Rosenheim – Wie kann die Pflege langfristig finanziert werden und welche Änderungen braucht es im System? Um diese Fragen ging es beim Ladies Brunch der Frauen-Union Rosenheim Stadt und Land im Gasthaus Höhensteiger. Zu Gast war Katrin Staffler, Pflegebeauftragte der Bundesregierung. Neben Mitgliedern der Frauen-Union nahmen auch Vertreter aus Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten, Pflegekräfte, Kommunalpolitiker und Senioren teil.
Staffler machte deutlich, dass aus ihrer Sicht bei der Pflege eine Reform dringend notwendig ist. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland habe sich seit 2017 von drei auf sechs Millionen verdoppelt. Für die kommenden fünf Jahre werde mit einer weiteren Million Pflegebedürftiger gerechnet.
Auch die finanzielle Situation der Pflegeversicherung sei angespannt. Die Pflegekasse habe ein Haushaltsvolumen von rund 80 Milliarden Euro. Für die kommenden zwei Jahre werde mit einem Defizit von insgesamt 23 Milliarden Euro gerechnet. Allein im ersten Halbjahr habe sich ein Minus von 700 Millionen Euro angesammelt.
Prävention, Pflegebegleitung und weniger Bürokratie
Staffler sprach sich für strukturelle Änderungen aus. Die Versorgung Pflegebedürftiger sei in Deutschland grundsätzlich gut, das System aber zu kleinteilig und bürokratisch. Im Mittelpunkt des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes stehen laut Staffler drei Bereiche: Prävention und Rehabilitation, eine bessere Begleitung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie eine Strukturreform. Gerade Prävention und Reha könnten dazu beitragen, dass Menschen trotz Pflegebedürftigkeit länger selbstständig leben können. Bei der Pflegebegleitung gehe es darum, Angehörige und Pflegebedürftige von Beginn an durch das System zu führen. Als Beispiel nannte Staffler die Begleitung durch Hebammen während der Schwangerschaft.
Beim dritten Punkt geht es um weniger Bürokratie. Derzeit müssten viele Leistungen einzeln und teilweise bei unterschiedlichen Kostenträgern beantragt werden. Als mögliche Lösung nannte Staffler Budgets für Sachleistungen und Entlastungsangebote, auf die Familien beispielsweise im Pflege-Notfall zurückgreifen könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die häusliche Pflege. Nach Angaben Stafflers werden 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, meist von Frauen. Eine Absenkung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige sei deshalb vom Bundesgesundheitsminister bereits verworfen worden. „Es wäre das falsche Signal gewesen, hier zu sparen“, sagte Staffler.
Aus dem Publikum kamen unter anderem Fragen zur Bearbeitungsdauer von Anträgen, zu langen Fahrzeiten ambulanter Dienste und zum Mangel an Pflegekräften. Trotz der angespannten finanziellen Lage müsse niemand in Panik geraten, sagte Staffler. Die Menschen hätten über Jahre in die Pflegeversicherung eingezahlt. Mit den geplanten Maßnahmen solle die Pflegeversicherung stabilisiert werden.
(Quelle: Pressemitteilung Abgeordnetenbüro Daniela Ludwig / Beitragsbild: Abgeordnetenbüro Daniela Ludwig)


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