Rosenheim – In Rosenheim sind zuletzt deutlich weniger Ein- und Zweifamilienhäuser neu gebaut worden als zu Beginn des Jahrzehnts. Im vergangenen Jahr entstanden darin 40 Wohnungen. Zwischen 2020 und 2022 waren es durchschnittlich 74 pro Jahr. Das geht aus einer Untersuchung des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ erstellt wurde.
Für die Studie „Soziale Aspekte des Wohneigentums“ hat das Institut die Entwicklung des Wohneigentums untersucht und dabei auch Rosenheim betrachtet.
Pestel-Institut errechnet 17,6 Millionen Euro weniger Umsatz
Nach Berechnungen des Pestel-Instituts sind den Unternehmen in Rosenheim durch den Rückgang beim Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern im vergangenen Jahr rund 17,6 Millionen Euro Umsatz entgangen. Betroffen seien unter anderem Bauunternehmen, Handwerker, Architekten und Planer.
„Es geht um einen Umsatzverlust von 17,6 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr in Rosenheim verlorengegangen ist, weil der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist“, sagt Matthias Günther, Chef-Ökonom des Pestel-Instituts. Er verweist darauf, dass rund um den Hausbau noch weitere Bereiche betroffen seien: „Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erläutert Günther.
Die 17,6 Millionen Euro sind eine Berechnung des Pestel-Instituts und keine gemessene Summe tatsächlich ausgefallener Umsätze.
Stiftung sieht Eigenheim für viele als schwer erreichbar
Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, sieht in der Entwicklung auch ein Problem für Menschen, die Wohneigentum erwerben wollen. „Das Wohnen in den eigenen vier Wänden hat in Rosenheim einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Für viele ist der Traum vom Eigenheim immer schwerer zu erreichen“, sagt Kammann.
Besonders für Menschen zwischen 25 und 45 Jahren werde der Erwerb von Wohneigentum nach seiner Einschätzung schwieriger. „Die Chancen, in Rosenheim ein Haus zu bauen oder eine Immobilie zu kaufen, sinken immer weiter. Wohneigentum ist selbst bei einem durchschnittlichen Einkommen oft nur dann noch möglich, wenn es Hilfe aus der Familie gibt – zum Beispiel durch ein vorgezogenes Erbe“, so Kammann.
Er fordert deshalb eine stärkere staatliche Förderung. „Wohneigentum darf nicht zum Luxus werden. Genau da muss jetzt etwas passieren: Die Eigentumswohnung, das Reihenhaus, das Einfamilienhaus – die Menschen, die bereit sind, dafür zu arbeiten und zu sparen, müssen sich die eigenen vier Wände auch wieder leisten können“, fordert Kammann. Gleichzeitig sagt er: „Wer Wohneigentum will, muss dafür auch ein Stück weit auf Konsum verzichten. Das bedeutet zum Beispiel: eine Zeitlang keine teuren Fernreisen.“
Forderung nach mehr Förderung
Auch das Pestel-Institut fordert einen neuen staatlichen Ansatz. Es schlägt einen „Wohneigentumsplan des Bundes“ vor, der auf Ebene der Bundesländer Zielmarken für die Entwicklung des Wohneigentums festlegen soll. Nach Ansicht des Instituts könnten Förderprogramme dabei auch Haushalten mit mittleren Einkommen helfen.
Als Beispiel nennt Günther das frühere Baukindergeld. „Da hat jeder Förder-Euro 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen nach sich gezogen – von der Umsatz- und Lohnsteuer auf dem Bau bis zur Grunderwerbsteuer. Dass der Bund ein Programm, das erfolgreich gelaufen ist, eingestellt hat, sorgt in der Branche für Kopfschütteln“, sagt er. (Anmerkung der Redaktion: Die Angabe von 3,70 Euro pro Förder-Euro ist eine Berechnung des Pestel-Instituts)
Wohneigentum spielt nach Ansicht des Instituts auch bei der Altersvorsorge eine Rolle. Günther argumentiert, dass im Ruhestand häufig weniger Einkommen zur Verfügung stehe, während Mietkosten weiter anfielen. „Wenn die Rente kommt, haben die Menschen weniger Geld im Portemonnaie. Aber die Miete bleibt. Sie steigt sogar und drängt mehr und mehr ältere Menschen in die Altersarmut: Altersarmut ist Mieterarmut – auch in Rosenheim“, sagt Günther.
Kammann verbindet Wohneigentum ebenfalls mit finanzieller Absicherung im Alter. Er fordert deshalb, den von ihm gesehenen Rückgang beim Wohneigentum in Bayern umzukehren. Das Pestel-Institut sieht darüber hinaus mögliche Auswirkungen auf den Mietmarkt und die regionale Wirtschaft. Mehr Wohneigentum könne nach seiner Einschätzung den Mietmarkt entlasten. Fehlender Wohnraum könne zudem die Gewinnung von Fachkräften erschweren.
Für Bayern und Deutschland formuliert das Institut deshalb ein langfristiges Ziel: „Der Bund muss langfristig das Ziel verfolgen, Bayern und ganz Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland zu machen.“ Als Vergleich verweist das Institut auf Österreich, die Niederlande und Schweden, wo die Eigentumsquote nach seinen Angaben bei mindestens 50 Prozent liegt. Nach Einschätzung des Pestel-Instituts könnte ein höherer Anteil an Wohneigentum zusätzlichen Wohnraum schaffen und zur sozialen Stabilität beitragen.
(Quelle: Pressemitteilung Schwäbisch-Hall-Stiftung bauen – wohnen – leben / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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