Rosenheim – Wie groß kann ein Gemälde werden? Und wie verändert sich ein Raum, wenn ein Bild plötzlich mehrere Meter breit und hoch ist? In der Städtischen Galerie Rosenheim lässt sich das derzeit eindrucksvoll erleben. Zum 80. Geburtstag von Peter Casagrande zeigt die Galerie noch bis zum 8. November eine Retrospektive mit Arbeiten aus mehr als sechs Jahrzehnten.
Casagrandes Werke wollen nicht nur betrachtet werden. Durch ihre Größe, Farbigkeit und Tiefe verändern sie auch die Wahrnehmung des Raumes, in dem sie hängen. Fotos: Copyright Hendrik Heuser
Von frühen Zeichnungen bis zu riesigen Leinwänden reicht der Blick auf das Schaffen des 1946 in Weilheim geborenen Malers. Casagrande lebt und arbeitet heute unter anderem im oberbayerischen Maitenbeth. Seine großformatigen, abstrakten Arbeiten sind geprägt von Farbe, Bewegung und einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Raum.
Farbe wird zur Bewegung
Wer vor Casagrandes Bildern steht, findet keine klassischen Landschaften oder eindeutig erkennbaren Motive. Stattdessen treffen kräftige Farbfelder, Linien, Spuren und unterschiedliche Schichten aufeinander. Je länger der Blick auf einem Bild verweilt, desto mehr scheint darin zu passieren.
Das hat viel mit der Art zu tun, wie die Bilder entstehen. Casagrande arbeitet nicht einfach eine festgelegte Komposition ab. Farbe wird aufgetragen, verteilt, verschoben und wieder überarbeitet. Ältere Schichten bleiben dabei teilweise sichtbar oder werden erneut freigelegt. So erzählt die Oberfläche eines Bildes zugleich etwas von seinem Entstehungsprozess.
Bei den großen Formaten wird dieser körperliche Aspekt der Malerei besonders deutlich. Mit großen Pinseln, Spachteln und weiteren Werkzeugen bewegt der Künstler die Farbe über die Leinwand. Die Bewegung des Malens wird damit selbst zu einem Teil des Bildes.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist das „Aschaffenburg Bild“. Das aus acht Teilen bestehende Werk misst 5,40 mal 8 Meter und gehört damit zu den Arbeiten, bei denen die Dimensionen des Bildes selbst zum Erlebnis werden.
Sechs Jahrzehnte Malerei
Die Retrospektive macht sichtbar, wie sich Casagrandes künstlerischer Weg über mehr als 60 Jahre entwickelt hat. Neben den frühen Arbeiten sind auch die immer größer werdenden Formate und seine raumgreifenden Werke zu sehen. Die Ausstellung ermöglicht dadurch nicht nur einen Blick auf einzelne Bilder, sondern auf die Entwicklung einer ganz eigenen Bildsprache.
Casagrande wird der abstrakten, gestisch geprägten Malerei zugeordnet. Für Besucher ist aber vor allem eines unmittelbar erfahrbar: Seine Bilder wollen nicht nur betrachtet werden. Durch ihre Größe, Farbigkeit und Tiefe verändern sie auch die Wahrnehmung des Raumes, in dem sie hängen.
Wer mehr über die Entstehung der Arbeiten erfahren möchte, kann den Künstler persönlich bei Führungen durch die Ausstellung erleben. Die Städtische Galerie hat dafür am 30. Oktober und am 7. November, jeweils von 15 bis 16.30 Uhr, Termine angesetzt. Eine weitere Führung am 10. Oktober ist bereits ausgebucht.
Die Ausstellung „Peter Casagrande – Retrospektive 1965–2026“ ist noch bis zum 8. November 2026 in der Städtischen Galerie Rosenheim, Max-Bram-Platz 2, zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr. Weitere Informationen findet Ihr auf der Internetseite der Städtischen Galerie Rosenheim.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Karin Wunsam)





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