Bayern – Wenig Regen, viel Sonne und hohe Temperaturen machen sich nach Einschätzung des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) zunehmend an Bayerns Gewässern bemerkbar. Sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen könnten demnach die Lebensbedingungen für Fische, Amphibien, Muscheln und Süßwasserschnecken verändern.
Besonders betroffen seien laut LBV die Fische in Bayerns Bächen und Flüssen. Sinkende Wasserstände würden ihre Lebensräume verkleinern. Flache Gewässerabschnitte könnten sogar vollständig austrocknen. Gleichzeitig erwärme sich das verbleibende Wasser schneller. Nach Angaben des LBV kommt hinzu, dass warmes Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen könne. Gleichzeitig benötigten Fische bei höheren Temperaturen mehr Sauerstoff, weil ihr Stoffwechsel schneller laufe. „Besonders empfindlich reagieren Kaltwasserarten wie Bachforelle, Äsche oder Saibling. Für sie wird die Kombination aus Niedrigwasser, hohen Temperaturen und Sauerstoffmangel schnell zur Belastungsprobe. Treten solche Extremsituationen häufiger auf, können empfindliche Arten langfristig aus unseren Gewässern verschwinden und sich die Zusammensetzung der Fischgemeinschaften verändern“, erklärt Thomas Aumer, Referatsleiter Artenschutz beim LBV. Damit drohe Bayerns Flüssen und Bächen nach Einschätzung des LBV ein weiterer Verlust biologischer Vielfalt.
Muscheln können nicht ausweichen
Auch Muscheln und Süßwasserschnecken seien von den niedrigen Wasserständen betroffen. Da Muscheln in der Regel ortsgebunden seien, könnten sie bei sinkenden Wasserständen nicht einfach ausweichen. Laut LBV drohten ihnen Sauerstoffmangel und eine starke Erwärmung des verbleibenden Wassers. Im schlimmsten Fall könnten die Tiere austrocknen und sterben.
Trockenheit gefährdet Amphibien
Auch für Amphibien wie Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Wechselkröte sei die langanhaltende Trockenheit problematisch, so der LBV. Im Frühjahr würden die Tiere bevorzugt flache Gewässer wie Pfützen, Fahrspuren, Abgrabungen oder temporäre Tümpel zur Fortpflanzung nutzen. „Bleibt der Regen über einen längeren Zeitraum aus, fehlen wichtige Laichgewässer und komplette Jahrgänge von Kröten und Fröschen wachsen nicht auf. Entscheidend ist also nicht nur, ob Gewässer austrocknen, sondern wann“, erklärt LBV-Biologin Marie-Therese Krieger.
Auch im Sommer könne anhaltende Trockenheit Amphibien zusetzen. Bei hohen Temperaturen entstehe laut LBV Hitzestress, da die Tiere über ihre dünne Haut schnell Körperwasser verlieren könnten. Wiederholte Trockenjahre könnten deshalb zu sinkenden Beständen führen und das Risiko erhöhen, dass lokale Amphibienpopulationen aussterben.
Nicht alle Arten seien allerdings gleichermaßen betroffen. Einige Vogelarten könnten nach Einschätzung des LBV kurzfristig sogar von niedrigen Wasserständen profitieren. See- und Fischadler könnten beispielsweise leichter an ihre Beute gelangen. Insgesamt sieht der LBV die Entwicklung jedoch kritisch. „Wenn Bäche, Flüsse und Tümpel immer weniger Wasser führen, verändert das ganze Lebensgemeinschaften. Für viele Arten schrumpft der Lebensraum, Nahrung wird knapp oder sie pflanzen sich nicht fort. Die Trockenheit setzt die biologische Vielfalt an unseren Gewässern insgesamt stark unter Druck“, sagt Thomas Aumer.
(Quelle: Pressemitteilung Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) / Beitragssbild: Symbolfoto re)


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