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Schausteller-Gottesdienst beim Rosenheimer Herbstfest: Besinnung, Wiesn-Fazit und ein bewegender Abschied

Schausteller-Gottesdienst 2026. Fotomontage Innpuls.me

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

9. September 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

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Rosenheim – Einmal innehalten, bevor der Wiesn-Trubel weitergeht: Beim traditionellen Schausteller-Gottesdienst in der Rosenheimer Klosterkirche standen am Dienstagmorgen (8. September) die Menschen hinter dem Herbstfest im Mittelpunkt. Anschließend wurde beim gemeinsamen Weißwurstfrühstück nicht nur ein erstes positives Wiesn-Fazit gezogen. Für Hermann Tomczyk ging zugleich eine Ära zu Ende: Nach 35 Jahren verabschiedete er sich endgültig aus seiner aktiven Verantwortung für das Rosenheimer Herbstfest.

Schausteller-Gottesdienst 2026 - Blick zu den Gottesdienst-Besuchern. Foto: Innöpuls.me

Neben den Schaustellern waren auch viele Ehrengäste mit dabei, darunter Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan und Rosenheims Landrat Otto Lederer. Fotos: Karin Wunsam

Vom großen Trubel war zu dieser frühen Stunde auf der Loretowiese noch wenig zu spüren. Die ersten Herbstfest-Bedienungen trafen nach und nach ein, hinter den Kulissen liefen bereits die Vorbereitungen für den Wiesntag. In der Luft lagen trotzdem schon die typischen Düfte von gebrannten Mandeln und Brathendl.

Schausteller-Gottesdienst 2026. Blick zum Altar. Foto: Karin Wunsam

Zelebriert wurde der Gottesdienst von dem Schausteller.-Seelsorger Sascha Ellinghaus und Stadtpfarrer Monsignore Thomas Schlichting. 

Um 9.30 Uhr begann in der Klosterkirche der Schausteller-Gottesdienst. Der frühe Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Für die Schausteller ist dieser traditionelle Termin eine kurze Auszeit vom laufenden Festbetrieb – eine Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, sich zu besinnen und miteinander Gottesdienst zu feiern.

Auch heuer waren neben zahlreichen Schaustellern wieder viele Menschen dabei, die hinter den Kulissen zum Gelingen des Herbstfestes beitragen. Unter den Gästen waren Herbstfest-Miss Katharina Schattenhofer, Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, Rosenheims Landrat Otto Lederer, Vertreter des Wirtschaftlichen Verbands sowie Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten.

Glaube und Herbstfest gehören zusammen

Gestaltet wurde der Gottesdienst in diesem Jahr erneut von Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus. Im vergangenen Jahr hatte ihn Pfarrer Martin Fuchs vertreten, da Ellinghaus zu diesem Zeitpunkt dienstlich in Rom weilte. Heuer stand ihm wieder der Rosenheimer Stadtpfarrer Monsignore Thomas Schlichting zur Seite.
Für die musikalische Gestaltung sorgten die Rimstinger Sänger, begleitet von Peter Anderl auf der Zither. Die ruhigen Klänge passten zu diesem besonderen Morgen: .

Schausteller-Gottesdienst. Blick in Kirchenraum. Foto: Karin Wunsam

Der Schausteller-Gottesdienst war gut besucht. 

Gefeiert wurde zugleich das kirchliche Fest Mariä Geburt am 8. September. Die Geburt Marias nimmt im Kirchenjahr eine besondere Stellung ein. Üblicherweise wird bei Heiligen der Todestag als „Geburtstag für den Himmel“ begangen. Neben Jesus und Johannes dem Täufer gehört Maria zu den wenigen Heiligen, deren Geburt kirchlich festlich gefeiert wird. Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus stellte in seiner Predigt die Verbindung zwischen Glauben und Rosenheimer Herbstfest in den Mittelpunkt. Die Loretowiese selbst liefert dafür einen passenden historischen Anknüpfungspunkt.

Ihren Namen verdankt sie der Loretokapelle. Diese wurde 1635 und 1636 errichtet und ist eine Nachbildung des „Heiligen Hauses“ (Casa Santa) im italienischen Wallfahrtsort Loreto. Das Rosenheimer Herbstfest wird auf der Loretowiese dagegen erst seit 1861 gefeiert und ging aus einer Landwirtschaftsausstellung hervor. Die Kapelle ist damit mehr als 220 Jahre älter als das Volksfest.
Auch wenn sich auf den ersten Blick Welten zwischen Kirche und Volksfest auftun mögen, sieht Ellinghaus durchaus eine Verbindung. „Bei der Fahrt mit dem Riesenrad verändert sich der Blickwinkel. Von oben betrachtet erscheinen viele Sorgen kleiner“, sagte er in seiner Predigt. Und noch etwas mache das Herbstfest aus: „Das Herbstfest lebt auch davon, wie die Menschen miteinander umgehen.“
Damit ging es beim Schausteller-Gottesdienst um mehr als Fahrgeschäfte, Festzelte und Besucherzahlen. Es ging um die Menschen, die das Fest gestalten, und um die Bedeutung, die ein Volksfest über das reine Wirtschaften hinaus haben kann.

