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Tarifstreit in der Milchwirtschaft: NGG kündigt weitere Warnstreiks an

Milchflaschen aus Glas. Foto: re

Karin Wunsam

Schreibt immer schon leidenschaftlich gern. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim OVB-Medienhaus. Mit der Geburt ihrer drei Kinder verabschiedete sie sich nach gut 10 Jahren von ihrer Festanstellung als Redakteurin und arbeitet seitdem freiberuflich für die verschiedensten Medien-Unternehmen in der Region Rosenheim.

21. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

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München / Bayern – Im Tarifstreit der bayerischen Milchwirtschaft drohen weitere Warnstreiks. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kündigt Arbeitsniederlegungen in Molkereien und Käsereien an. Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband.

Betroffen sind rund 19.000 Beschäftigte in der bayerischen Milchwirtschaft. Nach Darstellung der NGG haben die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde ihr bisheriges Angebot zurückgezogen. „Das ist eine Rolle rückwärts. Das ist beispiellos. Und das ist eine unglaubliche Provokation – eine knallharte Kampfansage“, sagt Mustafa Öz, Landesvorsitzender der NGG Bayern.

Unterschiedliche Vorstellungen bei Löhnen und Entlastung

Nach Angaben der Gewerkschaft hatte der Arbeitgeberverband der bayerischen Ernährungswirtschaft zunächst zwei zusätzliche Entlastungstage in Aussicht gestellt, diese Zusage aber wieder zurückgenommen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Die Verhandler des Arbeitgeberverbandes brüskieren damit die Beschäftigten der bayerischen Milchwirtschaft und diskreditieren das Arbeitgeberlager. Denn die wichtigste Währung am Tariftisch ist gegenseitiges Vertrauen. Genau das hat der Arbeitgeberverband jetzt aber aufs Spiel gesetzt“, sagt Öz.
Die NGG fordert in der aktuellen Tarifrunde ein Lohnplus von 4,1 Prozent für zwölf Monate. Für Auszubildende verlangt die Gewerkschaft 80 Euro mehr pro Monat sowie eine zusätzliche Zahlung im Umfang von fünf Arbeitstagen zur flexiblen Nutzung.

Die Arbeitgeber hätten zuletzt 2,1 Prozent für 13 Monate angeboten, teilt die NGG mit. Außerdem kritisiert die Gewerkschaft, dass die Arbeitgeber die Übernahme der Fahrkosten zur Berufsschule für Auszubildende nicht anpassen wollten. „Sie waren nicht einmal bereit, für ihre Auszubildenden die Übernahme der Fahrkosten zur Berufsschule anzupassen. Insgesamt sind die Arbeitgeber damit auf ihr Einstiegsangebot aus der ersten Verhandlungsrunde am 10.06.2026 zurückgefallen. Es ist eine Tarifverhandlung im Rückwärtsgang: Ein bislang einmaliger skurriler Prozess“, sagt Mustafa Öz.

NGG bereitet Warnstreiks vor

Die Gewerkschaft kündigt an, die Arbeitskampfmaßnahmen auszuweiten. Mustafa Öz spricht dabei von einem möglichen „Milch-Blackout“ in Bayern. „Die Produktion von Milchprodukten wird landesweit in mehreren Betrieben und vor allem auch für längere Zeit zum Stillstand kommen, als das bislang jemals bei Warnstreiks der Fall war. Bayern steht vor einem ‚Milch-Blackout‘“, sagt Öz.

Die NGG erklärt, in den kommenden Wochen seien ausgeweitete und flächendeckende Warnstreiks in der bayerischen Milchwirtschaft möglich.

Gewerkschaft verweist auf Belastung der Beschäftigten

Als Begründung für ihre Forderungen verweist die NGG auf die Arbeitsbedingungen in der Branche. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sei die Menge der in Bayern verarbeiteten Milch gestiegen, während die Zahl der Beschäftigten in vielen Betrieben gleich geblieben oder gesunken sei.
„Die Tonnen an Milch, die in Bayern verarbeitet werden, werden mehr. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Beschäftigten in den meisten Betrieben konstant oder sie sinkt sogar. Das bedeutet für die Beschäftigten mehr Arbeit – und das für viele frühmorgens, spätabends, nachts und auch am Wochenende. Denn die Michverarbeitung läuft im 24-Stunden-Schichtsystem“, sagt Mustafa Öz.

Die Gewerkschaft warnt außerdem vor einem zunehmenden Fachkräftemangel. Um Beschäftigte zu halten und neue Mitarbeiter zu gewinnen, seien aus Sicht der NGG bessere Lohnbedingungen notwendig.„Es ist höchste Zeit für den Arbeitgeberverband, zu überlegen, wie die Boomer, die in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, ersetzt werden können. Ansonsten droht der Milchwirtschaft in Bayern ein erheblicher Fachkräftemangel. Um den zu verhindern, müssen jetzt Lohnanreize gesetzt werden“, so Öz.

Die NGG verweist zudem auf die wirtschaftliche Lage der Branche und erklärt, die Milchwirtschaft arbeite in Bayern profitabel. Der Lohnkostenanteil liege nach Angaben der Gewerkschaft im Durchschnitt bei sieben Prozent.

Arbeitgeber und Gewerkschaft weiter auseinander

Die NGG kritisiert, dass die Arbeitgeber auch nach mehreren Warnstreiks bislang nicht ausreichend auf die Forderungen eingegangen seien. „Es wird in den kommenden Wochen ausgeweitete und flächendeckende Warnstreiks in der Milchwirtschaft Bayerns geben“, kündigt Mustafa Öz an.’Die Gewerkschaft erklärt, die Streiks würden erst beendet, wenn die Arbeitgeber mit einem aus ihrer Sicht verbesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehren.
(Quelle: Pressemitteilung NGG Bayern / Bearbeitung: Karin Wunsam)

1 Kommentar

  1. Mehr Milch ja! Mehr Arbeit pro Mitarbeiter??? Oder wurde ggf. mehr automatisiert, weil immer weniger Menschen dreischichtig an allen Wochentagen arbeiten wollen?

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