Bayern – Blei, Arsen und Quecksilber in der Luft? Vor 40 Jahren waren die Belastungen in Bayern deutlich höher als heute. Das zeigt ein langfristiges Untersuchungsprogramm des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU). Besonders stark ging der Bleieintrag zurück. Weil sich die Werte inzwischen bei vielen Metallen auf niedrigem Niveau stabilisiert haben, will die Behörde ihre Messungen an Moosen vorerst aussetzen.
Moose verraten, was in der Luft liegt
Mehr als vier Jahrzehnte lang hat das LfU Moose untersucht, die an Baumstämmen wachsen. An bis zu 300 über Bayern verteilten Standorten wurden die Pflanzen regelmäßig auf bis zu 30 verschiedene Metalle geprüft.
Der Grund: Moose nehmen Stoffe aus der Luft auf. Ihre Metallgehalte geben deshalb Hinweise darauf, wie sich die Belastung durch Schwermetalle über längere Zeit entwickelt. Die Messreihen machen sichtbar, wie sich die Einträge aus der Atmosphäre seit den 1980er-Jahren verändert haben.
Bleieintrag um mehr als 90 Prozent gesunken
Die Ergebnisse zeigen laut LfU eine deutliche Verbesserung: Die Gehalte fast aller untersuchten Metalle sind im Laufe der vergangenen 40 Jahre zurückgegangen. Bei Blei beträgt der Rückgang mehr als 90 Prozent. Bei Arsen, Quecksilber und Vanadium liegt er zwischen 80 und 90 Prozent, bei den übrigen Metallen meist bei mehr als 50 Prozent.
Das LfU führt diese Entwicklung auf Verbesserungen beim Immissionsschutz und die Verringerung vieler industrieller Emissionen zurück. Beim Blei spielte demnach vor allem das Verbot von verbleitem Benzin ab den späten 1980er-Jahren eine wichtige Rolle.
Seit den 2000er-Jahren hat sich der Rückgang allerdings verlangsamt. Nur bei wenigen Metallen, darunter Blei und Cadmium, waren weiterhin sinkende Werte zu beobachten. Bei den meisten untersuchten Metallen stabilisierten sich die Gehalte auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Eine Ausnahme ist Zinn: Seit das LfU dieses Metall ab 2001 untersuchte, zeigte sich über rund 20 Jahre ein steigender Trend. Zinn stammt laut Behörde überwiegend aus dem Verkehr.
Warum die Werte zuletzt nicht weiter sanken
Für die letzten zehn Jahre des Messzeitraums wurde das Untersuchungsnetz auf rund 50 Standorte verkleinert. In dieser Zeit ließen sich keine sinkenden Trends mehr nachweisen.
Jahre mit höheren Metallgehalten hängen laut LfU wahrscheinlich mit trockener Witterung zusammen. Bei längeren Trockenphasen gelangt mehr Staub in die Luft, der sich an den Moosen ablagern kann. Ein ähnliches Bild zeigen nach Angaben der Behörde auch Messungen des Staubniederschlags an bayerischen Dauerbeobachtungsstationen.
Früher deutliche Unterschiede zwischen Nordost- und Südbayern
In den 1980er-Jahren gab es noch klare regionale Unterschiede. So wurden in den nordostbayerischen Regierungsbezirken bei Arsen und Vanadium deutlich höhere Belastungen gemessen als in Südbayern. Das LfU vermutet, dass sich dabei die geringeren Luftreinhaltungsstandards in der ehemaligen DDR ausgewirkt haben.
Heute sind solche großräumigen Unterschiede laut Behörde weitgehend verschwunden. Die Metallgehalte sind über Bayern hinweg gleichmäßiger verteilt und bei vielen Stoffen niedriger. An einzelnen Standorten nahe möglicher Emissionsquellen, etwa an stark befahrenen Straßen, können jedoch weiterhin erhöhte Werte auftreten.
LfU setzt Moosmonitoring vorerst aus
Das LfU will das Moosmonitoring zunächst aussetzen. Als Gründe nennt die Behörde die stabil niedrigen Werte und den geringen Erkenntnisgewinn durch weitere Messungen, wenn sich bei den meisten Metallen kaum noch Veränderungen zeigen. Hinzu kommt ein praktisches Problem: Zunehmende Trockenheit erschwert die Untersuchungen. An vielen Standorten sind die benötigten Moose an den Baumstämmen nicht mehr oder nicht mehr in ausreichender Menge zu finden.
Ganz auf die Überwachung der Stoffeinträge aus der Luft verzichtet das LfU aber nicht. Als Frühwarnsystem sollen die Messungen an elf bayerischen Dauerbeobachtungsstationen weiterlaufen.
(Quelle: Pressemitteilung L fU / Beitragsbild: Symbolfoto re)


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