reduzieren und eine engere Qualitätskontrolle bei gleichbleibendem Personaleinsatz zu ermöglichen.
CSU-Stadtrat Herbert Borrmann äußerte dennoch grundsätzliche Zweifel. Für ihn steht fest: Toilettenanlagen blieben nur dann dauerhaft in einem hygienisch guten Zustand, wenn sie bewirtschaftet würden. Andernfalls sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch neue Anlagen wieder heruntergewirtschaftet seien.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Josefa Staudhammer)






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