Rosenheim – Am dritten Sonntag im Oktober ist in Bayern Kirchweih – Zeit für knusprigen Gänsebraten, süße Kirtanudeln und alte Bräuche. Während in den Wirtshäusern die Öfen für den Festtagsbraten heiß laufen, watscheln die Gänse auf unserem Foto völlig unbeschwert ihres Weges. Ob sie wissen, was der Kirchweihsonntag oftmals für ihresgleichen bedeutet?
Ein Fest mit langer Geschichte
Die Kirchweih ist eines der ältesten Feste im bayerischen Jahreslauf. Ursprünglich erinnerte sie an die Weihe einer Kirche. Jede Gemeinde feierte den Jahrestag ihrer Kirche an einem eigenen Termin. Das führte dazu, dass sich die Festtage über den Herbst verteilten und die Feierfreude mancherorts kaum Grenzen kannte. Schließlich wollte man natürlich auch in den Nachbarorten mitfeiern.
Um wieder etwas Ordnung in den Festkalender zu bringen, wurde in Bayern 1866 der dritte Sonntag im Oktober als allgemeiner Kirchweihtag festgelegt. Seither ist dieser Termin für viele ein fester Bestandteil des Herbstes – mit Musik, Tanz, gutem Essen und alten Bräuchen.
Gefeiert wurde traditionell nicht nur am Sonntag. Auch der Kirchweihmontag hatte es in sich: Er galt vielerorts als halber Bauernfeiertag. Bis in die 1980er-Jahre wurde dieser Brauch in manchen Gegenden gepflegt. Vor allem im Alpenraum hat sich die Tradition teilweise bis heute gehalten. In großen Teilen Bayerns, darunter auch im Landkreis Altötting, wurde der freie halbe Tag dagegen dem Faschingsdienstag zugeschlagen. Schließlich will auch die närrische Zeit gebührend gefeiert werden.
Warum ausgerechnet eine Gans?
Wer an Kirchweih denkt, hat häufig einen knusprigen Gänsebraten vor Augen. Dass die Gans zu diesem Festessen wurde, ist kein Zufall. Im Herbst mussten Bauern früher Pacht und Abgaben entrichten, die mitunter auch in Form von Naturalien bezahlt wurden. Gänse waren dafür bestens geeignet. Außerdem hatten die Tiere den Sommer über auf den abgeernteten Feldern Futter gefunden und ordentlich an Gewicht zugelegt. Bevor der Winter kam und das Futter knapp wurde, war es also ein guter Zeitpunkt, die Tiere zu schlachten.
Aus diesen praktischen Gründen entwickelte sich eine kulinarische Tradition, die bis heute Bestand hat. Der Kirchweihsonntag ist für viele Familien ein willkommener Anlass, sich einen festlichen Braten zu gönnen. Auch in der bayerischen Gastronomie zählt das Kirchweihwochenende nach wie vor zu den umsatzstarken Terminen im Herbst. In vielen Wirtshäusern wird die Gans mit Vorfreude erwartet, Tische werden reserviert und Familien kommen zum gemeinsamen Essen zusammen.
Der einstige Zwang, eine Gans als Abgabe herzugeben, ist längst Vergangenheit. Geblieben ist die Freude am guten Essen und an einem gemütlichen Festtag mit Familie und Freunden.
Die Gans gibt’s auch in süß
Wer lieber auf den Gänsebraten verzichtet, muss trotzdem nicht auf die Kirchweihgans verzichten. Denn die gibt es auch aus Teig – als süßes Gebäck in Gänseform. Solche figürlichen Backwaren nennt man Gebildbrote. Früher waren die süßen Gänse ein besonderes Geschenk für Kinder, die beim Festessen vielleicht nicht mit einem eigenen Braten rechnen konnten. Auch Dienstboten und Handwerker bekamen zu Kirchweih mitunter ein solches Gebäck als Geschenk oder Teil ihres Lohns.
Bis heute ist die süße Gans ein beliebtes Mitbringsel. Großeltern bringen sie ihren Enkeln vom Bäcker oder Kirchweihmarkt mit, und wer gerne selbst backt, kann die mürben Gänse auch zu Hause zubereiten. Ein wenig Puderzucker oder Schokolade zum Verzieren – fertig ist die süße Variante des Festtagsklassikers.
(Quelle: Artikel: Karin Wunsam / Beitragsbild: Copyright H. Reiter)
Rezept: Süße Kirchweihgänse aus Mürbeteig
Diese knusprig-mürben Gänse sind eine süße Alternative zum Festtagsbraten und ein hübsches Mitbringsel zur Kirta.
Zutaten für etwa 12 bis 15 Stück
- 250 g Weizenmehl (Type 405)
- 125 g kalte Butter
- 75 g Puderzucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 1 Eigelb (Größe M)
- 1 Prise Salz
- 1–2 EL kalte Milch oder Wasser, falls nötig
- Zum Verzieren: Puderzucker oder etwa 100 g Zartbitterkuvertüre.
Zubereitung
- Teig kneten: Mehl, Puderzucker, Vanillezucker und Salz vermischen. Eigelb und kalte Butter in Stückchen dazugeben und alles zügig zu einem glatten Mürbeteig verkneten. Falls der Teig zu trocken ist, etwas kalte Milch oder Wasser ergänzen.
- Kühlen: Den Teig flach formen, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens eine Stunde kalt stellen.
- Ausstechen: Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze (160 Grad Umluft) vorheizen. Den Teig auf einer leicht bemehlten Fläche etwa vier bis fünf Millimeter dick ausrollen und Gänse ausstechen. Mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.
- Backen: Die Gänse auf der mittleren Schiene etwa zehn bis zwölf Minuten backen. Sie sollen hell bleiben und an den Rändern nur leicht goldgelb werden.
- Verzieren: Auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen. Anschließend mit Puderzucker bestäuben oder mit geschmolzener Kuvertüre Schnabel, Füße und Flügel gestalten.
Tipp: Etwas abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone verleiht dem Gebäck eine frische Note. Und wer die Gänse verschenken möchte, kann sie in einer hübschen Dose verpacken.


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