Rosenheim / Landkreis – Wie sieht die Produktion von morgen aus? Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim haben am Campus Chiemgau gezeigt, wie Robotik, KI und digitale Transformation in der Industrie zusammenspielen können. Im Mittelpunkt standen dabei ungewöhnliche Praxisprojekte mit starken Industriepartnern.
Am Campus Chiemgau in Traunstein haben Studenten des Masterstudiengangs Advanced Industrial Engineering (AIE) ihre Projekte im Rahmen der Veranstaltung „Digital Transformation in Manufacturing“ vorgestellt. Dabei arbeiteten sie gemeinsam mit Unternehmen aus der Region an konkreten Anwendungen für industrielle Prozesse.
Der Studiengang verbindet Ingenieurwissenschaften mit Betriebswirtschaft und legt einen Schwerpunkt auf digitale Transformation und Nachhaltigkeit. Studiengangsleiter Professor Andreas Straube erklärte, dass die Studenten im ersten Semester neue Technologien im Innovationslabor kennenlernen und diese im zweiten Semester in realen Projekten anwenden. So entstehe ein direkter Technologietransfer in regionale Unternehmen.
Robotik im Praxistest mit regionalen Unternehmen
Ein Schwerpunkt der Projekte lag in diesem Jahr auf humanoider Robotik. Möglich wurde das unter anderem durch einen neuen menschenähnlichen Roboter im Innovationslabor der Hochschule. Der rund 1,30 Meter große Roboter verfügt über 41 sogenannte Freiheitsgrade und wurde gemeinsam mit mehreren Industriepartnern eingesetzt.
Bei der Adelholzener Alpenquellen GmbH testeten die Studenten, wie der Roboter Fremdflaschen im Mehrweg-Glasflaschenprozess aussortieren kann. Die Aufgabe gilt als ergonomisch belastend und nur schwer flexibel zu automatisieren. Im Fokus standen dabei kamerabasierte Objekterkennung und KI-gestützte Trainingsmethoden.
Auch bei der BSH Hausgeräte GmbH und der Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG kam der Roboter zum Einsatz. Dort ging es um das Zuführen, Entnehmen, Stapeln und Transportieren von Werkstücken, um verschiedene Programmier- und Trainingsansätze zu vergleichen.
„Die Ergebnisse unterstützen uns bei der strategischen Bewertung humanoider Robotik als zukünftigem Anwendungs- und Innovationsfeld“, sagte Jakob Haunerdinger von Rosenberger. Eine Studentin berichtete zudem von einem besonderen Moment, als der Roboter erstmals einen Sortiervorgang selbstständig bewältigte.
Als Besonderheit wurde bei der Veranstaltung auch ein weiterer humanoider Roboter gezeigt – ein 1,80 Meter großer Prototyp des Modells Unitree H2.
Weißbierroboter und Praxisnähe im Studium
Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit einem sogenannten „Weißbierroboter“. Ziel war es, einen Roboter weiterzuentwickeln, der Bier einschenken kann. In der neuesten Version wurde unter anderem die Geschwindigkeit verbessert und der Flaschenöffnungsmechanismus optimiert. Zudem kann der Roboter nun auch Helles einschenken.
Für Studiengangsleiter Straube ist der Kontakt zu Unternehmen ein zentraler Bestandteil des Programms. Viele der Studenten kommen aus dem Ausland und sollen frühzeitig in die regionale Wirtschaft eingebunden werden. Nach seinen Angaben bleiben rund 70 Prozent der Absolventen nach dem Studium in Deutschland und starten hier ins Berufsleben.
Der Masterstudiengang Advanced Industrial Engineering wird seit 2023 angeboten und dauert drei bis fünf Semester. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium im Wirtschaftsingenieurwesen. Für den kommenden Start im Herbst sind rund 70 Studenten zugelassen.
(Quelle: Presemitteilung Technische Hochschule Rosenheim / Beitragsbild: Copyright Anton Maier)


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