Aising / Landkreis Rosenheim – Heute stehen hier Häuser und Straßen. Doch der Name „Am Aisinger Moos“ erinnert an eine Zeit, in der diese Gegend ganz anders aussah: feucht, sumpfig und für Menschen eher unheimlich als einladend. Gab es hier tatsächlich einmal ein Moor? Ja – und ein Rest davon ist sogar heute noch nachweisbar.
Über 500 Straßen gibt es inzwischen im Rosenheimer Stadtgebiet. Ihre Namen erinnern an Persönlichkeiten, Orte, Landschaften oder historische Ereignisse. Bei der Straße Am Aisinger Moos führt die Spur allerdings nicht zu einer Person oder einem besonderen Ereignis, sondern direkt in die Naturgeschichte des Rosenheimer Südens.
Die Straße liegt im Stadtteil Aising. Das ehemalige Bauerndorf wurde 1978 zusammen mit der Gemeinde Aising nach Rosenheim eingemeindet. Aising selbst ist allerdings sehr viel älter: Bereits im Jahr 778 wird der Ort erstmals urkundlich als „Agusinga“ erwähnt.
Das Moos gab es wirklich
Wer beim Namen „Am Aisinger Moos“ heute vielleicht an ein Stück Grünfläche denkt, liegt nicht ganz falsch. Das Moos ist keine Erfindung, die irgendwann für einen Straßennamen gesucht wurde. Das Aisinger Moos ist tatsächlich als Moorgebiet dokumentiert.
Eine Veröffentlichung der Bayerischen Landesanstalt für Umwelt führt das Aisinger Moos ausdrücklich als Flachmoor. Für das Jahr 1963 werden noch rund 3,9 Hektar angegeben. 2020 waren davon allerdings nur noch etwa 1,9 Hektar vorhanden. Als Gründe für den Rückgang werden unter anderem langjährige Brache und Nährstoffeinträge genannt.
Der Straßenname erzählt damit ein Stück Landschaftsgeschichte, die heute kaum noch auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Ein Ort, an dem man früher nicht unbedingt spazieren ging
Das Wort „Moos“ bezeichnet im süddeutschen Sprachraum seit Jahrhunderten feuchte, sumpfige Landschaften. Für die Menschen früherer Zeiten waren solche Gebiete keine besonders attraktiven Bauplätze. Der Boden war nass und schwierig zu bewirtschaften, Wege konnten bei Regen oder hohem Wasserstand unpassierbar werden.
Besiedelt wurde deshalb vor allem der trockenere Grund in der Umgebung. Aising selbst entwickelte sich über viele Jahrhunderte als bäuerlich geprägter Ort. Das Moor lag gewissermaßen vor der Haustür – gehörte aber zu einer Landschaft, mit der man sich arrangieren musste.
Und vielleicht erklärt genau das auch ein Stück weit, warum Moore in früheren Zeiten häufig etwas Unheimliches anhaftete. Zwischen Nebel, Wasserflächen, dichtem Bewuchs und schwer begehbarem Boden konnte eine solche Landschaft durchaus mystisch wirken. Irrlichter und andere Spukgeschichten gehören deshalb nicht zufällig zum alten Sagenschatz rund um Moore und Sümpfe.
Heute erinnert nur noch der Name an die Landschaft
Von dieser ursprünglichen Landschaft ist in Aising vieles verschwunden. Entwässerung, landwirtschaftliche Nutzung und später die Bebauung veränderten das Gebiet. Das Aisinger Moos ist dadurch deutlich kleiner geworden.
Ganz verschwunden ist die Erinnerung daran aber nicht. Sie steckt nicht nur im Straßennamen, sondern auch in der Landschaft selbst. Wer heute durch die Straße Am Aisinger Moos fährt oder geht, bewegt sich damit in einem Gebiet, dessen Name von einer Zeit erzählt, in der hier deutlich mehr Wasser und Moor zu finden waren.
Und so ist das Straßenschild eigentlich ein kleines Stück Naturgeschichte: Es erinnert daran, dass dort, wo heute Häuser stehen, früher eine feuchte Landschaft lag, die den Menschen wohl eher Respekt als Lust auf einen gemütlichen Spaziergang einflößte.
Das Aisinger Moos ist damit ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie viel Vergangenheit in einem scheinbar unscheinbaren Straßennamen stecken kann.
(Quellen: Bayerische Landesanstalt für Umwelt, Stadtteilgeschichte Aising / Beitragsbild: Symbolfoto)


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