Positives erstes Fazit zur Wiesn

Der traditionelle Gottesdienst findet immer in der zweiten Hälfte des Herbstfestes statt. Damit bietet sich auch Gelegenheit für ein erstes, vorsichtiges Zwischenfazit.
Beim anschließenden Weißwurstfrühstück im Flötzinger Festzelt – traditionell findet dieses abwechselnd bei Auerbräu und Flötzinger statt – wurde deshalb nicht nur gemeinsam gegessen und miteinander gesprochen. Auch die bisherige Wiesn wurde unter die Lupe genommen. Max Fahrenschon, Vorsitzender der Rosenheimer Schausteller und des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller, zog ein positives erstes Fazit: „Wir haben wunderbares Wetter und die Stimmung ist gut.“  Immer wieder habe es seit den ersten Anfängen des Rosenheimer Herbstfestes auch darum gehen müssen, neue Ideen zu entwickeln und gleichzeitig die Tradition zu bewahren. „Ich finde, das ist uns gut gelungen“, so Fahrenschon.

Für die musikalische Unterhaltung beim gemeinsamen Weißwurtfrühstück sorgten die Raffemoser Musikanten. Mit dabei war auch Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbands Schausteller und Marktkaufleute (BSM), der die Interessen von Marktkaufleuten, Schaustellern und Circussen auf Bundesebene vertritt.

Weißwurstfrühstück nach dem Schausteller-Gottesdienstes. Foto: Karin Wunsam

Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan betonte in seiner Rede, dass die Schaustellerei mehr ist als ein Wirtschaftszweig. 

Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan erinnerte daran, dass die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland seit dem 27. März 2026 offiziell als Immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. „Die Schaustellerei ist weit mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Dabei geht es auch um den Einsatz für Kultur und Miteinander“, sagte Erdogan. Die Schausteller seien es, die aus dem Herbstfest einen Ort des Lächelns und der Freude machen würden.

Auszeichnung für Hermann Tomczyk. Foto: Karin Wunsam

Auszeichnung für Hermann Tomczyk.

Zwischen Tradition und neuen Herausforderungen

Klaus Hertreiter, Herbstfestleiter des Wirtschaftlichen Verbands, erinnerte in seiner Rede nicht nur an die schönen Seiten des Herbstfestes, sondern auch an die Herausforderungen, denen sich die Verantwortlichen im Laufe der Jahre stellen mussten. Als Beispiel nannte er das Jahr 2010, als das absolute Rauchverbot in den Festzelten eingeführt wurde. „Da wurde im Vorfeld viel diskutiert und überlegt, wie man das jetzt umsetzen kann“, erinnerte sich Hertreiter. Auch das Thema Sicherheit habe im Laufe der Jahre immer mehr Raum eingenommen. Hertreiter erinnerte daran, dass es früher Zeiten gegeben habe, in denen selbst Fluchtwege noch kein großes Thema gewesen seien. Heute gehören Sicherheitsfragen zu den festen Aufgaben hinter den Kulissen. Dabei gehe es immer wieder darum, das richtige Maß zu finden – zwischen den Anforderungen an ein modernes Volksfest und dem Charakter, den das Rosenheimer Herbstfest über Jahrzehnte bewahrt hat.

Ein Abschied nach 35 Jahren

Dann wurde es beim Weißwurstfrühstück  emotional. Hermann Tomczyk, Ehrenvorstand des Wirtschaftlichen Verbands, ergriff das Wort.
Insgesamt 35 Jahre hatte er sich aktiv für das Rosenheimer Herbstfest engagiert. In dieser Zeit war er maßgeblich daran beteiligt, den Charakter der Rosenheimer Wiesn als traditionelles, bodenständiges und familienfreundliches Fest zu bewahren.
Nun zieht er sich endgültig aus seiner aktiven operativen Rolle zurück. Leicht fällt ihm dieser Abschied offensichtlich nicht. Sichtlich bewegt begrüßte Tomczyk die Gäste. Sein Titel als Ehrenvorstand des Wirtschaftlichen Verbandes bleibt ihm als Würdigung seiner langjährigen Verdienste erhalten. Eine weitere Auszeichnung kam an diesem Vormittag hinzu : Andreas Pfeffer vom BSM und Max Fahrenschon überreichten Hermann Tomczyk eine Ehrenurkunde des Bundesverbands Schausteller und Marktkaufleute.  Dazu gab es ein Geschenk mit Erinnerungswert: ein Miniaturkarussell. Es soll Tomczyk auch künftig zu Hause an seine lange Zeit beim Rosenheimer Herbstfest erinnern.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild, Fotos: Karin Wunsam)

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