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Elektrizität vom Wendelstein

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

29. Oktober 2021

Lesezeit: 2 Minute(n)

Bayern / Wendelstein – Als „eigenwillig und faszinierend“ wurde der aus Baden stammende Otto von Steinbeis gerne von denjenigen beschrieben, die ihn näher kannten. Vor 109 Jahren fasst der Unternehmer den Entschluss, den Wendelstein mittels Hochgebirgsbahn zu bezwingen. Weil er der modernen Technik gegenüber schon immer sehr aufgeschlossen war, wollte er die Bahn nicht mittels, wie damals üblich, Dampf sondern mit Elektrizität betreiben.

Eine Fahrt mit der Hochgebirgsbahn ist auch heute noch ein Erlebnis, insbesondere für Kinder. Fotos: Wunsam

Als „eigenwillig und faszinierend“ wurde der aus Baden stammende Otto von Steinbeis gerne von denjenigen beschrieben, die ihn näher kannten. Vor 109 Jahren fasst der Unternehmer den Entschluss, den Wendelstein mittels Hochgebirgsbahn zu bezwingen. Weil er der modernen Technik gegenüber schon immer sehr aufgeschlossen war, wollte er die Bahn nicht mittels, wie damals üblich, Dampf sondern mit Elektrizität betreiben.

Elektrizität
statt Dampf

Man muss wissen: 1910 waren sogar in einer Großstadt wie Berlin erst 3,5 Prozent der Häuser an das Stromnetz angeschlossen. In vielen ländlichen Gegenden war Elektrizität zu dieser Zeit noch gänzlich unbekannt. Otto von Steinbeis musste darum ganze Überzeugungsarbeit leisten, um die Bewohner von Brannenburg und Flintsbach von dieser neuen Art der Energie zu überzeugen. Seine „Werbestrategie“:  jede Nacht beleuchtete er seine Villa in Brannenburg taghell. Diesem Anblick konnten selbst die besonders skeptischen Einwohner nicht widerstehen, ist überliefert.  
Um in einer Region, in der es zu diesem Zeitpunkt weit und breit kein Stromnetz gab, überhaupt an Strom zu kommen, ließ er in Brannenburg – dem geplanten Startpunkt der Bahn – kurzerhand ein Wasserkraftwerk mit zwei Turbinen errichten. Zusätzlich nutzte er die Bremsenergie der talwärts fahrenden Züge zur Energierückgewinnung – heutzutage wird diese Technik als besonders energieeffizient gelobt. Zum Einsatz kommt sie beispielsweise bei Elektroautos. Genau wie die Bahn existiert auch das Elektrizitätswerk noch immer. Heute betreut die Wendelstein GmbH rund 5000 Stromkunden. Auch Kunden aus den umliegenden Orten wie Bayrischzell, Bad Feilnbach, Nussdorf, Neubeuern und Raubling beziehen mittlerweile „Strom vom Wendelstein“.

Vorhandene Energiequellen
optimal genutzt

Rund 20 Prozent des Strombedarfs erzeugt die Wendelsteinbahn in eigenen Kraftwerken: aus Wasser, Biogas und Sonne. Auf diese Weise können regional vorhandene Energiequellen optimal genutzt und auf kurzem Weg zu den Kunden gebracht werden.Industriepionier Otto von Steinbeis starb 1920 in Brannenburg. Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Flintsbach. Mit dem Bau der Wendelsteinbahn legte er auch den Grundstein für den Tourismus im Inntal. Bereits im ersten Jahr brachte die Zahnradbahn 36 000 Fahrgäste auf den Wendelstein. Seit 1970 gibt es auch eine moderne Seilbahn. Sie kann von Bayrischzell aus, Fahrgäste in nur sieben Minuten auf den Gipfel befördert. Zum Vergleich: Die nostalgische Zahnradbahn benötigt dafür gut 25 Minuten. Ausgedient hat sie aber dennoch nicht. Einheimische und Touristen schätzten die gemütliche Zahnradbahn nach wie vor. Bei gemütlichen 20 Kilometer pro Stunde lässt sich auf der malerischen Bergstrecke die Schönheit der Berge eben in vollen Zügen genießen.

 

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