Rosenheim – 58 Bäume stehen in Rosenheim auf der Liste der geplanten Fällungen für 2026. Doch eine Zahl fällt besonders auf: 22 davon sind Eschen. Dahinter steckt nicht nur eine Frage der Verkehrssicherheit, sondern auch die Zukunft einer Baumart, die seit Jahren mit einer gefährlichen Pilzkrankheit kämpft.
Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz wurde über geplante Baumfällungen, Pflegemaßnahmen und Ersatzpflanzungen auf städtischen Flächen informiert. Die Maßnahmen sollen voraussichtlich ab September 2026 beginnen. Ersatzpflanzungen sind – abhängig von der Witterung – für Herbst/Winter 2026/2027 vorgesehen.
Die angekündigten Maßnahmen betreffen ausschließlich städtische Bäume auf öffentlichen Flächen. Private Grundstücke sind davon nicht betroffen.
22 Eschen auf der Fällliste
Von den insgesamt 58 Bäumen, die in der Sitzungsvorlage aufgeführt sind, handelt es sich bei 22 um Eschen. Diese Zahl war Anlass für Innpuls.me, bei der Stadt Rosenheim zur aktuellen Situation dieser Baumart im Stadtgebiet nachzufragen.
Das Eschentriebsterben ist seit Jahren ein europaweites Problem. Verursacht wird die Baumkrankheit durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus. Er befällt zunächst Blätter und Triebe. Bei fortschreitendem Befall können Äste absterben und weitere Schäden entstehen, die auch die Stand- und Bruchsicherheit eines Baumes beeinflussen können.
Die Stadt Rosenheim weist darauf hin, dass das Eschentriebsterben kein spezielles Rosenheimer Problem sei, sondern zahlreiche Regionen betrifft. Eschen werden nach Angaben der Stadt aber nicht allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu dieser Baumart gefällt. Entscheidend sei die individuelle Bewertung des Baumes sowie dessen Stand- und Verkehrssicherheit.
Keine eigene Statistik zu Rosenheims Eschen
Wie viele Eschen aktuell im Rosenheimer Stadtgebiet stehen, kann die Stadt nicht beziffern. Eine entsprechende Übersicht gibt es nach Angaben der Verwaltung nicht. Auch die Zahl der in den vergangenen Jahren gefällten Eschen wird nicht separat erfasst.
Für die Bewertung eines Baumes sei vor allem dessen Vitalität ausschlaggebend. Besondere Bewertungsmaßstäbe aufgrund des Eschentriebsterbens gebe es nach Angaben der Stadt nicht.
Die Situation zeigt dabei einen schwierigen Zielkonflikt: Einerseits müssen Städte die Sicherheit von Menschen im öffentlichen Raum gewährleisten. Andererseits gehört die Esche zu den ökologisch besonders wertvollen heimischen Baumarten. Mit ihren großen Kronen spendet sie Schatten, kann zur Abkühlung im Stadtgebiet beitragen und bietet zahlreichen Insekten, Vögeln und anderen Tieren Lebensraum. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten direkt oder indirekt von der Esche profitieren.
Verschwindet die Baumart großflächig, können auch Lebensräume und Nahrungsgrundlagen für spezialisierte Arten verloren gehen.
Hoffnung durch widerstandsfähige Bäume
Die Zukunft der Esche beschäftigt auch die Forschung. Dabei richten sich die Hoffnungen auf einzelne Bäume, die trotz des Pilzbefalls gesund bleiben. Diese widerstandsfähigeren Exemplare könnten langfristig helfen, die Baumart zu erhalten. Wissenschaftler suchen deshalb gezielt nach solchen sogenannten Plusbäumen. Aus ihnen sollen Erkenntnisse gewonnen und langfristig widerstandsfähigere Eschenbestände aufgebaut werden.
Auch die Stadt Rosenheim verweist auf diese Möglichkeit. Man hoffe, dass einzelne Eschen Resistenzen gegen den Pilz entwickeln oder diese durch gezielte Selektion erreicht werden können.
Ein eigenes Erhaltungsprogramm für Eschen gibt es aber nach Angaben der Stadt derzeit nicht. Bei Ersatzpflanzungen setzt die Stadt auf andere Baumarten, die sich aus ihrer Sicht besonders für das Stadtklima eignen.
Streitpunkt Ersatzpflanzungen
Als Ersatz für zu fällende Eschen sind unter anderem Hainbuchen der Sorte Carpinus betulus ‚Frans Fontaine‘ vorgesehen. Die schmal wachsende Form der heimischen Hainbuche eignet sich besonders für Standorte mit begrenztem Platzangebot.
Genau diese Ersatzpflanzung sprach in der Ausschusssitzung AfD-Stadtrat Bernhard Bonneberg an. Er gab zu bedenken, dass die neuen Bäume langfristig nicht die gleiche Dimension wie eine Esche erreichen würden. „Die Esche zählt mit bis zu 40 Metern zu den höchsten heimischen Laubbäumen in ganz Europa. Langfristig wäre es schön, wenn wir auch noch so hohe Bäume in der Stadt haben, aber Hainbuchen erreichen nur eine Höhe von 20 bis 25 Metern“, sagte Bonneberg.
Die Diskussion um die 22 Eschen zeigt damit ein größeres Thema: Es geht nicht nur um einzelne Baumfällungen, sondern auch um die Frage, welche Baumarten künftig das Rosenheimer Stadtbild prägen werden.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Archiv Innpuls.me)


Die am Busbahnhof Stollstraße gepflanzten Bäume sind meines Erachtens auch Eschen. Das Eschensterben ist je schon lange bekannt. Weshalb wurde damals nicht eine robustere Baumart verwendet, Ginkos z.B. ?
Falls ich mich bei den Bäumen in der Stollstraße geirrt habe – bitte ich um Korrektur!